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  • 2018.29.06.

Erntestart so früh wie nie

© Karsten Bär

Früher Erntestart: Witterungsbeding fuhr der Drescher bereits in der vorletzten Juniwoche in die Wintergerste.

Letzte Woche Mittwoch fuhr der Drescher in die Wintergerste: Früh wie nie hat die Getreideernte im Lehr- und Versuchsgut (LVG) Köllitsch begonnen. Sechs Wochen Trockenheit bei hohen Temperaturen haben ihre Spuren hinterlassen und zeitig zur Reife geführt. „Seit Mitte Mai bis jetzt hatten wir 12 mm Niederschlag – und die verteilt auf vier ´Gaben`“, verdeutlicht Feldbaukoordinator Nico Wolf.

106 ha Wintergerste waren zu dreschen. Betriebsleiter Ondrej Kunze hofft, dass 600 bis 650 t Ertrag für die Futterversorgung der Viehbestände in die betriebseigenen Silos gehen. Je nach Schlag sieht die Gerste unterschiedlich aus. Auf einem Standort seien die Ähren bereits beim Ährenschieben vertrocknet.  „Nach unserer Erfahrung kommt die Gerste aber meist noch halbwegs gut aus der Frühsommertrockenheit  heraus“, sagt Ondrej Kunze. Weizen und auch Hafer, der immerhin auf über 50 ha wächst, zeichnen jedoch bereits und weisen Trockenschäden auf. „Wir haben sehr heterogene Bodenverhältnisse in der Elbaue“, so der Betriebsleiter. Dort, wo sich auf den Schlägen Sandlinsen befinden, wirkt sich die Dürre sichtbar aus. Der Mais gebe ein gemischtes Bild. Durchaus ordentliche Bereiche stehen recht  schwachen Beständen gegenüber. Auf dem Grünland sei der zweite Schnitt so gut wie total ausgefallen.

Die große Trockenheit und wie sie sich auf Acker und Grünland auswirkt, war auch Gegenstand der Gespräche bei der Flurfahrt, die das LVG wenige Tage vor dem Erntestart veranstaltet. Eingeladen waren alle Interessierten aus der Region, ebenso wie Landwirte aus Nachbarbetrieben.

Vorgestellt wurde auf der knapp zweistündigen Rundfahrt unter anderem eine mit Sojabohnen bestellte Fläche. Inzwischen baue man die Kultur im dritten Jahr an und habe die Fläche auf nunmehr 15,4 ha ausgedehnt, berichtete Nico Wolf. Mit den Jahren wächst die Erfahrung: Erntete man im ersten Jahr nur 13,7 dt/ha, waren es im vergangenen Jahr schon mehr als 20 dt/ha. Aus Sicht des Feldbauverantwortlichen ist das jedoch immer noch nicht genug: „Ziel sind um die 30 dt/ha“, machte er deutlich.  Optisch macht der Bestand einen guten Eindruck. Was wohl auch seinen Grund in der Tatsache hat, dass der Betrieb statt Drillsaat Einzelkornablage mit neuer Technik praktiziert.

Infos rund um die Feldkulturen gab Feldbaukoordinator Nico Wolf (l.) während der Flurschau. © Karsten BärUm Alternativen für den durch nur wenige für Sojabohnen zugelassene Mittel beschränkten chemischen Pflanzenschutz aufzuzeigen, wird auf Teilbereichen der Fläche das Unkraut mechanisch reguliert. Hier zahlt es sich aus, dass dank Einzelkornablage die Abstände zwischen Reihen und Einzelpflanzen entsprechend weit sind. Auch in den Erbsen werden Versuche mit chemischem und mechanischem Pflanzenschutz durchgeführt. Hier wolle man, nachdem der Pflanzenschutzmitteleinsatz auf mit Leguminosen bestellten Greeningflächen nicht mehr erlaubt ist,  Alternativen aufzeigen, so Betriebsleiter Ondrej Kunze, der auf vergleichbar gute Ergebnisse des mechanischen Pflanzenschutzes auf den Köllitscher Versuchsflächen verweist.

Auch die in Köllitsch recht häufig anzutreffenden Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen standen bei der Flurfahrt im Fokus. Brach- und Blühstreifen sowie Hecken sorgen auf den Flächen für vielfaltige Strukturen, die Lebens- und Rückzugsräume  für Insekten, Vögel und Säugetiere wie den Feldhasen bieten. Manche Maßnahmen sind recht einfach – und haben dennoch Wirkung: Auf dem Grünland wurden kleine offene Sandflächen belassen, die beim Hochwasser 2013 entstanden waren. In ihnen richten sich verschiedene bedrohte Wildbienenarten Nistplätze ein.

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