• 2012
  • 13.04.
  • 2012.13.04.

Arbeiten wo andere Urlaub machen

In der Berufsschule in Schwerstedt rührt der Thüringer Landjugendverband dafür die Werbetrommel. Und vor der Unterschrift des Ausbildungsvertrages weist die TZG Ernstroda jedes Jahr ihre neuen Lehrlinge auf die Möglichkeit eines Auslandspraktikums hin. „Wir unterstützen unsere Auszubildenden bei der Teilnahme an dem Programm Agrochange“, sagt TZG-Ausbildungsleiter Arnd Hölzer. Freilich: Sie müssen wollen und sie müssen die entsprechende Leistung bringen. Denn immerhin werden die Azubis von ihrem Betrieb vier Wochen freigestellt, das Lehrlingsgeld wird weiter gezahlt und einen Unkostenbeitrag leistet die TZG auch noch. Arnd Hölzer, der sich freut, dass so etwas heute möglich ist, berichtet, dass in der Vergangenheit zwei Azubis der TZG zum Auslandspraktikum nach Südtirol reisten. Andere, die hätten fahren können, wollten nicht: „Wir zwingen natürlich auch keinen.“

Bei Till, der nach dem Zoo-Tierpfleger seinen zweiten Berufsabschluss macht, wäre das auch nicht nötig gewesen. Auch konnte ihn das Argument einiger Berufsschulkollegen, die erste Futterernte des Jahres mit dem Häcksler zu verpassen, nicht davon abbringen. Dabei weiß Till, dass in Südtirol auch Futterernte ansteht, nämlich Heumachen, was dort viel Hand- und Knochenarbeit bedeuten wird.  Die Vorfreude ist groß. „Auf dem Bewerbungsbogen für Südtirol konnten wir Wünsche äußern, etwa ob wir eher auf einen Hof mit Anschluss zum Dorf oder auf einen abgelegenen mit Almbetrieb wollen“, erzählt Till. Er wolle einfach die Erfahrung machen, auch hoch oben auf einer Alm. Und mit Blick auf den Thüringer Wald kann er sich, der aus dem niedersächsischen Flachland stammt, nicht die Spitze verkneifen: „Ich will auch einmal in richtigen Bergen arbeiten“.

Nun: Die wird er bekommen. Am 20. Mai starten 19 Thüringer Azubis, begleitet vom Landjugendverband, Richtung Südtirol. Gestern war die erste Einweisung. Till wird auf den Brunner-Hof kommen, unweit von Klausen gelegen. Auf 1.000 m werden 20 ha Wiesen und Weiden mit 30 Braunviehkühen und 20 Jungrindern bewirtschaftet. Stallarbeit auf dem Hof, Heuernte und Arbeit auf den Bergwiesen und im Wald, so lautet, bei freier Kost und Logis, die Beschreibung von Tills Praktikumsstelle mit Familienanschluss. 

 

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