• 2013
  • 18.12.
  • 2013.18.12.

Wild aus dem Gatter

Beste Bedingungen auf knapp zehn Hektar:

Das LVG Köllitsch hält zwischen 50 und 60 Stück Damwild.

Im Gatter ist Bewegung. „Der da vorn, das ist Horsteli“, ruft Burkhard Puhlmann und deutet auf den Damhirsch an der Spitze des Rudels. „Der kommt manchmal bis an den Zaun und lässt sich mit Brot füttern.“ Horsteli gelangte 2009 durch Zukauf in den Damwildbestand des LVG Köllitsch. Nebenbuhler hat er, bis auf einen zweiten Vollschaufler im Rudel, keine. Die Spießer, also die nachwachsenden männlichen Tiere, werden regelmäßig vor Beginn der Brunft entnommen. Schließlich soll es kein Ärger mit den heranwachsenden Hirschen geben. Denn zum Ende der Brunft sind die alten Hirsche körperlich so geschafft, dass Rangeleien mit den Jungspunden um die Gunst der weiblichen Tiere zu ernsthaften, zum Teil auch tödlichen Verletzungen führen könnten. „Das wollen wir vermeiden“, sagt der LVG-Mitarbeiter.

 

Bestandsstärke ermittelt

Das Wild dreht derweil weiter seine Runden entlang des Gatterzaunes. Die Unruhe kommt nicht von ungefähr. Burkhard Puhlmann, seine Kollegin Diana Graß und das Jägerpaar Roswitha und Günter Bethig aus Züllsdorf im nahen Brandenburg haben das Gatter betreten. Der Bestand wird gezählt, was bei den sich immer wieder bewegenden Tieren nicht eben einfach ist. Da schadet es nicht, wenn mehr als einer zählt. Im zweiten Anlauf steht es fest: Der Bestand ist 44 Tiere stark. Am Ende des Tages werden es sieben weniger sein. Denn das Jägerpaar Bethig ist nicht ohne Grund vor Ort. In der vergangenen Woche haben sie bereits sieben Kälber geschossen.

Jahrelang problemlos praktiziert, ist seit einiger Zeit das Aufbrechen der Tiere an Ort und Stelle nicht mehr erlaubt. Die veterinärrechtlichen Bestimmungen in Sachsen stehen dem entgegen. Stattdessen muss das Wild innerhalb einer Stunde zu einem für die Zerlegung von Wild zertifizierten Schlachtbetrieb geschafft werden. Ein ziemlicher Aufwand, wie LVG-Leiter Ondrej Kunze findet. „Zumal die Regelung für in der Natur erlegtes Wild nicht gilt“, ergänzt er. Viele Möglichkeiten in unmittelbarer Nähe hat das LVG nicht. In diesem Jahr habe man zum Glück in Jagsal in der Nähe von Herzberg/Elster einen Wildzerlegebetrieb befunden, der innerhalb der vorgeschriebenen Stundenfrist erreichbar ist und das Wild auch abnimmt.

 

Wildhaltung hat Tradition

Die Wildhaltung hat im LVG zwar nur eine untergeordnete Bedeutung, dafür aber Tradition. Noch zu DDR-Zeiten war im damaligen VEG Köllitsch ein Gatter zur landwirtschaftlichen Wildhaltung eingerichtet worden, als eines der ersten in der damaligen DDR überhaupt. Knapp zehn Hektar stehen dem Damwild zur Verfügung, die parkartigen Flächen umfassen auch einen Teil eines Altarmes der Elbe, so dass den Tieren sowohl Deckung durch Bäume als auch Wasserflächen zur Verfügung stehen. Das Verhältnis zwischen Tierzahl und Fläche sei sehr günstig, so Burkhard Puhlmann. „Wir haben keinen Infektionsdruck, daher auch wenige Verluste“, erzählt er. Im Sommer muss das Damwild nicht gefüttert werden, lediglich Lecksteine für die Mineralstoffversorgung werden bereitgestellt. Im Winter wird Luzernesilage angeboten. „Das ziehen sie anderem Futter, wie Heu oder Anwelksilage vor“, weiß der LVG-Mitarbeiter. Zudem gibt es – als Leckerli – Kastanien, die unter anderem der Kindergarten im Nachbarort Arzberg gegen einen Obolus für das LVG sammelt. Selbstverständlich statten die Kinder dem Damwild auch immer wieder einen Besuch ab. Und das tun nicht nur sie gern: „Das Gatter wird sehr oft und sehr gern von Besuchergruppen jeden Alters aufgesucht“, versichert Burkhard Puhlmann.

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