• 2014
  • 08.01.
  • 2014.08.01.

Praxisversuch: Schweine mit langen Schwänzen

© Gerd Rinas

Spielzeug wie dieser Stern kommt in den Versuchsgruppen in unterschiedlichem Umfang zum Einsatz.

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In der Schweinehaltung der GGAB Agrarbetrieb Groß Grenz wird seit anderthalb Jahren auf das Koupieren der Ferkelschwänze verzichtet. „Unsere Erfahrungen sind gut, das Schwanzknabbern der Artgenossen untereinander ist stark eingeschränkt“, berichtet Dr. Kathrin Naumann, Assistentin der Geschäftsführung. Doch damit geben sich die Mitarbeiter der Abteilung Schweineproduktion um Simone Tiedt nicht zufrieden. Sie wollen wissen, wie sich das Wohlbefinden der Tiere weiter verbessern lässt und welche Auswirkungen unterschiedliche Haltungsbedingungen auf das Verhalten der Ferkel und Mastschweine und deren Tageszunahmen hat.

Dazu bereitet Anika Bidmon,  Studentin der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock, im Rahmen ihrer Bachelorarbeit  im Agrarbetrieb Groß Grenz einen Versuch zur Schweinehaltung vor. „Ferkel, die in der nächsten Woche geboren und in der 6. Kalenderwoche abgesetzt werden, kommen in vier Versuchsgruppen: In der ersten Gruppe werden die Schwänze der Tiere mit einer Sondergenehmigung um ein Viertel gekürzt. Die Tiere werden unter den speziellen Standortbedingungen in Klein Grenz (Ferkel) und Benitz (Mastschweine) , erhalten Futter aus dem Futterautomaten, Wasser aus Nippeltränken und Spielzeug.

Drei weitere Ferkelgruppen behalten ihre Langschwänze. Eine dieser Gruppen kommt in eine ganz normale Ferkelbucht. Die zweite Gruppe  wird in einer sogenannten ausgestalteten Tierwohlbucht aufgezogen. Sie verfügt über mehr Spielzeug wie Hanfseile und BiteRite (Beißspielzeug). Zusätzlich zu den Tränkenippeln gibt es in der Bucht „Aqualevel“, das heißt offene Tränkeschalen, an denen Ferkel entsprechend ihrer natürlichen Gewohnheiten lieber trinken, die allerdings deutlich teurer sind. Außerdem wird es in der Bucht Raufen mit Stroh zum Fressen und Beschäftigen geben. Die Zahl der Tiere in den Buchten der ersten drei Versuchsgruppen entspricht den Vorgaben der Nutztierhaltungsverordnung. Die vierte Versuchsgruppe wird in einer Bucht untergebracht, die der ausgestalteten Tierwohlbucht entspricht, allerdings mit um 18 % reduziertem Tierbesatz, nach den Anforderungen des  Tierwohllabels.  
Anika Bidmon wird einmal in der Woche den Versuchsverlauf dokumentieren, die Tiere sowohl in der Aufzucht- als auch in der Mastphase mehrfach  wiegen und den Versuch bis zur Vermarktung der Tiere führen. Sie wird dabei von den Mitarbeitern in Klein Grenz und Benitz unterstützt, auch wenn dies für die Kollegen einen zusätzlichen Aufwand bedeutet. Für die Anordnung und spätere Auswertung des Versuchs  zeichnet  Prof. Dr.. Winfried Matthes vom Institut für Tierproduktion der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei verantwortlich.
 „Bei dem Versuch handelt es sich keinesfalls um eine leichte Aufgabe“, sagt Kathrin Naumann, die als Studentin selbst Erfahrungen in ähnlichen Versuchen sammelte. Nach dem Start mit den Absetzern in der 6. Kalenderwoche sind vier Wiederholungen vorgesehen. Insgesamt sind etwa 700 Tiere zu betreuen, zu wiegen, mit Ohrmarken zu versehen. Vor allem erhoffen sich die Landwirte näheren Aufschluss über etwaige Ursachen des Schwanzknabberns: Geht dies auf vermehrten Stress, beispielsweise durch zu kalte oder zu warme Raumtemperaturen, Zugluft oder einen zu hohen Tierbesatz in der Bucht zurück? Oder sind dafür Stoffwechselschwankungen, ausgelöst zum Beispiel durch eine unregelmäßige und zu geringe Wasseraufnahme verantwortlich? Nach Auswertung des Versuchs im Sommer wollen die Groß Grenzer Landwirte ein Stück klüger sein.

 

Gerd Rinas

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