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  • 2015.26.08.

Eine Frage der Haltung

Ferkelbonitur © D. Heidemann

Beim ersten Treffen im Juli in Ostercappeln-Schwagstorf, Niedersachsen, tauschten die Netzwerks-Mitgliedsbetriebe Erfahrungen zur Aufzucht aus. Mit dabei waren Dr. Kathrin Naumann (r. ) und Simone Tiedt, Abteilungsleiterin Schweineproduktion (2. v. r.).

Kathrin Naumann macht keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung: „Wir sind mit großen Erwartungen in die Initiative Tierwohl gestartet. Wir haben für 12 000 € mehr Fenster in die Schweineställe eingebaut, zusätzliche Tränktechnik installiert und mehr Beschäftigungsmaterial zur Verfügung gestellt. Als wir im Mai beim Losen um die Teilnahme an der Initiative kein Glück hatten und sowohl in der Sauenhaltung als auch in der Ferkelaufzucht und der Schweinemast weit hinten auf der Warteliste potentieller Nachrücker landeten, war das sehr ärgerlich“, erinnert sich die Geschäftsführerin im Agrarbetrieb Groß Grenz bei Rostock (Bauernzeitung 23/2015, S. 5).  Mittlerweile ist der Betrieb auf den Wartelisten zwar vorgerückt, aber von der Teilnahmeberechtigung immer noch weit entfernt.

Dieser Rückschlag hat an der Grundeinstellung der Landwirte, für mehr Tierwohl in ihrer Schweinehaltung mit 500 Sauen und 6 400 Mastschweinen zu sorgen, aber nichts geändert. Im Gegenteil. „Als das Bundesagrarministerium unter dem Titel ‚Eine Frage der Haltung – Neue Wege für mehr Tierwohl‘ seine Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz veröffentlichte und der Projektträger – die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) – Praxispartner suchte, haben wir uns beworben und dieses Mal mit Erfolg“, berichtet Kathrin Naumann.

Die Vorhaben dienen der Einführung neuer Erkenntnisse der Nutztierwissenschaften in die landwirtschaftliche Praxis. In mehreren Themennetzwerken sind 120 Betriebe aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligt. Der Agrarbetrieb Groß Grenz arbeitet in den beiden Netzwerken Ferkelaufzucht und Schweinemast mit. Im Mittelpunkt steht die Senkung des Risikos des Schwanzbeißens. „Erst im Januar haben Wissenschaftler der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern und Studenten der Agrarfakultät der Universität Rostock bei uns einen Haltungsversuch mit über 600 Schweinen abgeschlossen. Fazit: Durch zusätzliches Beschäftigungsmaterial, Strohraufen und mehr Platz kann das Schwanzbeißen vermindert werden“, so Naumann.   Die Versuchsergebnisse wollen die Landwirte nun in den Netzwerken einbringen.

Beim ersten Treffen im Juli in Ostercappeln-Schwagstorf, Niedersachsen, tauschten die neun Mitgliedsbetriebe mit Experten vom Tierschutzkompetenzzentrum des Forschungsinstituts für biologischen Landbau und des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen Erfahrungen aus. „Es herrschte eine sehr offene Gesprächsatmosphäre, alle Teilnehmer stehen voll im Stoff zur Langschwanzproblematik“, so Kathrin Naumann. „Durch Wissenstransfer, Beratung und fachliche Unterstützung versprechen wir uns weitere Fortschritte. Uns geht es nicht um den Zukunftsstall, sondern um Lösungen, die unter unseren Bedingungen praktikabel sind“, erläutert Kathrin Naumann.

Als erste Anregungen wollen  die Landwirte in der Mast offene Tränken ausprobieren, die Lüftungsanlage optimieren und in einem Flatdeck den Testeinsatz von Luzernehäcksel vorbereiten. Das Projekt geht über drei Jahre. Alle drei bis vier Monate werden sich die Netzwerker in einem Mitgliedsbetrieb treffen. Für den Austausch zwischendurch gründeten sie eine WhatsApp-Gruppe.

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