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  • 2017.09.08.

Ernte mit vielen Zwangspausen

© Wolfgang Herklotz

René Bergling steuert den Mähdrescher.

Bildergalerie: Ernte mit vielen Zwangspausen


Am Vortage hatte es endlich wieder ein paar Sonnenstunden gegeben. Aber die dürften kaum gereicht haben, um das Getreide nach all den Regenschauern zu trocknen.  Die Messanzeige bestätigt kurz darauf einen  Feuchtegehalt von 17,5 %. Unter normalen Umständen ein Grund, sofort den Drusch zu stoppen. „Doch was ist in diesen Tagen schon noch normal?“, kommentiert Bergling und greift zum Handy, um Geschäftsführer Thomas Richter zu informieren.  Danach setzt er den Einsatz fort.
 

400 Liter in vier Wochen

Die LSV Landwirtschafts GmbH gehört zu den Betrieben im Landkreis Oberhavel, die von den extremen Niederschlägen Ende Juni und danach besonders betroffen waren. Über 400 Liter gingen hier innerhalb von vier Wochen pro Quadratmeter nieder und setzten Acker- sowie Grünlandflächen unter Wasser. Mitte Juli erfolgten die ersten Versuche,  Gerste zu dreschen. Obwohl der Mähdrescher mit Gummiketten ausgestattet war, erwies sich der Boden  an vielen Stellen als unbefahrbar. Also hieß es abwarten. „Kaum hatte sich die Situation entspannt, zogen neue Regenwolken auf. Es war zum Verzweifeln“,  betont Thomas Richter. Um nicht noch weitere Zeit zu verlieren, wurde schließlich  ein Lohnunternehmen aus Niedersachsen beauftragt, das über einen allradgetriebenen Drescher verfügte. Dennoch sieht die bisherige Bilanz bescheiden aus, weil ein Großteil der Flächen nach wie vor nicht befahrbar ist.

Noch Gerste auf dem Feld

Die  von 230 ha zu erntende Gerste ist bis auf einen  vier Hektar großen Schlag an der Autobahn vom Feld,  die Erträge liegen im Schnitt bei 60 dt/ha, das Hektolitergewicht gerade mal bei 61 bis 62 kg. Vom Raps, der auf 185 ha steht, konnte noch nicht mal ein Drittel geborgen werden. Die Erträge schwanken zwischen 27 und 38 dt/ha. Auch der Roggen, der vor allem benötigt wird, um die Kühe der Milchviehanlage und die Biogasanlage zu füttern, brachte mit durchschnittlich  50 dt/ha kein berauschendes Ergebnis. Von den insgesamt  120 Hektar sind noch zehn zu ernten.   Der Weizen könnte mit besseren Zahlen punkten, doch  von den 200 ha ist derzeit nur eine Ernte auf 125 ha in Sicht.  „Es liegt noch so vieles im Ungewissen“, meint Geschäftsführer Richter.

Futter wird knapp

Fest steht indessen, dass das wirtschaftseigene Futter für das Milchvieh knapp wird, weil vom Grünland nur ein erster Schnitt geborgen werden konnte und 145 Hektar nach wie vor unter Wasser stehen. Und auch dieser Fakt lässt die Alarmglocken schellen:  Von den 3 000 Rollen Stroh, die im  Betrieb üblicherweise anfallen, sind es derzeit gerade mal 300. Die Verzögerungen bei der Ernte erhöhen den Zeitdruck bei der Herbstbestellung. „Wir müssten schon bald den Raps drillen, aber wie das auf Flächen, wo derzeit noch Getreide steht?“  Die feuchten Böden verhindern zudem einen Stoppelsturz und das Ausbringen von Gärresten.  Das Zeitfenster dafür wird immer enger, zumal die neue  Düngeverordnung mit weiteren Einschränkungen aufwartet.  Für eine Einschätzung des Schadens durch die extreme Witterung  sei es jetzt noch zu früh, betont Thomas Richter. „Wir versuchen alles, um die Auswirkungen zu mindern und nutzen deshalb auch jede Stunde zum Dreschen. Aber wir bangen um die Ernte in diesem Jahr, und auch die Herbstbestellung steht auf verdammt wackligen Füßen!“

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