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  • 03.10.
  • 2018.03.10.

Weidemanagement: Beweidung als Landschaftsschutz

Fleckvieh © Karsten Bär

Neben Fleckvieh hält das LVG Fleischrinder der Rassen Limousin und Angus auf jeweils verschiedenen Weiden.

Auch wenn man einen ganz leichten grünen Schimmer inzwischen wieder erkennen kann –nach dem Dürresommer sehen die Weiden des Lehr- und Versuchsgutes (LVG) Köllitsch noch immer wie Steppenland aus. Wie man das vertrocknete Grünland wieder auf Vordermann bringt, war daher auch ein vieldiskutiertes Thema, als sich vergangenes Wochenende beim Sächsischen Fleischrindtag Mutterkuhhalter aus ganz Sachsen in Köllitsch einfanden und sich nach Abschluss des Vortragsprogramms bei einer Exkursion die drei Mutterkuhherden des Betriebes auf den Weiden ansahen.

Win-Win-Situtation

Zunächst aber sollten hier die verschiedenen Ansätze für das Weidemanagement des LVG in praktischer Anschauung vorgestellt werden, wobei insbesondere Erfahrungen im Rahmen eines Projektes im Mittelpunkt standen, in dem es um Landschaftspflege durch Beweidung mit Rindern geht. Erklärtes Ziel des Projektes ist die Schaffung einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten – Vorteile soll also auch der Landwirt haben, wenn er zu Erfüllung von Naturschutzzielen beiträgt.

» Bild: Auf dem Flurstück „Am Heger“ steht den Limousinrindern eine weiträumig Weidefläche in Nähe zur Elbe zur Verfügung.

Dass das funktioniert wurde an der Weide „Am Heger“ deutlich. Das 31 ha große Areal liegt nahe der Elbe, weist Auenwaldreste mit Schwarzpappeln auf und  ist Bestandteil eines Vogelschutzgebietes. Hier weidet die Limousinherde des LVG. War die Fläche zunächst in acht Umtriebsweiden portioniert, ist sie heute in drei großzügige Teilabschnitte aufgeteilt, die eine Art Kurzrasenweide darstellen. Je nach Aufwuchs kann auch Heu oder Silage gewonnen werden. Ein früher Auftrieb macht es zu Saisonbeginn nötig, zuzufüttern. Zudem ist der Baumbestand in die Beweidung einbezogen – beides Dinge, die vom Naturschutz in der Regel abgelehnt werden, sich im konkreten Fall aber nicht nachteilig auswirken, wie Prof. Dr. Eckhard Jedicke von der Hochschule Geisenheim betont, der das Projekt naturschutzfachlich begleitet.  Er bewertet die Umstellung des Weidemanagements positiv, die Artenvielfalt steige. Vorteile sieht auch Michael Kuhn, Herdenmanager für die Köllitscher Fleischrinder, in Bezug auf die Arbeitsorganisation. „Es ist ein wesentlich einfacheres Wirtschaften“, betont er.

Zu früh für ein Urteil

Während der Trockenheit in diesem Jahr wurde der Limousinherde das gesamte Areal „Am Heger“ als Futterfläche angeboten, zudem täglich ein Rundballen Heu zugefüttert. Wie sich die Weide von der Dürre erholen wird, ist offen. Das gilt aber auch für andere Flächen. „Für ein Urteil ist es  zu früh“, sagte der Grünlandexperte des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Dr. Gerhard Riehl, während der Exkursion. Am sinnvollsten sei es, im Frühjahr zu schauen, was an guten Futtergräsern herauskomme, bei Bedarf die Flächen zu striegeln und neu zu säen, wobei auf einfache Übersaat verzichtet und stattdessen der Boden geschlitzt werden sollte. Riehl erinnerte zudem daran, die Versorgungszustände der Flächen im Auge zu behalten, insbesondere die Kali-Düngung nicht zu vergessen, da dieser Nährstoff vor allem die Wasseraufnahme der Pflanzen beeinflusst. Saatgut könne man bereits jetzt ordern, die Aussaat noch im Herbst sei jedoch riskant. Bodenfröste könnten hier die aufkeimenden Gräser wieder zerstören. Verwendet werden sollten bei der Nachsaat die bewährten Qualitätssaatmischungen. „Dort sind die passenden Arten drin“, so Riehl.

» Bild: Am Steindamm, dessen Vegetation als sehr artenreich gilt, haben sich an von Rindern aufgetretenen Offenflächen seltene Wildbienenarten angesiedelt.

Das LVG sorgt allerdings nicht nur mit Qualitätssaatmischungen für die Verbreitung standortgerechter Gräser- und Kräuterarten. Mähgut vom  Steindamm, einem ehemaligen Elbdeich, der als sehr artenreich gilt und in der Regel von der Angusherde beweidet  wird, überträgt der Betrieb im Rahmen des Naturschutzprojektes  auf andere Weideflächen. Die übertragenen Arten zeichnen sich auch durch eine höhere Trockenheitsresistenz aus.

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