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  • 05.07.
  • 2013.05.07.

Glück und Verstand

„Den will ich fahren, seit ich in Ernstroda angefangen habe“, sagt Ricardo, Landwirt-Azubi am Ende des zweiten Lehrjahres. Gemeint ist der Terra-Gator: Baujahr 2008, 400 PS stark, 18 m³ großer Güllebehälter, 6.000 Betriebsstunden auf der Uhr. Dass Ricardo den Riesen jetzt lenken kann, hat mit Glück und Verstand zu tun. Mit Glück, weil der TZG-Stammfahrer Urlaub hat, die Gülle (Biogas-Gärrest) aber auf die spät geschnittenen Flächen des zweiten Aufwuchses muss. „Es ist dieses Jahr alles ziemlich eng. Wir brauchen jeden Mann und jede Frau“, sagt Ausbildungsleiter Arnd Hölzer. Und weil Ricardo keine Angst kennt, die Technik beherrschen will und bei allem Enthusiasmus sehr verantwortungsvoll agiert, entschied man sich für ihn. „Einen Kollegen vom Häcksel-Komplex abzuziehen, können wir uns nicht leisten, weil Wachstum und Ernte des zweiten Aufwuchses hinterherhinken“, ergänzt Dirk Grigutsch.

 

Für eine Woche gehört Ricardo nun zum Gülle-Team der TZG. Seine beiden Kollegen, die per MAN-Lkw die Gülle von Ernstroda auf den Dauergrünlandschlag transportieren, sind begeistert. Und die meinen das ernst. Immerhin werden sie nach Leistung bezahlt. „Wir sind sehr froh, dass uns die Berufsschule in Schwerstedt entgegen kam“, sagt Arnd Hölzer. Denn eigentlich müsste Ricardo jetzt die Schulbank drücken. Weil man in Schwerstedt Verständnis für die Situation der TZG aufbrachte, und Ricardos schulische Leistungen dem nicht entgegenstehen, gab es grünes Licht für eine Freistellung. Das freut nicht nur die Verantwortlichen bei der TZG. Ricardo ist begeistert von dem „Deal“.

 

Rund 50.000 m³ Gülle fallen bei der TZG im Jahr an. „Einen kleinen Teil kauft ein viehloser Nachbarbetrieb ab. Das entlastet uns in der Spitze“, erklärt Dirk Grigutsch. Gut 2.300 ha Acker- und Grünland erhalten den organischen Dünger, der zuvor in der Biogasanlage vergoren wurde. Vom Frühjahr bis zum Herbst ist das Gülle-Team nahezu werktäglich im Einsatz. „In der Wendezeit organsierten wir den Gülle-Transport noch mit gebrauchten NVA-Tatras. Die Zeiten sind aber längst vorbei.“ Die TZG kaufte zwei neue MAN. Jeder ist mit einem 20-Kubikmeter-Faß ausgestattet. Für Arbeitsspitzen steht noch ein DAF-Lkw bereit. Je nach Entfernung und Gelände schafft das Team 600 bis 800 m³ am Tag aufs Feld. Seit dem vorigen Jahr ist der Terra-Gator zudem mit einem modernen Schleppschlauch-System ausgestattet. Auf dem Ackerland erreicht er dann eine Arbeitsbreite von 12,40 m, auf dem Grünland von 9,00 m. „Der Schleppschlauch versetzt uns jetzt in die Lage, den organischen Dünger als Frühjahrs-Startgabe im Winterweizen und Winterraps einzusetzen“, sagt Dirk Grigutsch.

 

Während Ricardo mit dem Terra-Gator gekonnt seine Runden dreht, drücken Bianca, Kai und Ute die Berufsschulbank. Till aus dem dritten Lehrjahr ist beim Melken, seine Kollegin Theresa bei der Futterernte. Kommende Woche wird in Ernstroda ein neuer Ausbildungsvertrag für einen Landwirt unterzeichnet. Damit ist der zweite Azubi für das neue Jahr gewonnen.

 

 

 

 

 

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