• 2018
  • 25.04.
  • 2018.25.04.

Indikator für Tierwohl

© Gerd Rinas

Ist Cortisol im Haar von Läufern ein geeigneter Stressindikator? Dr. Winfried Otten und Susen Heimbürge bei der Probenahme.

Behutsam, aber mit festem Griff nimmt Dr. Winfried Otten den vier Wochen alten Läufer in den Arm. Tierärztin Susen Heimbürge beginnt, den Läufer auf dem Rücken zu rasieren. Die gewonnenen Haare verstaut die Doktorandin in einer Plastiktüte. Fertig. Winfried Otten setzt den Läufer zurück in die Bucht. Wenig später hat er ein weiteres Tier im Arm und die Prozedur beginnt von Neuem.

„Wir starten heute im Agrarbetrieb Groß Grenz in die heiße Phase unseres Forschungsprojektes“, berichtet Otten. Mit Susen Heimbürge und weiteren Mitarbeiterinnen sucht der Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf (FBN) Antwort auf die Frage, ob mit dem Stresshormon Cortisol in den Haaren von Schweinen längerfristige haltungsbedingte Belastungen nachweisbar sind. „Bei Menschen wird die Haarentnahme zur Stressbestimmung seit etwa zehn Jahren angewandt“, erläutert Otten. „Bei Nutztieren ist diese Methode ziemlich neu. Zum Beispiel aus Italien und Spanien liegen erste Daten vor. In Deutschland untersuchen wir mit unserem Verbundprojekt die Einlagerung von Cortisol in den Haaren von Rindern und Schweinen und von Corticosteron in Federn von Hühnern und Puten erstmals systematisch.“

Läufer-Komfortbucht, u. a. mit mehr Beschäftigungsmöglichkeiten. © Gerd RinasBisher sind zur Stressbestimmung bei Nutztieren Blut- bzw. Speicheluntersuchungen nötig. Die Hypothese der Forscher: Cortisol in den Haaren von Rindern und Schweinen ist ein geeigneter Stressindikator. Bestätigt sich die Annahme, dann könnte dieser Indikator mit deutlich weniger Aufwand für mehr Tierwohl genutzt werden und beitragen, Belastungen der Tiere schneller zu erkennen und abzustellen. Dazu werden unter Praxisbedingungen unterschiedlich belastende Haltungsbedingungen sowie der mögliche Einfluss von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Trächtigkeit oder Haarfarbe auf die Einlagerung des Hormons untersucht. „Bis zu Ergebnissen ist es noch ein weiter Weg“, sagt Winfried Otten. Das von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung geförderte Projekt hat eine Laufzeit bis Ende 2019. „Bis dahin wollen wir aussagefähig sein“, so Otten.

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