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  • 04.02.
  • 2015.04.02.

Transporter auf Abwegen

© Gerd Rinas

Bildergalerie: Transporter auf Abwegen

Schneeflocken haben die Felder um Benitz an diesem Mittwochmorgen in eine Winterlandschaft verwandelt. Die Straße, die ins Dorf führt, ist glatt. In den Ställen und Werkstätten des Agrarbetriebes Groß Grenz geht indes alles seinen gewohnten Gang. Beim Füttern, Melken und der Tierbetreuung gibt es keine Störungen. Die Zufahrt zum Futtersilo und zu den Milchtanks sind befahrbar, nur auf dem Hofplatz vor dem Auslauf der Jungrinder musste Schnee geräumt werden. Trotz des Flockenwirbels am Morgen sind alle Mitarbeiter pünktlich zur Arbeit erschienen. Lediglich der Transporter, der Schweine zur Vermarktung abholen soll, verspätete sich um eine Stunde, landete erst um 7.30 Uhr am Maststall an. „Damit muss man bei dieser Witterung rechnen“, sagt Geschäftsführer Rainer Tschirner.

Der Landwirt hat so seine Erfahrungen mit Wetterkapriolen. „Temperaturen um den Gefrierpunkt wie heute morgen wirken sich kaum auf die Betriebsabläufe aus. Wenn das Thermometer an mehreren Tagen hintereinander aber unter zehn Grad fällt und dazu noch Ostwind weht, sieht das anders aus.“ Erste Angriffspunkte für den Frost sind meist die Schleppschieber in den Milchviehställen. Bei starkem Wind kann es passieren, dass an der einen Giebelseite Schnee auf Liegeplätze und Futterband weht. Die Tränken sind beheizt und somit frostgeschützt, zumindest so lange die Stromversorgung funktioniert. Für den Fall des Falles stehen an den Standorten in Benitz und Klein Grenz Notstromaggregate bereit. „Lüftung und Heizung in den Schweineställen dürfen keinesfalls längere Zeit ausfallen. Fehlermeldungen werden deshalb automatisch auf das Mobiltelefon des Leitungsdienstes übertragen“, erläutert Tschirner. In diesen Dienst, der wöchentlich wechselt, sind die beiden Geschäftsführer und die drei Abteilungsleiter eingebunden.

Im Betrieb wurden weitere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um sich vor Überraschungen abzusichern. So hat man an den Stallstandorten in Benitz, Klein Grenz und Kassow Futtervorräte für 14 Tage angelegt. „Wenn Firmen tatsächlich nicht liefern können, weil die Straßen nicht befahrbar sind wie im Katastrophenwinter 1978/79 haben wir ein Polster“, so Tschirner. Mit Traktor und Schiebeschild haben die Landwirte in den vergangenen Jahren manche Notsituation entschärft. „Wir haben schon Mitarbeiter zu Hause mit dem Traktor zur Arbeit abgeholt oder von Benitz nach Klein Grenz in die Sauenanlage gefahren, weil PKW nicht mehr durchkamen. Danach sieht es heute aber nicht aus“, sagt Rainer Tschirner nach einem Blick aus dem Fenster. Nur der Schweinetransporter sorgt noch einmal kurz für Aufregung. Als er mit seiner Ladung die Seuchenwanne am Mastschweinestall erreicht, passierts: Die Räder drehen durch, der LKW hat sich festgefahren! Wenig später sind Peter Klein und Denny Langer mit zwei Traktoren zur Stelle und schleppen den Transporter frei. Danach greifen die beiden Fahrer zur Schaufel und streuen Kies auf die Zufahrt. Langsam setzt sich der LKW in Bewegung und erreicht ohne weitere Verzögerung die mittlerweile schneegeräumte Straße.

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