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  • 09.01.
  • 2013.09.01.

Damit die Milch fließt

Reinhard Fentzahn ist morgens oft der Erste im Betrieb. Um 5.30 Uhr, eine halbe Stunde bevor seine  Arbeitszeit offiziell anfängt, beginnt der 51-Jährige sein Tagwerk. Fentzahn ist Fütterer von  465 Milchkühen sowie 364 Jungrindern und Kälbern.

Die Aufgabe ist klar umrissen. In der Praxis ist sie sehr komplex. Hochleistungskühe, die über 35 kg Milch pro Tag geben, kriegen zweimal täglich Futter. „Altmelker“, „Trockensteher“ (Kühe acht Wochen vor dem Kalben) und „ Vorbereiter“ (Kühe und Färsen 14 Tage vor dem Kalben) einmal pro Tag. Die „Totalmischration“ (TMR) wie das tägliche Rindermenü im Fachjargon heisst, wird  mit Beratern zusammengestellt, die Mischung nach einem speziellen Programm berechnet und auf den Bordcomputer des Futterverteilwagens von Reinhard Fentzahn übermittelt, erläutert Herdenmanager Andreas Heklau. An Reinhard Fentzahn ist es dann, die einzelnen Komponenten in der geforderten Menge  zu laden und maschinell im Futterverteilwagen zu mischen.

Im Gut Dummerstorf werden täglich vier verschiedene Rationen für Altkühe (ab 3. Laktation), Frischabgekalbte und Jungkühe sowie Kühe mit niedriger Leistung hergestellt. Weil die Rinder unterschiedlich häufig gefüttert werden, stellt Reinhard Fentzahn jeden Tag elf Mischungen zusammen und lädt 15mal Futter. Darin eingeschlossen „Futter“ für die „Betonkuh“, die Biogasanlage. Hauptbestandteile des Tierfutters sind Maissilage, Anwelksilage, Luzernesilage, Kraftfutter (Getreide und immer weniger Soja, statt dessen Rapsschrot)  gehäckseltes Futterstroh und Mineralstoffe. Insgesamt sind es 14 Komponenten.

„Rinderfütterung ist Teamarbeit. Da muss ein Rad ins nächste greifen“, beschreibt Reinhard Fentzahn seine Grunderfahrung. Wie vom Herdenmanager und Melker ist auch der Blick des Fütterers auf die Tiere gefragt. Fressen die Kühe? Käuen sie wieder? Sind die Tiere fit? Fütterer Fentzahn ist eingebunden in die Strategie des Gutes, die Fütterung ständig zu optimieren. Dazu schiebt er Restfutter aus dem Stall, fräßt es mit dem Verteilwagen auf und wiegt es aus. „So bekommen wir Daten, wie viel die Kühe einer Fütterungsgruppe gefressen haben“, erläutert Fentzahn. Alle zwei Stunden wird mit dem Traktor und einem hinter dem Fahrzeug montiertem Reifen Futter, das die Kühe auseinandergewühlt haben, zurück auf den Futtertisch befördert.

Für die Untersuchung in der Landesforschungsanstalt nimmt Reinhard Fentzahn wöchentlich Proben vom Futtertisch und aus den Silos. Die ermittelten Werte sind für Herdenmanager Andreas Heklau eine Grundlage der Rationsberechnung. In Fentzahns Verantwortung fallen zudem ein sauberer Bergeraum, ein akkurater Silostock und ein gefegter Gutshof. „Feierabend ist erst, wenn alles seine Ordnung hat“, versichert Reinhard Fentzahn, der gern früh aufsteht und der seinen Job keinesfalls mehr eintauschen will gegen die Arbeit auf dem Traktor im Feldbau, die er vorher gemacht hat.

 

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