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  • 22.05.
  • 2013.22.05.

Premiere mit Happy End

Laura war am Dienstag ziemlich aufgeregt. Die 17-Jährige, die im Landgut Krosigk den Beruf Tierwirtin für Schafhaltung erlernt, startete beim Leistungshüten der Auszubildenden, das alljährlich die Saison der Hütewettbewerbe in Sachsen-Anhalt eröffnet. An den Start (die Teilnahme ist freiwillig!) gehen hier die Schäferlehrlinge aus den Berufsbildenden Schulen des Saalekreises, die aus verschiedenen Bundesländern kommen. Von den in diesem Jahr ohnehin nur drei gemeldeten Teilnehmern fielen leider kurzfristig zwei aus, sodass Laura quasi „ohne Konkurrenz“ war. Die Anspannung bei ihr blieb trotzdem. Denn traditionell besuchen viele ehemalige und noch aktive Schäfer mit ihren Familien das Hüten des Berufsnachwuchses. Es hieß also, vor einer großen Kulisse von Fachleuten zu bestehen.

Das Hütegelände in der Franzigmark bei Morl im Saalekreis ist Teil eines rund 200 Hektar großen Landschaftsschutzgebietes, das von den Schafherden des Landgutes gepflegt wird. Die Schäferfamilie Winz, deren drei Männer (Vater Martin sowie die Söhne Christian und Michael) im Betrieb den gut 1.000 Mutterschafe zählenden Tierbestand betreuen, hatten das Terrain und die Herde gut vorbereitet. Lauras Ausbilder, Schäfermeister Martin Winz, führte die Schafe bei einem Demonstrationshüten zunächst über den Parcours, um noch einmal die zu absolvierenden einzelnen Elemente aufzuzeigen. Anschließend tat es ihm Schäfermeister Christian Winz noch einmal nach, denn die Herde ging anfangs ziemlich flott voran, weil auch Jährlinge unten den Tieren waren. Laura verfolgte derweil von einer Anhöhe aus aufmerksam die Hütearbeit ihrer älteren Kollegen aus dem Lehrbetrieb.

Dann war sie selbst an der Reihe. In traditioneller Schäferkleidung samt Hütestock und Hut machte sie sich auf den Weg zum Pferch, wo die Punktrichter Siegfried Butzmann und Reimund Nagel warteten. An Lauras Seite gingen die Altdeutschen Hütehunde Jette und Minna. Die beiden Gelbbacken tun sonst im Alltag bei Michael Winz ihren Dienst. Lediglich 14 Tage hatte die Jugendliche Zeit, mit diesen Hunden zu üben. Bei der täglichen Hütearbeit mit Altmeister Martin Winz wird Laura sonst von Hütehund Lump begleitet.

Nach der Vorstellung bei den Juroren machte sich die Auszubildende ans Werk. Gekonnt lockte sie die Herde aus dem Pferch und trieb sie zusammen mit ihren beiden vierbeinigen Helfern vorbei am Verkehrshindernis, einem Traktor, ins enge Gehüt und dann weiter über die Brücke ins weite Gehüt und schließlich zurück zum Ausgangspunkt.

Die Juroren waren bei der Auswertung des Hütens voll des Lobes: „Sehr gut“, befanden Butzmann und Nagel übereinstimmend - zumal für eine Auszubildende im ersten Lehrjahr. „Super“, sagte auch Lauras Lehrmeister Martin Winz voller Stolz, der die Freudentränen über die tolle Leistung seines Schützlings nur schwer zu unterdrücken vermochte. „Das Mädel hat ein gutes Händchen für die Schafe und auch die Hunde“, freute sich der 65-Jährige, der mit seinen Erfahrungen und zahlreichen Titeln bei Leistungshüten ein guter Lehrer ist. Laura selbst verteilte Streicheleinheiten an die Hunde und war froh, dass alles so gut geklappt hatte.

Bei der anschließenden Hütekritik vor versammelter Zuschauerschar ließ Siegfried Butzmann das Hüten Revue passieren und wies Laura auf die eher kleinen Fehler auf, die ihr trotz allem Bemühen unterlaufen waren, damit sie sich weiter verbessern kann. 43 von 55 möglichen Punkten für die eigene Leistung sowie 38 von 45 Zählern für Haupthund Jette und 13 von 15 Punkten für Beihund Minna holte die Auszubildende bei ihrer Hütepremiere. Zusammen mit den drei Zusatzzählern für korrektes Auftreten brachte es Laura auf stolze 97 Gesamtpunkte. Als die Jury dieses Ergebnis bekannt gab, brandete spontan Beifall unter den Anwesenden auf. Für Laura gab es als Anerkennung einen Pokal, eine Urkunde und einen Blumenstrauß, ein Präsent von der Berufsschule und von Familie Winz noch eine schöne Taschenuhr, die künftig in der Schäferwest ihren Platz haben soll. Punktrichter Butzmann gab schließlich seiner Hoffnung Ausdruck, dass das begabte Mädchen dem Leistungshüten treu bleiben möge. Gelegenheit dazu hat Laura schon am 20. Juli an gleicher Stelle beim Vereinshüten des Schäfervereins Mittleres Saaletal. Dann wird sie neben einer noch größeren Zuschauerkulisse auch ernstzunehmende Konkurrenten haben, unter anderem ihre drei Schäferkollegen aus dem Landgut.

Im Anschluss nutzten einige aktive Hüter die Gelegenheit, um an der Herde für die anstehenden Leistungsentscheide zu üben bzw. ihre Hunde auf die entsprechende Hüteeignung zu überprüfen.

 

 

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