• 2015
  • 14.12.
  • 2015.14.12.

Kein Geld verdient

rentabeles Schweinefleisch © Gerd Rinas

„Um rentabel Schweinefleisch zu produzieren, brauchen wir mindestens 1,70 € pro Kilo. Die Notierungen treten aber bei 1,25 € auf der Stelle. Der Hauspreis des Schlachthofes liegt seit 14 Tagen noch darunter“, sagt Geschäftsführer Rainer Tschirner.

Wenn in den nächsten Tagen die wirtschaftlichen Ergebnisse des Kalenderjahres 2015 ausgewertet werden, wird die Bilanz im Agrarbetrieb Groß Grenz erstmals seit 15 Jahren negativ ausfallen. „Die Ursachen dafür sind vielfältig“, analysiert Geschäftsführer Rainer Tschirner.

Das Unternehmen erwirtschaftet seine Einnahmen je zu einem Drittel aus Ackerbau und Milchproduktion sowie der Schweinehaltung, einschließlich Biogaserzeugung. „2015 waren die Erlöse in allen Betriebszweigen, mit Ausnahme bei Biogas, niedriger als in den Vorjahren“, so Tschirner. In der Marktfruchtproduktion lagen die Erträge zwar über dem langjährigen Mittel, aber unter den Spitzenergebnissen von 2014. Wegen geringerer Preise blieben die Erlöse vom Acker 2015 unter dem fünfjährigen Mittel.

Die Milchproduktion erreichte mit 452 Kühen und 11 825 kg/Kuh zwar wieder ein sehr hohes Niveau. Aufgrund der schlechten Auszahlungspreise von zuletzt 25 ct/kg verliert der Betrieb aber seit Monaten mit jedem Kilogramm Milch bares Geld. „Bei einer Jahresproduktion von rund 5 Mio. kg werden sich die Mindereinnahmen auf zirka 500 000 € summieren“, rechnet Tschirner vor. Ähnlich dramatische Auswirkungen hat der anhaltende Preisverfall am Schweinemarkt. „Um rentabel zu produzieren, brauchen wir 1,70 €/kg Schweinefleisch. Der Marktpreis beträgt derzeit 1,25 €. Der Hauspreis, den der Schlachthof uns nun schon seit 14 Tagen anbietet, bleibt  noch darunter. Wir werden in diesem Jahr zirka 10 000 Schweine vermarkten und dabei Eigenkapital verlieren“, so Tschirner. Die Hoffnung, über die Teilnahme an der Initiative Tierwohl die Einnahmen wenigstens etwas zu stabilisieren, hat sich nicht erfüllt. Die Bewerbung bei Ferkeln, Läufern und in der Schweinemast blieb, ohne Losglück, erfolglos.

Der einzige Betriebszweig, der  2015 Gewinn erwirtschaftete, war die Biogasproduktion. Nur auf die Verwertung der Gülle ausgelegt, hat die Anlage mit einer Kapazität von 150 kW elektrischer Leistung allerdings nur einen geringen Anteil an den Gesamteinnahmen. „Unterm Strich ist 2015 für uns wirtschaftlich eines der schlechtesten Jahre“, so Tschirner. Dass seine Existenz nicht gefährdet ist, verdankt der Betrieb vor allem seiner nach wie vor sehr guten Kapitalausstattung. „Endlos verkraftet aber kein Unternehmen Preise, die nicht einmal die Kosten decken“, betont der Geschäftsführer. „Bleibt es langfristig bei den ruinösen Marktverhältnissen, könnten sich in vielen Veredlungsbetrieben schon bald grundsätzliche Fragen stellen“, sagt Rainer Tschirner nachdenklich.

comments powered by Disqus

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr