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  • 03.04.
  • 2013.03.04.

Landwirt auf Umwegen

Marcel Holm steht auf dem Silo und greift nach den alten Reifen.  „Um mit dem Radlader an frisches Futter zu kommen, muss ich erst einige Reifen und ein Stück Folie von dem Futterstapel entfernen“, erläutert der junge Mann. Holm bewegt sich vorsichtig auf dem Silo. Der Nachtfrost hat die Reifen an die Silofolie geklebt. Die Morgensonne taut die dünne Eisschicht langsam auf, die Folie ist nass und glatt.  Für den angehenden Landwirt im 2. Ausbildungsjahr ist dies heute Morgen die erste Arbeit. Für zwei Tage vertritt er hier in Kassow, im neuen, modernen Jungrinderstall, Otto Großmann. „Ich wohne im Nachbardorf, der Weg zur Arbeit ist kürzer als nach Benitz“, sagt Holm, der sich darüber freut, dass Abteilungsleiter Jörg Nimke ihm die Jungrinder anvertraut hat. Vor anderthalb Jahren hatte Marcel Holm zum zweiten Mal eine Ausbildung zum Landwirt begonnen. Wegen einer schweren Knieverletzung, die er bei einem Unfall auf dem Weg von der Berufsschule nach Hause im November 2003 erlitt, hatte Marcel seine erste Lehre als Landwirt abbrechen müssen.  Nach der Rehabilitation absolvierte er eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann. Er meldete sich zu mehreren Praktika und arbeitete ein Jahr lang als Assistent bei einem Unternehmensberater. Doch alle Bemühungen, eine dauerhafte Anstellung zu finden, scheiterten. „2011 entschloß ich mich zu einem zweiten Start als Landwirt“, erinnert er sich.  In der GGAB Agrarbetrieb Groß Grenz hat der Name Holm einen guten Klang. Marcels Großvater hat hier viele Jahre als Schlosser gearbeitet. „Der Mann hatte goldene Hände“, sagen heute noch ältere Kollegen. Marcel Holm hätte wegen seiner Vorleistungen die Ausbildung verkürzen können. „Ich mache  drei Jahre, noch mal von der Pike auf“, entschied der 28-Jährige. Mittlerweile hat er schon verschiedenste Tätigkeiten kennengelernt und Erfahrungen gesammelt. Hat Kälber versorgt, Kühe gefüttert, gemolken. Sauen und Mastschweine betreut, im Pflanzenbau gearbeitet.  Seine Leistungen an der Berufsschule in Jördenstorf sind gut. Nach der Ausbildung würde er gern im Betrieb bleiben und in der Pflanzenbauabteilung arbeiten.  Heute bestimmen die Jungrinder sein Tagespensum: Nach dem Füttern wird er einen Teil der Liegeplätze einstreuen,  die Schleppschieber reinigen und Gülle in das Güllebecken pumpen. Bis 15.45 Uhr, hofft Holm, wird er alle Arbeiten erledigt haben. Sicher ist das aber nicht. „Jeder Tag verläuft anders, man weiß nie ganz genau, wie es wird“, sagt der Auszubildende und berichtet von der schwierigen Frühgeburt einer Kuh, die überraschend kurz vor Feierabend einsetzte. „Die Arbeit in der Landwirtschaft ist abwechslungsreich, ganz anders als in einem Industriebetrieb, wo man am Band steht und immer wieder die gleichen Bewegungen macht“, findet Marcel Holm, der alles daran setzt, seine Ausbildung  im nächsten Jahr erfolgreich abzuschließen.

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