• 2014
  • 25.04.
  • 2014.25.04.

Milchkühe auf Freigang

© Karsten Bär

Weidegang fürs Milchvieh entspricht den Erwartungen vieler Verbraucher. Im Versuch geht es jedoch in erster Linie um Fragen der Fütterung.

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Inzwischen ist es schon Routine: 30 Milchkühe des Lehr- und Versuchsgutes Köllitsch, allesamt Tiere ab dem 150. Laktationstag, werden seit Anfang des Monats täglich auf Weidegang geschickt. „Am Anfang haben wir den Austrieb in voller Mannschaftsstärke begleitet, jetzt brauchen wir nur noch zwei Leute dafür“, erzählt Rüdiger Naumann, Bereichsleiter Rinder im LVG. „Die Kühe warten früh schon darauf, rausgeführt zu werden.“ Eine Weide in direkter Nachbarschaft zum Tierhaltungsbereich wurde in vier Koppeln unterteilt, auf denen die Milchkühe im wöchentlichen Wechsel stehen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, in der die Dauer des Weidegangs schrittweise verlängert wurde, sind die Tiere von ca. 8 bis 16 Uhr im Freien. „An heißen Sommertagen soll der Austrieb nachts erfolgen“, erklärt Rüdiger Naumann.

 

Zwei Gruppen gebildet

Dass ein Teil der Köllitscher Milchkühe „Freigang“ erhält, dient in erster Linie wissenschaftlichen Zwecken. In dem vom Referat Tierhaltung, Tierfütterung des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)  begleiteten Versuch soll geklärt werden, inwiefern Weidehaltung dazu beitragen kann, mehr Milch aus Gras zu erzeugen. Nach der Hochleistungsphase wurden die Kühe  des LVG daher geteilt: Die eine Hälfte bleibt im Stall, die andere kommt halbtags auf die Weide und erhält im Stall keine Graskomponente mehr in ihrer Totalmischration. Im Vergleich beider Gruppen soll sich zeigen, wie sich Weidegang auf die Leistung und die Gesundheit der Milchkühe auswirkt.

 

Frischen Weideaufwuchs nutzen

Unter dem Titel „Mehr Milch aus Gras“ befasst sich das LfULG bereits seit einigen Jahren damit, Grünlandaufwuchs verstärkt in der Fütterung einzusetzen und damit andere Futtermittel zumindest teilweise zu ersetzen. Hauptsächlich wurde dabei die Verwendung von Grassilagen untersucht, erklärt Dr. Olaf Steinhöfel, Leiter des Referats Tierhaltung, Tierfütterung im LfULG. Doch die Grassilagen haben ein Problem: Hochwertige Proteine bauen sich in ihnen recht schnell zu Stickstoffverbindungen ab. Notwendig ist es daher, bei grasbetonter Fütterung zusätzlich proteinreiche Futtermittel in die Totalmischrationen einzumischen. „Weidefutter weist dagegen intakte hochwertige Proteine auf“, so Steinhöfel. Was – über die positiven Effekte auf Gesundheit und Tierwohl hinaus - ein gutes Argument für Weidehaltung von Milchkühen ist.

 

Weideführung muss passen

Doch so einfach wie es sich anhört, ist die Sache nicht. Während Gras für die Silierung genau zu dem Zeitpunkt geschnitten wird, wenn seine Qualität perfekt den Ansprüchen an das Futter entspricht, schwankt die Futterqualität des Weideaufwuchses zum Teil beträchtlich. „Daher ist die Weideführung enorm wichtig“, betont Steinhöfel. Die Kühe müssten zum richtigen Zeitpunkt auf einen neuen Weideabschnitt umgetrieben werden, um optimales Futter vorzufinden. „Das war früher ganz normal und wurde von den Landwirten beherrscht. Wir aber müssen heute erst wieder lernen, damit umzugehen, zumal unsere Kühe heute mehr als das Doppelte leisten müssen.“, sagt er. Hinzu komme, dass die tatsächliche Futteraufnahme kaum kontrollierbar ist. Erhoben werden deshalb im Rahmen des Versuches nicht nur Daten zu den Leistungs- und Gesundheitsparametern. Auch die Aufwuchshöhe auf den Flächen vor und nach der Beweidung wird gemessen, um Futtertrag und Futteraufnahme abschätzen zu können.

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