• 2012
  • 07.12.
  • 2012.07.12.

Bildungswoche

Als Mitglied des Fachausschusses Bildung des Thüringer Bauernverbandes (TBV) hatte sie Arnd Hölzer mit auf den Weg gebracht: die erste Konferenz des TBV zur Nachwuchssicherung, die gemeinsam mit dem Agrarministerium am Mittwoch in Erfurt veranstaltet wurde. „Es ist gut, dass sie stattgefunden hat, dass wesentliche Dinge zur Sprache gekommen sind“, resümiert der Ausbildungsleiter der TZG Ernstroda. Denn den Abbruch bei den Schülerzahlen wird auch die Landwirtschaft zu spüren bekommen. „Bedauerlich ist, dass nur wenige Landwirtschaftsbetriebe vertreten waren.“ Und die, die kamen, würden die Sache bereits ernstnehmen und sich kümmern, meint Hölzer.

 

Freilich könne man nach einer ersten Diskussion keine fertigen Rezepte verlangen. Wichtig sei jedoch, überhaupt die richtigen Fragen gestellt zu haben: „Wie wecken wir das Interesse junger Leute für die grüne Branche und was erwarten wir von ihnen? Welche beruflichen Perspektiven können wir ihnen bieten? Wie ist es um das Image der Landwirtschaft bestellt und was muss sich ändern? Warten wir auf Fördermittel oder beginnen wir selbst, in die Nachwuchswerbung zu investieren? Entwickeln wir konzentrierte, landes- oder gar bundesweite Projekte oder setzten wir auf regionale Initiativen?“, zählt Hölzer auf. Und, ganz wichtig: „Wie bekommen wir eine größtmögliche Zahl von Landwirtschaftsbetrieben mit ins Boot?“. Ärgern könne ihn, und so sei es ihm bzw. der TZG schon ergangen, dass man den Nachwuchs wirbt, ausbildet, berufsbegleitend qualifiziert und sich plötzlich Abwerbungsattacken ausgesetzt sieht. „Wettbewerb soll es geben, fair muss es dabei aber zugehen, zumal unter Berufskollegen“, meint Hölzer. Dass man von Kollegen mitunter belächelt werde, wenn man mit Kindergartenkindern durch die Ställe zieht, sei da eher das kleinere Übel.

 

So koche nicht allein nur die TZG bei der Nachwuchsgewinnung momentan ihr eigenes Süppchen, „aber immerhin, wir kochen bereits“, sagt Hölzer. Die Kooperationsverträge mit Kindergärten, Regelschule und Arbeitsagentur seien mit Leben erfüllt. „Erst kürzlich war wieder eine Gymnasialklasse hier, um sich die Biogasanlage anzuschauen.“ Hoftag, diverse Feste und die regional verwurzelte Direktvermarktung sicherten eine ständige lokale und regionale Präsenz der TZG - mit positivem Feedback. „Ob das in Zukunft reichen wird? Wir wissen es nicht. Daher werden wir mehr tun müssen“, ist sich Hölzer sicher.

 

Auch die Qualität der Ausbildung spiele eine Rolle. Auf der Erfurter Konferenz stellten Brandenburger Berufskollegen aus der Elbe-Elster-Region ihr Ausbildungsnetzwerk vor: „Das fand ich richtig gut. Den Azubis bringt es Abwechslung. Zudem denke ich, dass es die Lehrlinge spüren, wann sie qualifizierte Lehrunterweisungen erhalten und wann nicht.“ Einen ähnlichen Verbund hatte man vor Jahren auch. Der schlief aus verschiedenen Gründen leider wieder ein.

 

Um Lehrlinge, Praktikanten oder junge Fachkräfte, die heute nicht mehr in jedem Fall aus der unmittelbaren Umgebung kommen, den Weg zur TZG nach Ernstroda zu erleichtern bzw. sie zu halten, denke man darüber nach, Wohn- bzw. Übernachtungsmöglichkeiten für die Pendler anzubieten. „Am Montag haben wir das im Vorstand und Aufsichtsrat erstmals diskutiert. Weil die TZG selbst keine Wohnimmobilien besitzt, und der Wohnungsmarkt auf dem Dorf begrenzt ist, hieße das: wir müssen investieren.“ Kürzlich hat Pascal, der erst im Sommer seine Lehre angetreten und ein Zimmer im Dorf gemietet hatte, hingeschmissen. Seine Wohnsituation sei dafür auch ein Grund gewesen.

 

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