• 2017
  • 18.01.
  • 2017.18.01.

„Mist und Gülle in Verruf gebracht“

Gülleausbringung © Gerd Rinas

Moderne Ausbringeverfahren mindern die Umweltbelastungen beim Ausbringen von Gülle erheblich

Der unlängst erschienene Nitratbericht 2016 sorgte auch unter Landwirten in Mecklenburg-Vorpommern für Diskussionsstoff. „Noch mehr Debatten und Erstaunen löste allerdings  die öffentliche Reaktion in einem Teil der Medien, Erklärungen verschiedener Politiker und manche Stellungnahme von Nichtregierungsorganisationen aus“, sagt Kathrin Naumann, Geschäftsführerin der GGAB Agrarbetrieb Groß Grenz GmbH nahe Rostock.

» Landwirtin Kathrin Naumann: „Mist, Gülle und Gärsubstrat sind für uns wertvolle, natürliche Wirtschaftsdünger.“ Foto: Gerd Rinas

„Wir mussten erleben, wie Mist und Gülle und die damit verbundene Tierhaltung in der Öffentlichkeit in Verruf gebracht wurden. Jeder Hobbygärtner weiß eine Fuhre Dung zu schätzen. So geht es uns Landwirten auch. Die Hinterlassenschaften von Rind, Schwein und Geflügel oder die Gärsubstrate aus den Biogasanlagen sind für uns wertvolle, natürliche Wirtschaftsdünger“, lässt Naumann keinen Zweifel. Deren Einsatz schone Ressourcen, verringere den Aufwand an mineralischem Dünger und sei zugleich die natürlichste aller Düngungsformen. Außer auf das Pflanzenwachstum wirken sich Mist, Gülle und Gärsubstrat positiv auf Bodenlebewesen, Wasserhaushalt und Humusgehalt aus. „Futter vom Acker für die Tiere, Gülle zurück aufs Feld. Das sind sinnvolle, nachhaltige Kreisläufe, die in unserem landwirtschaftlich geprägten Mecklenburg-Vorpommern eine bewährte Tradition haben“, betont die promovierte Landwirtin.

» Moderne Ausbringeverfahren mindern die Umweltbelastungen beim Ausbringen von Gülle erheblich. Foto: Gerd Rinas

Naumann verwahrt sich gegen den pauschalen Vorwurf, Landwirte würden Gülle „einfach so“ auf den Acker kippen. „Wer sich etwas näher mit der Materie beschäftigt, stellt fest, dass die Nährstoffmenge auf Basis von Bodenuntersuchungen und nach dem Pflanzenbedarf berechnet, dokumentiert und ausgebracht wird.“ Zudem würden Kritiker oft übersehen, dass die Ausbringetechnik deutlich besser geworden sei. „Gülle wird seit längerem direkt in den Boden eingearbeitet, auf vielen Betrieben werden mittlerweile Schutzstreifen um Gewässer angelegt, um direkte oder indirekte Einträge von Nährstoffen zu vermeiden“, so Dr. Naumann.

Aus Sicht vieler Landwirte sei unverständlich, dass eine Grundaussage im Nitratbericht in der öffentlichen Berichterstattung kaum eine Rolle spielte: Nitratgehalte im Grundwasser sind im letzten Auswertezeitraum 2012 - 2014 gegenüber 2008 - 2011 geringfügig zurückgegangen. In Mecklenburg-Vorpommern trifft dies auch auf die Belastung in Oberflächengewässern zu. „Dort wo es Probleme bei der Nitratbelastung gibt, müssen die Ursachen analysiert werden. Aber wir verwahren uns dagegen, dass Landwirte, die Tiere halten, öffentlich unter Generalverdacht für überhöhte Nitratgehalte im Grundwasser gestellt werden“, sagt Kathrin Naumann. Die Landwirtin hat ihre Position in dieser Frage mit fünf Berufskollegen aus Mecklenburg-Vorpommern in der vorigen Woche in einem Offenen Brief an die Medien deutlich gemacht hat.

 

 

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