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  • 2016.23.02.

Verschoben, doch nicht aufgehoben

© Wolfgang Herklotz

Längst baufällig ist die Milchviehanlage in Schwante. Der Betrieb will in hohen Kuhkomfort und moderne Melktechnik investieren.

Wie Geschäftsführer Thomas Richter erklärt, bestehe zwar noch bis Ende Februar die Chance, das Vorhaben bei der Landesinvestitionsbank Brandenburg zu beantragen. „Doch die Baugenehmigung liegt immer noch nicht vor. Stattdessen gab es in der vorigen Woche eine Rückfrage, auch wenn es sich dabei nur um eine Formalie handelte.“ Dabei ging es um den Abwasseranschluss für das dem Stall vorgelagerte Eiscafé, der längst geklärt sei, versichert Richter. „Doch mit unserem Projekt sozusagen auf den letzten Drücker zu starten, das kommt nicht in Frage.“ Immerhin beläuft sich die Investition in den neuen Boxenlaufstall für 240 Kühe mit vier Melkrobotern auf rund 2,5 Millionen Euro. Zumal die Bank ja auch eine gewisse Zeit benötigt, um das Finanzierungskonzept zu prüfen. Deshalb  nehme man jetzt den neuen Antragstermin  Ende September ins Auge, betont der Geschäftsführer.  „Mit Schnellschüssen ist keinem gedient.“

Hohe Hürden

Eigentlich sollte der neue Stall am Ortsausgang von Schwante im Landkreis Oberhavel schon längst stehen. Doch im Vorjahr waren  einige Hürden aufgetaucht, die nicht vorhersehbar waren. Es dauerte verhältnismäßig lange, bis die Bauplanung vorlag. Außerdem ließ  die neue Richtlinie Brandenburgs zur Investitionsförderung lange auf sich warten. Als sie dann vorlag, bot es sich an, die in Aussicht stehende Premiumförderung zu nutzen. Denn diese sichert einen Zuschuss von 40 Prozent der Investitionssumme, sofern die Anforderungen an eine besonders tiergerechte Haltung erfüllt werden. Um den Rindern einen zusätzlichen  Freiauslauf zu ermöglichen, musste der Bauplan überarbeitet werden. Das beanspruchte Zeit, die ohnehin schon knapp bemessen war. Deshalb entschieden die Landwirte aus Schwante, den Baustart auf das Jahr 2016 zu verschieben.

Zwei Möglichkeiten

Die erneute Korrektur hat freilich Konsequenzen. Die in den 70er Jahren errichtete und nach der Wende umgebaute Anlage ist längst baufällig. Immer wieder stehen Reparaturen an wie Anfang Januar, als die Entmistungsanlage eingefroren war.  Solche Arbeiten kosten  Geld, ohne die Effektivität zu verbessern.  Was in der gegenwärtigen Preismisere umso mehr schmerzt.  Zurzeit zahlt die Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft mbH einen Grundpreis von 23 Cent je Kilo Milch, die in Schwante gemolken wird.  Die  Produktionskosten liegen zehn bis zwölf Cent darüber. Pro Kuh und Jahr steht somit ein Minus von mindestens 300 Euro zu Buche, rechnet der Geschäftsführer vor. In solch einer Situation gebe es nur zwei Möglichkeiten: entweder die Produktion aufgeben oder in hohen Kuhkomfort und moderne Melktechnik investieren. „Wir haben uns für Letzteres entschieden“, so  Thomas Richter. Zwar sei davon auszugehen, dass die Preise in den nächsten Monaten  auf dem niedrigen Niveau bleiben.  Aber bis auf den Sankt-Nimmerleins-Tag könne man auch nicht warten. Die Herausforderung  bestehe darin, in der Krisenzeit zu investieren, um dann bei steigenden Preisen wieder richtig Fahrt aufnehmen zu können. „Ich hoffe, dass uns das gelingt!“

Die derzeitige Diskussion um das Volksbegehren gegen Massentierhaltung nimmt der Geschäftsführer gelassen.  „Wenn wir den neuen Stall haben, können sich die Damen und Herren Tierschützer gern vom hohen Komfort überzeugen. Mal ganz abgesehen davon, dass unsere Tierzahl überschaubar bleibt: Wir haben das nötige Selbstvertrauen, um uns der Diskussion zu stellen.“

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