• 2012
  • 14.10.
  • 2012.14.10.

Öfter hilft besser: Gesunde Klauen pflegen, statt kranke Klauen heilen

Ein halbes Jahr liegt der letzte Termin nun schon zurück  – für das Köllitscher Milchvieh stand diese Woche der zweite Klauenschnitt des Jahres an. Rund 200 Milchkühe und 90 Färsen durchliefen von Montag bis Donnerstag den Klauenstand und erhielten ihren Korrekturschnitt. Aus organisatorischer Sicht jedes Mal ein kleiner Kraftakt, der gut vorbereitet sein will. Schließlich müssen die Rinder aus verschiedenen Ställen bzw. von der Weide zeitgerecht herangeschafft werden. „Bei uns macht man nicht einfach mal die Tür auf und schickt die Tiere rein“, verdeutlicht Beate Lux, Bereichsleiterin Rinder im Lehr- und Versuchsgut.  Parallel zur Pflege der Klauen wird deren Zustand exakt per E-Pad elektronisch dokumentiert. „Jede Kuh und jedes Bein“, so die Bereichsleiterin. „So wissen wir genau, wie die Situation hinsichtlich der Klauengesundheit ist, wo die Probleme liegen und welches Tier zur Nachbehandlung muss.“ Jeden Freitag ist der Klauenpfleger von der Sächsischen Klauenpflegergenossenschaft Lohmen im LVG, um behandlungsbedürftige Tiere zu versorgen.

Einen Teil des Köllitscher Milchviehs bekommt er ohnehin regelmäßig zu Gesicht: Im Rahmen eines Projektes der Klauenpflegergenossenschaft, der HTW Dresden und des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) wird untersucht, inwiefern eine vorausschauende Klauenpflege zu einer besseren Tiergesundheit führen kann.

„In Deutschland wie in ganz Europa haben die Klauenerkrankungen bei Milchrindern stark zugenommen“, erklärt Dr. Steffen Pache von der Abteilung Tierische Erzeugung im LfULG. In der Regel seien – zumindest bei nichtinfektiösen Erkrankungen – Lederhautbelastungen die Ursache. „Das ist eine Folge zu später Klauenpflege“, so Pache. Genau hier setze das Projekt an. Ausgehend von einer eingehenden Untersuchung der Klauen und ihrem Befund werden die Tiere gegebenenfalls in kürzeren Abständen als dem üblichen halbjährlichen Klauenschnitt-Rhythmus dem Klauenpfleger vorgestellt. Jedes Tier wurde zu Projektbeginn beurteilt und in einen Pflegerhythmus – aller zwei, vier oder sechs Monate – eingeteilt. So sollen entstehende Klauenprobleme früher erkannt und vorbeugende Maßnahmen eingeleitet werden.

Insgesamt werden knapp 3000 Kühe untersucht, die in Köllitsch und vier weiteren Landwirtschaftsbetrieben in ganz Sachsen stehen. Im LVG selbst sind 60 Kühe in das Vorhaben involviert, sie sind aufgeteilt in eine Kontroll- und eine Versuchsgruppe.

Noch bis zum Jahresende läuft das Projekt. Ausgewertet sind die gewonnenen Informationen noch nicht, aber tendenziell zeige sich, dass bei häufiger gepflegten Tieren schwerwiegende Behandlungen vermieden werden können, so Steffen Pache. Eine Abschätzung der Kosten soll die Ergebnisse ergänzen. Zwar sind kürzere Pflegeintervalle aufwändiger was die Arbeitsorganisation und die Kosten betrifft, doch andererseits kosten Klauenkrankheiten ebenfalls Geld – durch geringere Milchleistung und Aufwendungen für die Behandlung.

 

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