• 2014
  • 14.03.
  • 2014.14.03.

Aus fünf mach drei: Mehr Platz für säugende Sauen

© Karsten Bär

Dr. Eckhard Meyer demonstriert, wie sich die Bügel der Ferkelschutzkörbe öffnen und an der Buchtwand arretieren lassen.

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Das Tierwohl hat Vorfahrt: Immer intensiver wird die Art und Weise der Haltung von Nutztieren in Politik und Gesellschaft diskutiert. Tierschützer, verstärkt aber auch Verbraucher erheben zunehmend Forderungen an die Landwirtschaft. „Der Diskussion muss man sich stellen“, ist Dr. Eckhard Meyer, Referent im Referat Tierhaltung, Tierfütterung im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, überzeugt. Und er glaubt, dass dem gesellschaftlichen Wunsch nach höherem Tierwohl am besten über freiwillige Selbstverpflichtungen der Erzeuger nachzukommen ist.  „Es ist sinnvoll, wenn der Halter selbst etwas vorschlägt“, meint er. So bleibe die Initiative bei den Landwirten, die damit auch Entscheidungsspielraum hätten – und anderenfalls höchstwahrscheinlich mit bindenden gesetzlichen Vorschriften rechnen müssten.

Buchten lassen Raum für Bewegung

Beispielsweise bei der Haltung säugender Sauen: Sie stehen gewöhnlich vier Wochen in Abferkelbuchten innerhalb eines so genannten Ferkelschutzkorbes, was verhindert, dass die Sau ihre Ferkel erdrückt, ihr andererseits aber auch keine Möglichkeit zur Bewegung lässt. Tierschützer kritisieren dies scharf, obwohl vieles für diese Art der Haltung in dieser Phase spricht und moderne  weiterentwickelte Abferkelbuchten viel mehr positive Tierschutz-Aspekte beinhalten, als man denkt. Eine Kompromisslösung, die sowohl das nicht wegzudiskutierenden Defizit an Bewegungsfreiheit der Sau behebt als auch dem Schutz der Ferkel sowie arbeitswirtschaftlichen Überlegungen gerecht wird, sind Bewegungsbuchten. Unter wissenschaftlicher Begleitung von Eckhard Meyer hat das Lehr- und Versuchsgut Köllitsch solche Boxen in den vergangenen Wochen im Sauenstall einbauen lassen. Sie sollen zum einen Demonstrationszwecken dienen,  zum anderen aber auch dazu beitragen, Erfahrungswerte über ihre Anwendung in der Praxis zu sammeln.

Bügel lassen sich schwenken

Die von einem niedersächsischen Stallausrüster eingebauten Bewegungsbuchten verfügen über einen Ferkelschutzkorb, der mit freitragenden Bügeln ausgestattet ist. Sie können geschwenkt und an der Buchtenwand arretiert werden, wodurch Bewegungsraum für die Sau frei wird, so dass sie sich mindestens um die eigene Achse drehen kann. „Die Gefahr von Ferkelverlusten durch Erdrücken ist in den ersten Tagen am höchsten“, erklärt Eckhard Meyer. Dann sinkt das Risiko und der Ferkelschutzkorb kann geöffnet werden. Betriebe, die bereits mit Bewegungsbuchten arbeiten, tun dies nach etwa fünf Tagen. In den Randbereichen gibt es Zonen, in denen die Ferkel auch nach dem Aufschwenken des Korbes Schutz vorm erdrückt Werden finden, das Ferkelnest ist ebenfalls separiert.

Lösung für mehr Buchtenhygiene

Problematisch ist das höhere Platzangebot für die Sau allerdings für die Buchtenhygiene. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Liegefläche, die nicht wie der Rest der Fläche perforiert sein darf. In gewöhnlichen Abferkelbuchten ist das unproblematisch, doch in Bewegungsbuchten besteht die Gefahr, dass die Liegefläche durch Kot verschmutzt wird. Abhilfe schaffen soll eine auf Basis Köllitscher Versuche entwickelte Liegefläche, die quasi als Insel in den Boden integriert ist und somit auch weitgehend sauber bleibt, wenn die Sau ihre Position verändert.

Abferkelplätze reduzieren sich

Vorerst sind in Köllitsch drei neue Bewegungsbuchten entstanden, davon zwei mit ca. 6,2 m2 und eine mit 5,4 m2 Fläche. Sie ersetzen fünf herkömmliche Abferkelbuchten. „Im Altbau so umzubauen, bedeutet natürlich, dass sich zwangsläufig die Zahl der Plätze reduziert“, erklärt Meyer. Vorgesehen ist, später noch drei weitere Buchten einzubauen, was in der Endkonsequenz die Zahl der Abferkelplätze im LVG von zuvor 40 auf 36 reduzieren wird.

Wie die neuen Bewegungsbuchten ökonomisch und arbeitswirtschaftlich zu bewerten sind und wie sie sich auf die Tiergesundheit sowie das Verlustgeschehen auswirken, wird sich in den kommenden Monaten zeigen, in denen Eckhard Meyer die Umsetzung des neuen Konzeptes begleiten wird. „Wir wollen auch wissen, wo die Probleme liegen“, sagt er. Denn von denen sei in den Diskussionen ums Tierwohl nur selten die Rede.

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