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  • 10.10.
  • 2012.10.10.

Die "Herrin der Zahlen"

Im Oktober, wenn auf den Feldern die Arbeitsspitzen gebrochen sind, beginnt für Heidrun Havemann in der Verwaltung des Gutes Dummerstorf die arbeitsreichste Zeit. Die Assistentin der Geschäftsführung bereitet nach dem Monatsabschluss September das „Voraussichtliche Ist des Jahres“, quasi den vorweggenommenen Jahresabschluss,  und den Wirtschaftsplan für das folgende Jahr vor. 

„Dabei gibt es Unwägbarkeiten“, berichtet Heidrun Havemann, die an der Rostocker Agrarfakultät Tierproduktion studiert hat und seit 1984 in dem Dummerstorfer Landwirtschaftsbetrieb tätig ist.  „Die Preise, sowohl für die Marktfrüchte als auch  für  Milch und Schlachtvieh, sind Schwankungen unterworfen. Welchen Preis wir für die Milch erhalten, erfahren wir ja ohnehin erst am 15. des Folgemonats“, so Havemann.

Preisschwankungen gibt es auch bei den Betriebskosten, wobei Dieselkraftstoff und Futtermittel, Pflanzenschutzmittel und Dünger die größten Posten sind. Bei Jahresabschluss und Wirtschaftsplan zu berücksichtigen sind selbstverständlich auch die Löhne sowie Lagerbestände an Betriebsmitteln und Schätzungen der voraussichtlichen Tierbestände. „Die Frage, wie das Unternehmen das Jahr abschließen wird, ist im Grunde genommen die wichtigste. Auf ein positives Ergebnis sind schließlich alle unsere Anstrengungen ausgerichtet“, betont die Diplomagraringenieurin.

Für 2012 stehen die Zeichen gut. „Die Marktleistung unserer 450 Milchrinder liegt voraussichtlich wieder über 10 000 kg pro Kuh. Die Erlöse waren in den vergangenen Monaten allerdings rückläufig. Um so mehr Gewicht hat die gute Ernte bei Getreide und Raps. Mit  95 dt/ha Winterweizen, 107 dt/ha Wintergerste und 46 dt/ha Winterraps wurden die Erträge aus dem Mittel der Jahre 1999 - 2011 zum Teil deutlich übertroffen. Da auch die Erlöse bei Winterweizen (um die 24 Euro/dt), Wintergerste (22,20 Euro/dt ) und Winterraps (50,37 Euro pro dt) in diesem Jahr überdurchschnittlich ausfielen, erwartet Heidrun Havemann trotz gestiegener Kosten für Futter, Diesel und andere Betriebsmittel einen sehr positiven Jahresabschluss.

Dieser ist letztlich die Grundlage des Wirtschaftsplans für das kommende Jahr. In das Dokument fließen verschiedenste Daten ein, neben dem geplanten Kuhbestand zum Beispiel auch Angaben zu den voraussichtlich  tragenden Tieren, zu Lagerbeständen, Anbaupläne und erwartete Erträge und Erlöse für Milch, Schlacht- und Nutzvieh, aus dem Verkauf von Strom und Wärme aus der Biogasanlage, für Dienstleistungen an Dritte und die Direktzahlungen.

Auch die voraussichtlichen Kosten, einschließlich der Betriebsaufwand für Gebäudereinigung, Telefon und Fachzeitschriften, werden möglichst genau geplant. „Wenn Landwirte bei uns zu Gast sind, erlebe ich immer wieder, dass sich mancher über unseren Planungsaufwand wundert. Es reicht nach meiner Erfahrung aber nicht aus, Kosten und Erlöse zu erfassen. Soll-Ist-Vergleiche zur Liquidität, die monatlich von Geschäftsführer und Betriebsleiter ausgewertet werden, sowie Planwerke zu Liquidität und Investitionen  stärken die Stabilität des Betriebes. Sie sind für uns wichtige Instrumente, die Entwicklung des Unternehmens zu steuern  und auf innere und äußere Einflüsse, zum Beispiel  von den Märkten,  zu reagieren“, unterstreicht Heidrun Havemann.

Für Investitionen im nächsten Jahr gibt es statt eines Plans bisher nur eine Wunschliste. „Das letzte Wort dazu hat der Aufsichtsrat, der am 26. November zusammenkommen und den Wirtschaftsplan für 2013 bestätigen wird“, sagt Heidrun Havemann. Vorausgesetzt, die „Herrin der Zahlen“ hat bis dahin ihre Arbeitsspitze gebrochen und alle Daten und Fakten zusammengetragen. 

 

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