• 2013
  • 22.03.
  • 2013.22.03.

Gras mit Soja aufwiegen

Mit Spannung blickt Dr. Eberhard Dierchen auf den Milchpreis. „Nach Ostern treten die Molker mit dem Handel in die Verhandlungen um die weiße Linie ein“, so der TZG-Chef. Er beobachtet genau was passiert: „Der Rohstoffindex zeigt nach oben.“ Allerdings nicht so steil, dass die gewünschten 40 Cent/kg Milch Realität werden könnten. Momentan geben die Ernstrodaer die Milch der über 600 Kühe für 33 Cent/kg (4,0 % Fett; 3,4 % Eiweiß) ab.

 

Vor zwölf Monaten waren es knapp 1,3 Cent/kg weniger. Das ist alles andere als ein Trost. „Die Futterkosten sind für uns in dieser Zeit um mindestens 4 Cent/kg Milch gestiegen.“ Sojaschrot, ein Dauerbrenner am Weltmarkt, zog um 35 % an; Mischfutter legte um 20 % zu. „Höhere Futtererntekosten aufgrund gestiegener Dieselpreise sind in dieser Rechnung noch nicht enthalten.“ Kontrakte, die im Voraus auf ein Jahr einen guten Sojapreis sichern könnten, schloss man in Ernstroda dieses Jahr auch noch nicht ab: „Mir liegt heute ein Angebot über 36 Euro für Anfang 2014 vor. Da warte ich lieber noch mal ab.“ Zocken nennt das Dierchen.

 

Als wäre dies nicht genug, muss die TZG auch noch eine schwache Grundfutterqualität ausgleichen. „2011 und 2012 war die Grasernte von unseren 1.200 Hektar Dauergrünland enttäuschend.“ Die Qualität, vor allem der Rohproteingehalt, fiel in beiden Jahren unterdurchschnittlich aus. „Im vorigen Jahr verzögerten Niederschläge den Beginn und die Ernte des ersten Schnittes.“ Sind 15 % Rohprotein normal, zeigten die Werte 2012 lediglich 13 % an. Häufig musste die Anwelksilage zu feucht geborgen werden, was mit Siliermitteln zum Teil korrigiert werden konnte. „Folge des häufigen Wendens und Zettens war ein Rohascheanteil von bis zu 13 Prozent, normal sind für uns 6 bis 7 Prozent.“

 

Um das energieärmere Grundfutter auszugleichen, setzt die TZG seit Juni 2012 auf Futterharnstoff, der einem Mineralfutter beigemischt ist. Daneben wurde die Sojaration erhöht (Ration Hochleistungsgruppen: 16 kg Anwelksilage, 18 kg Maissilage, 4 kg Mischfutter/18.4., 3 kg Wintergerste, 1,4 kg Soja, 1,5 kg Lactobiofett, 0,5 kg Futterstroh). „Eine Reduzierung des Kraftfuttereinsatzes kommt für uns nicht infrage“, sagt Dierchen. Soja- durch Rapsschrot zu ersetzen sei bei den derzeitigen Preisen eine Nulllösung, die zudem noch das Risiko einer jeden Rationsumstellung bereithielte. Biertreber und Rübenschnitzel fanden die Kühe früher mal am Futtertisch. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Futter aufgrund der Lagerfähigkeit bzw. mangelnder Qualitätsstabilität nicht unproblematisch sind, so Dierchen.

 

Bei 8.500 kg/Milch/Kuh lag im Vorjahr die Marktleistung, „2010, in unserem bisher besten Jahr, verkauften wir 8.880 Kilogramm, und das mit Gras vom Dauergrünland“, so der TZG-Chef, der damit betonen will, dass die Leistung der Herde maßgeblich durch die Grundfutterqualität bestimmt wird. „Die hängt natürlich auch vom Erntemanagement ab.“ Ein starker Komplex ist dafür von Mitte Mai bis zur Getreideernte, und dann noch mal beim dritten Schnitt auf 500 ha bis zur Maisernte im Einsatz. „Ein zweites Team auszurüsten, um den optimalen Schnittzeitpunkt besser auszunutzen, wäre zu teuer. Man darf auch nicht das Silo vergessen: das bleibt ein Nadelöhr.“ Dierchen fügt hinzu, dass jene Kollegen, die das Gras der Wiesen am Rande des Thüringer Waldes bergen, es im Winter selbst verfüttern dürfen. „Das motiviert, gewissenhaft zu arbeiten.“

 

Alltag wäre es in Ernstroda schon längst, dicht am Tier zu stehen: „Das Auswerten der Harnstoffwerte in der Milch etwa ist für uns Routine, um den Sojaeinsatz in der Ration - wenn nötig tagesaktuell – zu steuern.“ Unterm Strich sieht Dierchen momentan seine Hände gebunden, um wirkungsvoll an den Kostenschrauben drehen zu können. So bleibt abermals nur die Hoffnung auf geschickte Verhandlungsführer der Molkereien, wenn sie dem LEH gegenübersitzen.

 

 

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