• 2014
  • 23.07.
  • 2014.23.07.

Notfall im Stall: Ein Anruf genügt

© Gerd Rinas

Teamarbeit: Tierärztin Tabea Wendt und Jörg Nimke bei der Untersuchung einer trockenstehenden Kuh.

Mindestens zweimal in der Woche ist Tierarzt-Sprechstunde im Agrarbetrieb Groß Grenz: Am Dienstag gehört das Impfen der Kälber gegen Grippe zum Pflichtprogramm: Am Freitag untersucht Tierärztin Tabea Wendt aus der Praxis von Dr. Günter Berger in Satow Kühe auf Trächtigkeit beziehungsweise Sterilität. Hochtragende Kühe erhalten mindestens zwei Wochen vor dem Kalben die Schutzimpfung gegen Rotaviren. Letztere können bei neugeborenen Kälbern gefährlichen Durchfall auslösen.

In jeder Sprechstunde stellt Jörg Nimke der jungen Tierärztin die erkrankten Kühe vor. Heute führt  der Abteilungsleiter Rinderproduktion Tabea Wendt zu einer Kuh, die an Ketose, eine Stoffwechselstörung, erkrankt ist. Als Ursache hat die Tierärztin eine Nachgeburtsverhaltung diagnostiziert. „Reste von Fruchthüllen waren in der Gebärmutter verblieben. Dies ist ein Nährboden für Bakterien“, erläutert Tabea Wendt. Lose Teile der Fruchthüllen hat sie entfernt und den Entzündungsherd lokal mit einem Antibiotikum versorgt. In zwei Tagen will sie das Tier nachuntersuchen. „In der Regel stellt sich rasch Besserung ein. Anderenfalls müssen wir noch einmal behandeln“, so die Tierärztin, die erst seit Dezember vergangenen Jahres hauptsächlich Großtiere versorgt. „Mein Opa war Bauer, meine Mutter hat eine Agrargenossenschaft geleitet. Ich hab‘ zu Hause viel vom Umgang mit Tieren mitbekommen“, sagt die 30-Jährige, die 2009 ihr Studium in Leipzig beendet hatte und seit 2012 in der Praxis in Satow angestellt ist. Bis Ende vorigen Jahres hatte sie sich um die kleineren Patienten gekümmert, Meerschweinchen, Chinchilla, Kaninchen, Hühner, Gänse, Schafe und Shetlandponys. „Chinchilla und Gänse zu behandeln, war nicht so einfach. Man muss sich reinfinden, nachlesen, sich mit Kollegen austauschen. Bisher konnte ich immer helfen“, sagt Tabea Wendt. An Kühen schätzt sie den „tollen Charakter“. „Viele denken, die sind blöd. Das stimmt aber nicht. Sie haben ein feines Gespür. Manche sind auch sehr anhänglich und laufen einem hinterher. Vor allem, wenn sie bullen.“

Erst kürzlich lagen an einem Wochenende zwei Kühe fest. Waren sie verletzt? Hatten sie Stoffwechselprobleme? „Treten solche Symptome auf, sind oft die ersten Stunden entscheidend“, sagt Tabea Wendt. Sie untersuchte die Tiere und stellte bei der einen Kuh eine lahme Hinterhand und bei der anderen Lungenentzündung fest. Beide sind wieder wohlauf.

Nachdem sie an diesem Tag mit der stellvertretenden Abteilungsleiterin Franziska Baranowski auch noch die erkrankten Kälber inspiziert hat, trägt sie im „Tierärztlichen Arzneimittel-Anwendungs- und Abgabenbeleg“ die Namen der Medikamente ein, die sie Jörg Nimke zur Behandlung erkrankter Tiere übergeben hat. Im Notfall genügt ein Anruf und die Tierärztin ist zur Stelle.

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