• 2016
  • 24.08.
  • 2016.24.08.

Wo man auch mal zupacken muss

© Gerd Rinas

Aktion „Sauberer Stall“: Oliver Wolf bei Reinigungsarbeiten.

Oliver Wolf hatte sich für die Sommerferien etwas vorgenommen: „Ich wollte mir einen Ferienjob suchen, zumindest für eine Woche, etwas Geld verdienen“, sagt der 15-Jährige, der gerade die neunte Klasse am Friderico-Francisceum-Gymnasium in Bad Doberan abgeschlossen hat. „Meine Mutter meinte, ich solle doch etwas machen, wo man auch mal zupacken muss.“

 

Nach zwei Tagen ging’s

Aber das war leichter gesagt als getan. In seiner Heimatstadt Schwaan bei Rostock sind Ferienjobs knapp, hat Oliver festgestellt. Schließlich ist er im Nachbardorf Benitz fündig geworden. Hier hat der Agrarbetrieb Groß Grenz seinen Sitz mit Futtersilos und Lagerhallen, Technikstützpunkt und Biogasanlage, Schweinemast- und Milchviehställen, Olivers erstem Einsatzort. 3,50 €/h, fünf Euro bei sehr guter Arbeit und täglich von 7 bis 15.45 Uhr, so die Konditionen.

„An den ersten Tagen hatte ich nicht so wichtige Aufgaben. Wenn die Kühe beim Melken waren, habe ich Wände im Kuhstall gereinigt. Später haben wir Rinder von der Weide geholt. Das hat schon mehr Spaß gemacht. Dann hab ich Unkraut gezupft und später wieder Dreck von der Wand gekratzt“, sagt Oliver. Der Kuhgeruch störte anfangs in der Nase. „Aber nach zwei Tagen ging’s“, so der Schüler, der schon einmal ein Praktikum absolviert hat. Nicht in einem Landwirtschaftsbetrieb, sondern einem Informatikzentrum. „In diese Richtung geht auch mein Studienwunsch“, lässt Oliver durchblicken.

Der Ferienjob in Benitz hat daran nichts geändert. Aber grundsätzlich sei es eine interessante Erfahrung, wie man hier sein Geld verdient oder sich beim Arbeiten Blasen an den Fingern holt. „Der Betrieb hat Struktur, jeder hat seine Aufgabe“, hat der Schüler beobachtet. Überrascht hat ihn, „wie viel Wert auf Sauberkeit und Hygiene gelegt wird“, so Oliver einen Tag vor dem Ende seines Aufenthalts in Benitz.

Wenn Schüler im Betrieb arbeiten, brauchen sie Anleitung. Abteilungsleiter Jörg Nimke ist Ansprechpartner. © Gerd Rinas„Wir haben mehr Anfragen nach Ferienjobs als wir zur Verfügung stellen können. Vorrangig kommen Kinder von Mitarbeitern oder Jugendliche aus der Region zum Zuge“, erläutert Geschäftsführer Rainer Tschirner. Den Ausschlag gebe, jungen Leuten Landwirtschaft näher zu bringen. Die Einsatzmöglichkeiten sind begrenzt. Oft ist es für die Mitarbeiter nicht leicht, nebenher noch Ferienjobber zu betreuen. „Anleitung brauchen die jungen Leute heute eher mehr als  früher. Es ist eben eine andere Generation, die am Computer aufwächst und nicht in der Natur“, findet Tschirner und denkt an eigene Ferieneinsätze beim Rübenverziehen oder Kartoffelsammeln.

Um so mehr freut sich der Geschäftsführer, dass es zumindest bisher gelang, immer wieder hoffnungsvollen Berufsnachwuchs heranzubilden. Dazu zählen auch Max Böckmann und Nico Schwarz. „Die beiden haben ihre Ausbildung als Landwirt erfolgreich abgeschlossen. Wir haben sie übernommen, weil sie sich angestrengt haben, trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation“, so Tschirner. Letztere treibt dem Geschäftsführer immer größere Sorgenfalten auf die Stirn. Die Halmfruchternte ist schlecht ausgefallen, die Preise sind deutlich niedriger als in den Vorjahren. „Im Juli bekamen wir für unsere Milch 22 ct/kg plus 0,5 ct/kg S-Klasse-Zuschlag. Viel zu wenig, um rentabel zu produzieren“, so Tschirner nachdenklich.

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