• 2012
  • 05.11.
  • 2012.05.11.

Mit der Legeflinte auf "Mäusejagd"

Vier bis fünf Mitarbeiter des Landwirtschaftsbetriebes und derzeit vier auf Stundenbasis eingestellte und geschulte Fremdarbeitskräfte sind seit Wochen dabei, auf den Ackerflächen Giftweizen mit Legeflinten in die Baue der Nager verdeckt einzubringen. „Bisher haben wir die Rapsschläge, insgesamt 560 ha, und die 300 ha Wintergerste komplett abgelaufen“, berichtete Björn Küstermann am Montagabend. Fahrgasse für Fahrgasse, mit etwa sechs Meter Abstand zwischen den Leuten, arbeitet der Trupp Schlag für Schlag ab. „Das ist keine leichte Arbeit“, weiß der Feldbauchef aus eigenem Erleben, „aber alle wissen um die Notwendigkeit dieser Maßnahme.“ Weil der Marsch über die Äcker „auf die Knochen geht“ und auch die Konzentration bei der eintönigen Tätigkeit zusehends nachlässt, sind die Einsätze auf täglich fünf bis sechs Stunden begrenzt und die Wochenenden frei.

Inzwischen sind die Leute seit gut einer Woche auf den Winterweizenflächen zu Gange. Diese ebenfalls komplett zu behandeln, ist ein schier aussichtsloses Unterfangen bei einem Anbauumfang von rund 1.200 Hektar im Betriebsverbund. Deshalb konzentrieren sich hier die Maßnahmen auf ausgewählte Schläge. „Im später bestellten Weizen ist der Mäusebefall nicht ganz so extrem“, sagt Küstermann. Den Grund hierfür sieht er im Nahrungsentzug für die Nager durch die längere Schwarzbrache. „Im Raps und in der Wintergerste ist das Fenster zur Bekämpfung durch Unterbrechen der grünen Brücke viel kürzer“.

Der Feldbauleiter ist sich auch im Klaren darüber, dass die jetzigen Bekämpfungsmaßnahmen die Nagerpopulation zunächst etwas eindämmen werden, aber allein eben nicht ausreichen, um der Mäuseplage Herr zu werden. Dazu müsse auch die Witterung den Landwirten in den nächsten Wochen und Monaten in die Karten spielen. „Anderenfalls droht uns zur Ernte im nächsten Jahr ein Desaster“, befürchtet Küstermann. Schließlich habe der bislang goldene Herbst der Entwicklung der Mäusebestände Vorschub geleistet. Und im Frühjahr sei in den dann hochgewachsenen Pflanzenbeständen kaum noch etwas auszurichten.

Dass die Landwirte ungeachtet der extremen Probleme mit den Feldmäusen von der Politik und den zuständigen Genehmigungsbehörden allein gelassen werden, bringt den Diplomagraringenieur auf die Palme. „Es kann doch nicht sein, dass unserer eigenen Hände Arbeit durch die Mäuse zunichte gemacht wird. Wir brauchen pragmatische Lösungen für die Praxis“, fordert er. Solange sich an dieser Front nichts tue, hätten die Landwirte allerdings keine Alternative zu den jetzigen Maßnahmen samt ihrer hohen Personal- und Sachkosten. Denn eines ist klar: Die Folgeschäden würden ein Vielfaches dessen ausmachen.

 

Themen: Feldmäuse
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