• 2013
  • 13.11.
  • 2013.13.11.

Strom und Wärme aus Biogas

Biogasanlage

Die Biogasanlage wurde 2003 errichtet. Foto:Gerd Rinas

Bildgalerie Strom und Wärme aus Biogas

Biogasanlagenbetreiber, die zum Jahresende keine Gasfackel oder einen anderen alternativen Gasverbraucher nutzen, um Emissionen von unverbranntem Biogas zu vermeiden, droht am 1. Januar 2014 der Verlust der EEG-Vergütung. Laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 2012 gilt die Verpflichtung zum Einbau eines alternativen Gasverbrauchers für alle Biogasanlagen, unabhängig von Größe und Alter.  Geschäftsführer Rainer Tschirner hatte sich schon vor einiger Zeit für den Einbau einer manuellen Fackel in der Biogasanlage Benitz entschieden.

Überraschende Neuigkeit

 

Um so überraschter war der Landwirt, als er kürzlich erfuhr, dass die Tage manueller Fackeln als anerkannte alternative Gasverbraucher offenbar gezählt sind: „Ob und in welchem Leistungsbereich von Biogasanlagen künftig noch manuelle Fackeln als alternative Gasverbraucher anerkannt werden, ist derzeit unklar“, hieß es in der BauernZeitung , Heft 44/S. 27. Ein Experte vom Fachverband Biogas empfahl, bei der Wahl einer manuellen Fackel diese zumindest so auszuwählen, „dass sie modular zur automatischen Niedrigtemperaturfackel aufgerüstet werden kann“.  Denn grundsätzlich bestehe die Gefahr, dass manuelle Fackeln, wenn sie nicht den künftigen Mindeststandards entsprechen, in einer Übergangsfrist ausgetauscht werden müssen.

"Zwang zur Fackel"

 

Für Rainer Tschirner wirft der „Zwang zur Fackel“ Fragen auf. „Auch ohne Fackel können wir die Gasproduktion durch Gülleentzug rasch stoppen. Für unsere Anlage mit 150 kW elektrischer Leistung hätte eine manuelle Fackel völlig ausgereicht“, so der Geschäftsführer. Dass diese ihre Anerkennung als alternativer Gasverbraucher demnächst verlieren könnte, sorgt für noch mehr Unmut. „Eine automatische Fackel ist viel teurer“, ärgert sich der Landwirt. Ein zusätzlicher Kostentreiber, mit dem er und viele andere Berufskollegen nicht gerechnet hatten.

Wind aus den Segeln genommen

 

Über die Biogasanlage in Benitz findet der Geschäftsführer sonst  nur gute Worte. Sie war 2003 im Zuge des Neubaus des Schweinemaststalls errichtet worden. „Unser Hauptanliegen war es, Gegnern der Schweinemast Wind aus den Segeln zu nehmen und die Geruchsemmission zu begrenzen. Außerdem sollte der Betrieb wirtschaftlich sein. Die Biogasanlage erfüllt diese Erwartungen“, sagt Rainer Tschirner.

15 000 Euro Erdgaskosten eingespart

 

Täglich gelangen 60 m3 Gülle, einschließlich 0,8 t Dung, aus den Vorratsbehältern in den Fermenter.  Schweine- und Rindergülle werden zuvor in einer Vorgrube gemischt. Die Gülle verbleibt 24 Tage im Fermenter. Das von den Bakterien freigesetzte Methangas wird von einem Zündstrahlaggregat in elektrische Energie und Wärme umgewandelt. Derzeit erhalten die Landwirte laut EEG für den ins öffentliche Netz eingespeisten Strom eine Grundvergütung von 11,67 Ct/kWh, zuzüglich den Nawaro-Bonus von 7 Ct/kWh und einen Güllebonus von 4 Ct/kWh. Durch den Verkauf des Stroms werden jährlich Einnahmen im sechsstelligen Bereich erzielt. Durch die Wärmeproduktion für den benachbarten Mastschweinestall können etwa 15 000 Euro Erdgaskosten pro Jahr eingespart werden.

Als wenn man eine Kuh schlecht füttert

 

Vom ersten Tag an betreut Detlef Berner die Anlage. Zusammen mit seinem Kollegen Jean Höpner kontrolliert er ständig wichtige Leistungsparameter und nimmt Korrekturen vor, wenn es erforderlich ist. „Die Anlage verlangt Aufmerksamkeit. Eine stockende Güllezufuhr oder andere Unregelmäßigkeiten wirken sich sofort auf die Biologie im Fermenter und die Energieproduktion aus. Es ist etwa so, als wenn man eine Kuh schlecht füttern würde“, sagt Detlef Berner. Lange Zeit bereiteten die beiden Zündstrahlmotoren, die das Gas in Strom und Wärme umwandelten, immer wieder Probleme. „Die Motorengeneration war offenbar nicht ausgereift.  Dank Gewährleistung und Kulanz des Lieferanten entstanden zwar kaum zusätzliche Kosten. Aber natürlich nervt es, wenn die Motoren nicht richtig laufen“, erinnert sich Rainer Tschirner.  Das neue Aggregat, das vor vier Jahren die beiden alten ersetzte, arbeitet reibungslos.

Keine Maismonokultur

 

Ganz bewusst hatte man sich vor zehn Jahren für keine größere Biogasanlage entschieden. „Wir wollten die Anlage ausschließlich mit Gülle betreiben und keine Maismonokultur  für die Energieproduktion einführen “, erläutert Tschirner. Zu dieser Philosophie steht der Geschäftsführer heute noch, obwohl größere Anlagen, erfolgreich geführt, finanziell mehr einbringen. Zwischenzeitlich wurde mit Partnern von der LMS Agrarberatung, der Rostocker Agrarfakultät und dem LKV geprüft, ob und wie sich die Anlage optimieren lässt. Heraus kam, dass die Erweiterung der Anlage nur Sinn machen würde, wenn Inputstoffe zugekauft oder eben selbst produziert werden würden. „Ohne zusätzliche Ackerflächen müssten wir Flächen, die bisher für Futter oder Marktfrüchte reserviert sind, für die Produktion von Inputstoffen für die Biogasproduktion umnutzen. Zusätzliche Flächen sind nicht verfügbar, Maisanbau für Biogas wollen wir nicht. Deshalb ist die jetzige Lösung für unsere Bedingungen optimal“, so Rainer Tschirner.

comments powered by Disqus

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr