• 2012
  • 05.04.
  • 2012.05.04.

Viel Zeit bis Ostern

„Es gibt Tage, an denen sollte man im Bett bleiben. Heute, Gründonnerstag, ist so ein Tag“, macht Betriebsleiter Klaus Parr seinem Unmut Luft. Begonnen hatte es schon am frühen Morgen. „Auf den Rapsschlägen in der Umgebung haben wir Botrytis, Grauschimmelfäule, festgestellt. Schaut euch eure Bestände an, damit nichts passiert“, hatte der Berater einer großen Pflanzenschutzfirma am Telefon empfohlen. Parr war der Schreck in die Glieder gefahren. „Mit Botrytis ist nicht zu spaßen. Der Pilz kann die ganze Pflanze angreifen und in kurzer Zeit großen Schaden anrichten.“

Wo bleibt der Milchtanker?

Der Betriebsleiter hatte sich sofort ins Auto gesetzt und die fünf Schläge, auf denen Raps steht, abgefahren und bonitiert. Danach war er erleichtert: „Unsere Schläge sind sauber. Wahrscheinlich hat der Schnee im Winter die Bestände geschützt.“

Kaum ist Klaus Parr wieder auf dem Betriebshof, erreichte ihn die nächste Hiobsbotschaft: „Der Milchtanker kommt nicht. Was ist da los?“, will Maren Krüger, die stellvertretende Herdenmanagerin wissen. Parr greift nach seinem Mobiltelefon. Darin ist die Nummer des Milchfahrers gespeichert. Eine Minute später ist klar: Sie müssen umdisponieren. Das Fahrzeug hatte einen Unfall. Statt um 12 Uhr kommt es erst um13.45 Uhr. Um 14 Uhr beginnt aber schon das Melken. Und vorher muss der Tank leer sein! Das Reinigen  dauert normalerweise eine Stunde. Dieses Mal reicht die Zeit nur für ein verkürztes Programm. „Wir spülen einmal mit Wasser“, entscheidet der Betriebsleiter.

Nach sechs Stunden Licht im Tunnel

Kaum hat er ausgesprochen, klingelt schon wieder sein Telefon. Am anderen Ende meldet sich Ingo Jahn.  Zusammen mit Michael Normann ist er am Morgen zur Fettkoppel rausgefahren. Auf dem Grünland steht Wasser. Für heute morgen hatten sie einen Minibagger geordert, um die Drainagen gängig zu machen. Von wegen gängig machen! Anfangs schien gar nichts zu gehen.  Zu allem Überfluss versackte auch noch der Minibagger! Nach sechs Stunden dann endlich Licht im Tunnel: In den reparierten und neu verlegten Leitungen beginnt das Wasser abzufließen! Es gelingt, den Bagger zu bergen.

Als reiche der Ärger nicht, meldet sich wenig später  Mathias Severin. Er soll heute mit den Auszubildenden Toni Beyer und Max Deffke auf Schlag zwei, der demnächst mit Mais bestellt wird, Pflügen üben. „Die drei werden unseren Betrieb bei der Pflügermeisterschaft des Landkreises Rostock am 21. April in Hanstorf vertreten. Mathias Severin ist ein erfahrener Leistungspflüger, deshalb habe ich ihn gebeten, die beiden jungen Kollegen zu unterstützen“, sagt Klaus Parr. Doch kaum haben die Jungs auf dem Acker begonnen, da streikt die Hydraulik an dem Trecker! „Klaus, bleib ganz ruhig, hab’ ich mir gesagt. Ärgern schadet nur dir selbst.“ Der Servicepartner, die MIHG Petschow, ist glücklicherweise in der Nähe. „Der Monteur brauchte nur wenige Minuten zu uns. In einer Viertelstunde war der Fehler behoben“, erfahren wir von Klaus Parr gegen 14.30 Uhr am Telefon, als er gerade Milchproben zur Untersuchung zum MQD-Labor nach Güstrow fährt. 

Rat beim alten Fuchs geholt

„Wir müssen wissen, welche und wie viele Keime drin sind, um die Tiere gezielt behandeln zu können“, erläutert der Betriebsleiter, der mit seinen Gedanken immer noch bei der Pflügermeisterschaft ist. Er hatte zugesagt, drei Traktoren mit je einem Vier-Schar-Drehpflug für den Wettbewerb zu organisieren. Ein Landmaschinenhändler hat nun passen müssen: Statt eines Vier-Schar- kann er nur einen Fünf-Schar-Pflug stellen. „Geht das bei einer Meisterschaft überhaupt? Sind Starter mit diesem Pflug nicht im Vorteil?“ Klaus Parr beschliesst, Schiedsrichter Dr. Willi Ring anzurufen. „Der alte Fuchs muss es doch wissen“, meint der Betriebsleiter, erleichtert, dass sich auch für dieses Problem eine Lösung abzeichnet. Mittlerweile ist es kurz vor 16 Uhr – und noch immer  viel Zeit bis Ostern. Ri

 

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