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  • 24.10.
  • 2016.24.10.

Trockengrünfutter statt Raps- oder Sojaschrot

© Karsten Bär

Köllitscher Milchkühe: Eine 30 Tiere starke Versuchsgruppe wird 100 Tage lang mit Trockengrün in den Rationen gefüttert.

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Neu ist das Ganze eigentlich nicht: „Zu DDR-Zeiten war man ja auf so etwas angewiesen“, erzählt Rüdiger Naumann. Was nicht bedeutet, dass man Trockengrünfutter aus Luzerne zwangsläufig als eine  Notlösung ansehen muss. Während seiner Teilnahme an der DLG-Fortbildung „Herdenmanager“ vor zwei Jahren wurde der Bereichsleiter Rinder im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch wieder auf dieses proteinreiche Futtermittel aufmerksam. Dass sich die am Standort Köllitsch tätigen Fütterungsexperten des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bereits einige Zeit wissenschaftlich mit Trockengrünfutter beschäftigten, kam seinem Interesse entgegen.

Zumindest in einem kleinen Rahmen hat Luzerne-Trockengrünfutter in Köllitsch inzwischen Eingang in die Rationen des Milchviehs gefunden. In einem wissenschaftlichen Versuch unter Leitung von Prof. Dr. Olaf Steinhöfel wird untersucht, wie gut sich das Futtermittel als Ersatz für andere Eiweißträger eignet. Gegenüber silierter Luzerne  hat das durch Heißlufttrocknung konservierte Futter einen Vorteil: Das enthaltene Protein wird in seiner Stabilität erhalten und steht Wiederkäuern als hochwertiges Durchflussprotein zur Verfügung. Das lässt das Trockenfuttermittel zu einer ernsthaften Alternative zu Extraktionsschroten etwa aus Soja oder Raps werden, womit auch andere Ziele, wie beispielsweise eine  GVO-freie Fütterung, erreicht werden können. Ernährungsphysiologisch spricht zudem für das Trockengrün, dass es die Futteraufnahme in der Regel positiv beeinflusst. Das gehäckselte Grobfutter behält seine Struktur vollständig und sorgt für eine wiederkäuergerechte Ration. „Die übliche Strohzulage, die energiereduzierend wirkt, kann vermieden werden“, erklärt Prof. Steinhöfel.

Bereits Ende vergangenen Jahres war ein erster 100-Tage-Fütterungsversuch mit zwei Gruppen á 30 Tieren durchgeführt worden. Die tägliche Ration enthielt 1,5 Kilogramm Trockenmasse (TM) Trockengrünfutter. Inzwischen läuft die zweite Runde des Versuchs mit 4,5 kg TM. Signifikante positive Effekte könne man bereits beobachten, etwa beim verbesserten Milchharnstoffgehalt, so der Fütterungsexperte.

Auch aus Sicht des Praktikers bewährt sich der Einsatz des „wiederentdeckten“ Futtermittels. „Aus subjektiver Sicht bin ich zufrieden“, bestätigt Rüdiger Naumann, der insbesondere im Bereich der Fruchtbarkeit Effekte sieht. Eingesetzt wird das Trockengrünfutter inzwischen auch in der Gestaltung der Totalmischration für die Kälberfütterung.

Etwas schwierig ist allerdings die Bereitstellung des Futtermittels, konkret die Logistik hin zur Verarbeitung und wieder zurück. Im südbrandenburgischen Gröden gibt es ein Trockenfutterwerk in vertretbarer Entfernung. Gleichwohl muss die Anlieferung zeitlich punktgenau zum vereinbarten Termin organisiert sein. „Der Zeitrahmen ist eng“, verdeutlicht der Bereichsleiter. Doch schließlich will man im LVG Luzerne aus eigenem Anbau verarbeiten lassen und kein Futter aus fremdem Anbau zurücknehmen, um keine Zweifel an der Qualität aufkommen zu lassen. Diese ist unter anderem auch vom optimalen Schnittzeitpunkt abhängig. Rund 100 Kilometer beträgt die Fahrtstrecke hin zum Trockenwerk in Gröden und wieder zurück nach Köllitsch, den mehrere Traktorengespanne zurücklegen müssen, um die frische Luzerne in der benötigten Menge ins Trockenwerk zu bringen. Für die Abholung des Futters, das nach der Trocknung weniger Gewicht und Volumen aufweist, reicht dann ein einzelnes Transportgespann mit einem Anhänger.

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