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  • 31.08.
  • 2018.31.08.

Für den Raps wird es eng

© Karsten Bär

Wer derzeit auf den völlig vertrockneten Äckern arbeitet, verschwindet im Staub. Die Aussaat von Zwischenfrüchten erfolgte auf gut Glück – ob die Saat aufläuft, wird mit jedem Tag ohne nennenswerten Niederschlag fraglicher.

Auf gute 202 Liter pro Quadratmeter summiert sich in Köllitsch der bisherige Jahresniederschlag bis Anfang dieser Woche. Das ist – bei durchschnittlich 550 Litern im Jahr – nicht viel. Dass allerdings in der Zeit von Mitte Mai bis Ende Juni, in der Kornfüllungsphase des Getreides,  nur 16 Liter vom Himmel fielen, ist eine Katastrophe. Entsprechend fiel die Ernte der Druschfrüchte aus.

An Winterweizen fuhr das Lehr- und Versuchsgut Köllitsch rund 50 dt/ha vom Feld, das sind 10 bis 20 dt/ha weniger als sonst. Der Raps brachte nur 22 dt/ha. „Mit einer Spannweite von 18 bis 28 dt/ha auf den einzelnen Schlägen“, verdeutlicht Feldbaukoordinator Nico Wolf und ergänzt: „Ich habe noch nie Raps mit nur 5 % Feuchte abgeliefert.“ Lediglich die Wintergerste überraschte mit einem nahezu guten, normalen Ergebnis: 78 dt/ha. „Das hat keiner erwartet“, so der Feldbaukoordinator.

Zur Steppe verdorrt

„Über das Ergebnis im Feldbau sind wir, abgesehen von der Gerste, nicht glücklich, aber noch viel gravierender ist die Situation im Hinblick auf die Futterversorgung“,  macht Betriebsleiter Ondrej Kunze indes auf die entscheidende Folge der diesjährigen Dürre aufmerksam. Das Grünland sei zur Steppe verdorrt. Nach dem ersten Schnitt kaum so gut wie kein Aufwuchs mehr nach. Bei den Mutterkühen füttert der Betrieb bereits auf den Weiden zu. Bei den genügsameren Schafen stehe man kurz davor. Notgedrungen musste der Mais schon früh gehäckselt werden: Die Silierung wurde bereits am 10. August beendet – einen Monat eher als sonst. Der Ertrag: niederschmetternd. „Auf den besten Schlägen 280 dt/ha, auf den schlechtesten 90 dt/ha, im Mittel 130“, fasst Nico Wolf zusammen. „Voriges Jahr hatten wir 360 dt/ha.“

Soja in den Schlauch

Dank der guten Maisernte im vergangenen Jahr habe man bei Maissilage laut Futterbilanzierung nur eine kleine Lücke, so Ondrej Kunze. Größer ist indes die Lücke bei der Anwelksilage. „Um das etwas auszugleichen, werden wir unsere Sojabohnen nicht dreschen, sondern zu Ganzpflanzensilage verarbeiten“, erklärt der Betriebsleiter. 15 ha umfasst die Anbaufläche dieser Ackerfrucht. Den Bedarf wird dies aber nur zu einem Teil ausgleichen. Daher wolle man auch beim Abtrieb der Mutterkuhherden im Herbst schärfer selektieren und mehr Absetzer in den Verkauf geben. Um im kommenden Frühjahr einen Puffer für die Futtervorräte zu schaffen, hat man sich entschlossen, auf 35 ha Futterroggen anzubauen. Bei der Beschickung der kleinen Biogasanlage, die ohnehin vor allem auf Güllebasis arbeitet, hat das LVG den Maisanteil von täglich 1700 kg auf 700 kg reduziert, Zum Ausgleich wird der Fermenter vermehrt mit der Abdecke der Anwelksilage und Stalldung beschickt.

In den Startlöchern

Unter der anhaltenden Trockenheit leidet auch die Aussaat von Zwischenfrüchten und Winterungen. Die Zwischenfrüchte habe man „auf gut Glück“  gesät, wie Nico Wolf berichtet. „Teils liegt die Saat seit drei Wochen im Boden, ohne dass etwas passiert ist.“ Beim Raps hat man bis Anfang der Woche noch gezögert. „Die Flächen sind vorbereitet, wir könnten sofort loslegen“, versichert er.  Doch angesichts hoher Aussaatkosten auf den geplanten 100 ha wollte man bislang nicht das Risiko eingehen, dass die Saat nicht aufläuft oder gleich wieder vertrocknet. Die Entscheidung mache man sich nicht leicht, doch es sei möglich, dass in diesem Jahr kein Raps mehr in den Boden kommt, verdeutlichen Kunze und Wolf.

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