• 2018
  • 17.01.
  • 2018.17.01.

Teure Randstreifen

© Frank Hartmann

An den Hambach grenzt ein sechs Meter breiter Blühstreifen. Davon hat die TZG etliche angelegt, die sich auf rund 30 ha summieren.

In diesem Frühjahr will die Thüringer Landesregierung dem Landtag ein neues Wassergesetz vorlegen. Etliches soll damit neu geregelt bzw. Probleme gelöst werden. Dazu zählen etwa die Abwasserbehandlung mit Kleinkläranlagen im ländlichen Raum, der Umgang mit herrenlosen Wasserspeichern, die Gewässerunterhaltung oder die Verbesserung der Gewässerökologie. Die Landwirtschaft ist mehrfach betroffen und ihre Verbände sind alarmiert.

Zehn Meter Ökolandbau

So will der Gesetzentwurf aus dem Umweltministerium jenen Landwirten, deren Flächen an Gewässer 2. Ordnung grenzen, einen zehn Meter breiten Gewässerrandstreifen zur Pflicht machen. Jedweder Ackerbau ist hier gestattet, allerdings ohne den Einsatz von Düngern und Pflanzenschutzmitteln. Optional kann ein lediglich fünf Meter breiter, begrünter Streifen angelegt werden: Kurzumtrieb oder Sträucher dürften hier wachsen; die Ansaat von Grünland, aber auch die natürliche Begrünung durch Stilllegung wären möglich. Für die Optionsvariante gelten grundsätzlich das Dünge- und Pflanzenschutzverbot sowie die mindestens einjährige umbruchlose Bewirtschaftung.

Bereits genug Grünland

TZG-Pflanzenbauleiter Dirk Grigutsch hat sich überschlägig mit den Streifen beschäftigt. Und er gibt zu, nicht schlecht gestaunt zu haben: An den 15 oderirdischen Fließgewässern im TZG-Territorium rechnet er grob mit bis zu 60 ha Gewässerrandstreifen. „Das entspricht in etwa dem Umfang der bisherigen Greeningflächen.“ Dass sich die TZG bei den Ackerflächen auf begrünte Randstreifen einlassen würde, schließt Grigutsch aus. Denn: „Wir bewirtschaften ja heute bereits knapp 1.800 Hektar Dauergrünland gegenüber 1.200 Hektar Ackerland.“ Allein den Gedanken, im Falle von gepachteten Ackerflächen mit den Eigentümern über eine derartige Nutzungsänderung zu verhandeln, hält Grigutsch für abwegig.

Verluste programmiert

In den zurückliegenden Jahren entschied sich die TZG im Zuge des Greenings zunehmend für Blühstreifen. Aktuell summieren sich die einjährigen Blühstreifen auf rund 30 ha, und nahezu alle sind an Gewässern angelegt worden: „Ich denke, dass das sowohl ökologisch als auch ökonomisch die richtige Entscheidung ist.“ Nicht zuletzt, weil der Freistaat über sein Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) die Anlage von Blühstreifen unterstützt. Würde das Gesetz Realität, wäre die Förderung von Blühstreifen an Gewässern Geschichte. Was das Ackern im zehn Meter breiten Gewässerrandstreifen betrifft, mag Grigutsch nicht verstehen, warum allein der Landwirt die zu erwartenden Ertragsverluste tragen muss. Die einschließlich eingesparter Betriebsmittel im Gesetzentwurf auf Weizenbasis genannte Halbierung der direktkostenfreien Leistungen auf 234 €/ha hält Grigutsch, der 40er-Böden zu seinen besten zählt, für gewagt und angesichts der Preisentwicklungen für verharmlosend. „Hinzu kommen ja noch Probleme wie die Ausbreitung von Unkräutern oder Krankheiten in den angrenzenden Bestand oder Einschränkungen bei der Fruchtfolgegestaltung.“ Den Anbau von Mais oder Erbsen könne man sich im Grunde auf diesen Schlägen schenken.


Ein Betrieb – drei Wasserverbände

Weitere Kosten drohen sowohl Land- als auch Forstwirten mit der gesetzlichen Ankündigung, Gewässerunterhaltungsverbände zu gründen. „Dass sich bei der Gewässerunterhaltung etwa verbessern soll, ist klar zu begrüßen“, sagt Grigutsch. In den Wintermonaten ist das TZG-Pflanzenbauteam oft genug schon unterwegs gewesen, um Gräben oder Vorfluter wieder auf Vordermann zu bringen. Auf eigene Kosten: „Darüber machen wir kein großes Aufheben.“  Zuständig für die Gewässerunterhaltung sind in Thüringen bislang die Gemeinden, die der Aufgabe, von Ausnahmen abgesehen, kaum nachkommen. Mit dem Wassergesetz soll sich das ändern. 13 Unterhaltungsverbände schlägt das Umweltministerium für ganz Thüringen vor. Die geografische Lage der TZG bedingt, dass sie es in diesem Fall mit gleich drei Verbänden zu tun bekäme. Im Gesetzentwurf heißt es, dass Gemeinden die Gewässerunterhaltung mit jährlich 15 Mio. € stemmen könnten. Die Hälfte flösse vom Land direkt an die Unterhaltungsverbände; die Gemeinden würden den Rest beisteuern. Nicht nur Dirk Grigutsch hegt den Verdacht, dass die genannte Summe bei Weitem nicht reichen wird. Laut Gesetzentwurf können die Gemeinden dann ihre Kosten auf die Anlieger umlegen.

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