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  • 2013.30.01.

Harnstoff statt Soja

Die Preisexplosion bei Sojaschrot  im vergangenen Jahr war für das Gut Dummerstorf der letzte Anstoß, sich ernsthaft mit Alternativen in der Rinderfütterung zu beschäftigen. „Wir haben uns mit unserem Wissenschaftspartner von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpopmmern  zusammengesetzt und einen Versuch mit  alternativen Proteinquellen vorbereitet“, berichtet Herdenmanager Andreas Heklau (siehe auch „Euro-Tier: Alternativen zu Sojaschrot erkundet", Praxispartner Gut Dummerstorf 17. 11. 2012).

Dazu wurden jeweils 120 Jungkühe (1. und 2. Laktation)  sowie  Altkühe (3. und 4. Laktation) in zwei Leistungsgruppen eingeteilt. Seit dem 15. Dezember 2012 erhalten die Altkühe drei Monate lang täglich statt 1,8 kg Sojaschrot  2 kg WISAN 44. Dabei handelt es sich um ein pelletiertes Rapsschrot mit 40 g Harnstoff je kg Futtermittel. Die Leistungsgruppe der jungen Kühe wird in der gleichen Zeit mit der Standardration (1,8 kg Sojaschrot pro Kuh und Tag) gefüttert. Ab 15. März erfolgt der Wechsel: Die Jungkühe werden auf WISAN 44 und die Altkühe auf die Standardration mit Soja umgestellt.

„Nach weiteren drei Monaten werden wir ein weiteres Produkt testen: Von Optigen, einem in Fett gebundenen Harnstoff, sollen 100 g pro Kuh und Tag zunächst wieder drei Monate lang an die Gruppe der Altkühe  gefüttert werden, danach ebenso lange an die Jungkühe. Ein Kilogramm dieses Futtermittels enthält 60 g Harnstoff.

Ein Problem synthetischer Harnstofffuttermittel besteht darin, sich im Pansen sofort zu lösen. Ein Großteil kann so von den Bakterien nicht in Protein umgewandelt werden, gelangt unverwertet ins Blut und muss über die Leber entgiftet werden. Der in Optigen in Fett gebundene Harnstoff soll besonders langsam, über 24 Stunden, bis zur nächsten Fütterung, freigesetzt werden. „Das lässt den Pansenbakterien viel Zeit, den Harnstoff in  Eiweiß umzuwandeln“, erläutert Heklau.

Ziel des Versuches ist es, die Auswirkungen der Futterumstellung auf  Milchleistung und Milchinhaltstoffe zu untersuchen. „Daneben wollen wir erkunden, welche Folgen die Umstellung auf die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Kühe hat", erläutert Andreas Heklau. Dr. Bernd Lohsand vom Dummerstorfer Institut für Tierproduktion der Landesforschungsanstalt wird außerdem  Stoffwechseluntersuchungen vornehmen, unter anderem auf das Vorhandensein von freien Fettsäuren, Glucose und Cholesterin. Rationsproben werden unter anderem auf Mischung und Inhaltsstoffe analysiert. Hinzu kommt eine Kostenanalyse der Rationen mit den beiden Harnstoffvarianten im Vergleich zur Standardration mit Soja.

„Sechs Wochen nach dem Versuchsstart ist es für grundsätzliche Aussagen zu früh“, sagt Herdenmanager Heklau. Nach der Auswertung des bisherigen WISAN-Einsatzes deutet sich indes der Trend  etwas geringerer Eiweißgehalte in der Milch und eine um 0,5 bis 1 kg geringere Milchleistung pro Kuh und Tag an. „Die Frage, ob dies nur durch die Futterumstellung verursacht wurde oder ob andere Faktorenen wie zum Beispiel  eine veränderte Grundfutterqualität ebenfalls eine Rolle spielen, können wir zur Zeit noch nicht beantworten“, so  Heklau. An ihrer strategischen Entscheidung, Soja in absehbarer Zeit als Eiweißquelle in der Rinderfütterung zu ersetzen, wollen die Dummerstorfer Landwirte in jedem Fall festhalten.

 

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