• 2012
  • 23.11.
  • 2012.23.11.

Brief und Siegel

In dieser Woche erhielten der Pflanzenbauchef der TZG Ernstroda und 14 Kollegen aus dem Lande ihre Meisterbriefe ausgehändigt. Feierlich ging es dabei zu in „Thüringens guter Stube“ – so wird der Barocksaal in der Staatskanzlei zu Erfurt genannt.

 

Besondere Erwähnung fand hier das Arbeitsprojekt von Dirk Grigutsch, das die Prüfer mit „sehr gut“ bewertet hatten:  „Vergleichende Untersuchung zwischen konventioneller stickstofforientierter Düngung und einem alternativen stickstoffreduzierten Düngesystem anhand ausgewählter Feldstücke der TZG Ernstroda“ lautete das Thema. „Wir kooperieren schon längere Zeit mit der österreichischen Karner Düngerproduktion GmbH. Da lag es auf der Hand, zum Akra-Düngesystem eine Arbeit zu schreiben“, erklärt Dirk Grigutsch. Sowohl der Raps als auch der Weizen wurden auf Versuchsflächen oberflächlich mit einer N-Bakterienlösung (Azotobacter) behandelt. Die Bakterien vermögen den frei verfügbaren Luft-Stickstoff zu binden und in pflanzenverfügbaren Stickstoff umzuwandeln. „Ziel ist es, den Einsatz von mineralischen N-Düngern zu reduzieren und somit Kosten zu sparen. Nebenbei wird die Umwelt entlastet.“ Im Ergebnis sei beim behandelten Weizen eine N-Gabe (70 kg/ha) eingespart und ein Ertragsplus gegenüber dem herkömmlich gedüngten Weizen erreicht worden. „Um die Ergebnisse zu bestätigen, wenden wir in der TZG dieses Düngesystem unter Praxisbedingungen derzeit auf 250 ha Weizen an“, sagt Grigutsch. In seinem Rapsversuch führte die Kombination aus Bakterienbehandlung und üblicher N-Düngung zu gegenläufigen Effekten: „Der Ertrag ist dabei eingebrochen.“

 

Auf Kosten ganz anderer Art blickte Dirk Grigutsch in seiner Meister-Hausarbeit. Er wollte wissen, wie teuer die EU-Agrarreform die TZG zu stehen kommen könnte. „Verglichen habe ich die Jahre 2011, 2013 und 2014“, gleichwohl der Blick in die Zukunft auf den vagen Annahmen der Brüsseler Reformvorschläge beruhte. Als starker Grünlandbetrieb (1.800 ha) profitiere die TZG momentan vom Angleichen der Acker- und Grünlandflächenprämien („Abschmelzen“). Denn während die Prämie für die Ackerflächen (1.300 ha) bis 2013 auf knapp 300 Euro je Hektar absinkt, steigt sie auf dem Grünland auf rund 300 Euro an. „Die Vorschläge zur sogenannten Kappung, also der Begrenzung der Beihilfen, würden die TZG ab 2014 voll treffen, sollte es nicht zur Anrechnung der knapp 100 Mitarbeiter kommen“, weiß Grigutsch. „Dann kann die TZG mit ihrem hohen Grünlandanteil und der arbeitsintensiven Tierproduktion nicht mehr wirtschaftlich arbeiten.“ Für einen jungen, frischgebackenen Landwirtschaftsmeister eine trübe Aussicht.

 

 

comments powered by Disqus

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr