• 2012
  • 17.10.
  • 2012.17.10.

Neue Erkenntnisse in der Kälberfütterung

Neben den Haltungsbedingungen kommt es in den ersten Lebenswochen auf die Ernährung der jungen Kälber an.

Erblickt ein Kalb das Licht der Welt, erhält es eine Startversorgung. „Zunächst wird die Nabelschnur mit Jodlösung desinfiziert. Dann verabreicht ein Mitarbeiter 10 ml Eisen und 5 ml Vitamin B“, erläutert Andreas Heklau, Herdenmanager im Gut Dummerstorf. Drei Tage lang wird dem Kalb Kolostralmilch verabreicht, bevor es auf Milchaustauscher umgestellt wird.


Intensive Fütterung in ersten Wochen

Neben den Haltungsbedingungen und dem Gesundheitsmanagement kommt es in diesem Lebensalter auf die Ernährung an. In jüngeren Forschungen wird besondere Aufmerksamkeit auf eine intensivere Fütterung in den ersten Lebenswochen gelegt. Den Kälbern länger und in größerer Menge Milch beziehungsweise Milchaustauscher zu verabreichen, scheint entscheidende Lebensprozesse zu stimulieren und die Leistungsfähigkeit des Kalbes auf lange Sicht positiv zu beeinflussen.


Positive Wirkung eines Milchaustauschers

Fütterungsversuche, die das Institut für Tierproduktion der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei (LFA) seit 2009/2010 im Gut Dummerstorf durchführt, bestätigen diese Annahme. Bei dem jüngsten Versuch von April bis Juni 2012 wurde die Wirkung eines Milchaustauschers in hoher Konzentration (200 g/l Wasser) und einer täglichen Gabe von acht Litern je Tier und Tag auf Wachstum, Futteraufnahme und Gesundheit untersucht, berichtet Andreas Heklau.


1.200 - 1.300 g Milchaustauscher täglich

Die Kälber nahmen pro Tag 1.200 bis 1.300 g Milchaustauscher auf. „Auffällig waren trotz der hohen Milchaustauscheraufnahme ein hoher Kraftfutterverzehr von 181 g Trockenmasse (TM) Kraftfutter je Kalb und Tag bereits in der dritten Lebenswoche und steigenden Verzehrsmengen in den folgenden Lebenswochen. In vorhergehenden Untersuchungen waren individuelle Kraftfutteraufnahmen von unter 100 g TM je Kalb und Tag ermittelt worden.


Keine gesundheitlichen Probleme

Bei dem Versuch in Dummerstorf arbeitete die LFA mit dem Milchaustauscher-Hersteller Sloten, Deventer, Niederlande, und der Arp-Thordsen-Rautenberg Landhandel GmbH & Co KG (ATR), Ratzeburg, zusammen. Nach einer Stellungnahme des Instituts für Tierproduktion ermöglichte die Herstellungstechnologie des Milchaustauschers (homogenisiertes Milch-Fett-Konzentrat und neu konzipierter Fettkern) die sehr hohen Futteraufnahmen durch hohe Schmackhaftigkeit, sehr gute Löslichkeit, hohe Verträglichkeit und sehr gute Futterverwertung. Gesundheitliche Probleme in Form von Diarrhoe oder Blähungen traten nicht auf.


Enormer Wachstum

In der Stellungnahme wird besonders das enorme Wachstumsvermögen in den ersten sechs Lebenswochen der Kälber hervorgehoben, die mit einem  Milchaustauscher des Herstellers Sloten und einem für die erste Aufzuchtphase konzipierten Kälberaufzuchtfutter von ATR erzielt wurden. Das alleinige Ergänzungsfutter zur Milchtränke kombiniert Inhaltsstoffe, die speziell für die Kälberaufzucht ausgewählt sind und Strohmehl. Es soll die Pansenentwicklung fördern, so dass die Kälber nach dem 63. Lebenstag hohe Mengen Trockenmasse aufnehmen können.


20 % höhere Lebensmasse

Im Vergleich zu anderen Untersuchungen wurde bei diesem Fütterungskonzept eine um über 20 % höhere Lebensmasse und eine Steigerung der Tageszunahmen von über 50 % festgestellt. Dabei erwiesen sich die oft problematischen Übergänge von der Kolostralmilch zu Milchaustauschern, die Umstellung von Einzel- auf Gruppenhaltung beziehungsweise der Abschnitt zunehmender Festfutteraufnahme in der Milchaustauscher-Tränkphase ohne deutlich negativen Einfluss auf das Wachstum. Das untersuchte Fütterungskonzept mit  Tränkplan und neu konzipiertem Produkt könne eine langfristige Leistungsverbesserung bewirken, so die LFA.


Optimale Versorgung der Kälber

Über diese Versuchsergebnisse zeigten sich zu Wochenbeginn in Dummerstorf nicht nur Jürgen Radau aus der Sloten-Niederlassung in Diepholz und Helmut Pförtner, Produktmanager Rind bei ATR, hoch erfreut. Auch Herdenmanager Andreas Heklau nahm die Ergebnisse mit großem Interesse zur Kenntnis.  Schließlich bildet die optimale Versorgung der Kälber bereits in der Tränkperiode den Grundstein für die Entwicklung zu gesunden, langlebigen und leistungsfähigen Milchrindern.

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