• 2012
  • 19.12.
  • 2012.19.12.

Glück auf den Weg, Therés!

Wenn sich am Heiligabend die Menschen um den Weihnachtsbaum versammeln und Kinder ungeduldig auf den Weihnachtsmann und seine Geschenke warten, dann wird Therés Tietz im Gut Dummerstorf in der Spätschicht im Melkstand stehen und wohl gerade die letzten von 400 Kühen gemolken haben.

„Nein, ich bin nicht traurig, dass ich am Heiligabend arbeiten muss“, versichert die 22-jährige, die ihre Ausbildung als Landwirtin im Gut Dummerstorf absolviert hat. „Ich habe mir diesen Beruf ausgesucht und gewusst, dass die Tiere auch an Wochenenden und Feiertagen versorgt werden müssen. Das ist in Ordnung“, sagt Therés, die in diesem Jahr sowohl am 24. als auch am 25. Dezember zur Spätschicht von 14 bis 22 Uhr eingeteilt ist.

Ihre wichtigste Aufgabe ist es, die rund 400 Kühe zu melken. Als heute Nachmittag die ersten Rinder den 2x12-er Fischgrätenmelkstand betreten, ist es vollkommen still. Auch vom Vorwartehof dringt kein einziges „Muh“. Die Kühe auf den Melkplätzen  käuen ungerührt wieder und warten geduldig, bis Therés mit sicherem Griff die Zitzen gereinigt, vorgemolken und das Melkzeug angesetzt hat. Das alles geschieht in forschem Tempo, mit flinken Händen und einer Leichtigkeit, wie ich es bei zahlreichen Melkermeisterschaften in den vergangenen zwanzig Jahren nur selten beobachten konnte.

„Nein, beim Leistungsmelken habe ich noch nicht mitgemacht“, lacht Therés, korrigiert sich dann nach kurzem Überlegen. Als Auszubildende sei sie mal dabei gewesen, danach nicht mehr. „Das ist nicht mein Ding“, meint die Melkerin, die als einzige Frau unter den vier Melkern im Gut Dummerstorf das ganze Jahr über im Melkstand steht. Maren Krüger, die stellvertretende Herdenmanagerin, hilft aus,wenn „Not am Mann“ ist. Als Siegerin des Bundesmelkwettbewerbes 2012 im Fischgrätenmelkstand ist Maren die bekanntere Melkerin. Therés Tietz ficht dies nicht an. Sie hat mit Maren mitgefiebert und sich mit ihr über den Erfolg gefreut. 

Auch während des Melkens ist es still im Melkstand, bis auf die Popmusik, die halblaut aus einem Radio dringt. Die Kühe scheinen das Melken und die Musik zu genießen. Nach ein paar Minuten versiegt der Milchstrom. Die Melkautomatik lässt das Melkzeug abfallen. Therés „dippt“ die Zitzen, desinfiziert sie mit einer Jodtinktur, öffnet per Knopfdruck die Standplätze und die Kühe bewegen sich ohne weitere Aufforderung zur Tränke oder geradewegs zurück in den Stall. Zwei kurze Pfiffe der Melkerin, und schon nähern sich die nächsten 24 Kühe den Melkplätzen.

„Etwa 12 000 Liter Milch verlassen täglich, nach dreimaligem Melken, das Gut. Das ist eine ganze Menge“, findet Therés Tietz. An den Schichtrhytmus – sieben Tage Arbeit, zwei Tage frei, sieben Tage Arbeit, zwei Tage frei, sieben Tage Arbeit (Nachtschicht), drei Tage frei – hat sie sich längst gewöhnt. Wobei das Melken zwar die wichtigste, aber nicht die einzige Aufgabe der Melker ist.

„Im Grunde genommen nehmen sie in ihrer Schicht die Aufgaben eines Stallverantwortlichen wahr“, erläutert Herdenmanager Andreas Heklau. Außer für das Melken sind die Kollegen dafür verantwortlich, dass Standflächen und Vorwartehof  der folgenden Schicht gereinigt übergeben werden. Die bis zu 14 Tage alten Kälber in den Einzeliglus  sind zu versorgen, auseinandergeworfenes Futter auf dem Futtertisch ist an die Tiere heranzuschieben und die Kalbungen sind zu überwachen – ein Punkt, der bei Therés immer noch leichtes Herzklopfen auslöst. „Besonders in der Nachtschicht, wenn ich allein im Stall für Kuh und Kalb verantwortlich bin“, sagt die Mitarbeiterin, die zwar Herdenmanager Heklau oder dessen Stellvertreterin jederzeit im Bereitschaftsdienst zur Hilfe rufen kann, dies aber nachts nur ungern tut.

Trotz oder gerade wegen dieser besonderen Verantwortung  wünscht sie für sich gegenwärtig keine andere Arbeit, sagt Therés. „Ich bin ganz glücklich, es macht Spass.“ Darin schließt die junge Landwirtin gelegentliche Ausflüge im Sommer ein, auf dem Traktor zum Stroh- und Kornabfahren oder zur Bodenbearbeitung, wenn zusätzliche Kräfte benötigt werden. „Theréz ist mit viel Einsatz und Freude bei der Arbeit. Es ist schön, solche Mitarbeiter zu haben“, sagt Andreas Heklau.Glück auf den Weg, Therés!

 

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