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  • 30.09.
  • 2015.30.09.

Das Prinzip Hoffnung

Rapsernte © Gerd Rinas

Leben von der Substanz: Wie viele andere Betrieben stützt der Agrarbetrieb Groß Grenz zur Zeit seine Milch- und Schweineproduktion aus Rücklagen und mit Einnahmen aus dem Ackerbau.

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Die Zahlen sind enttäuschend: 26 Cent pro Liter Milch im Juli, 25,5 Cent im August – die schlechten Erzeugerpreise lassen Dr. Kathrin Naumann in diesen Wochen kaum Ruhe finden. „Um rentabel Milch zu produzieren, brauchen wir mindestens 36 Cent. Zur Zeit machen wir bei jedem Liter 9,5 Cent minus – bei 13.000 Litern täglich. Und es ist keine Änderung in Sicht“, so die Geschäftsführerin.

Wie ihre Berufskollegen bundesweit setzen die Landwirte im Agrarbetrieb Groß Grenz alles daran, die Verluste gering zu halten. Doch die Möglichkeiten dazu sind begrenzt. „Unser Betrieb ist durchrationalisiert. Die Produktion ist optimiert, auf unsere Bedingungen zugeschnitten. Das Potential, Kosten zu sparen, ist weitgehend erschöpft“, so Naumann.

Dem Gedanken, die Produktion abzusenken, kann die Geschäftsführerin nichts abgewinnen. „Wenn wir mit weniger Milch den Markt entlasten wollten, damit der Preis anzieht, müssten alle Erzeuger in Europa mitmachen. Das ist illusorisch“, so die Landwirtin. Auch bei den Ausgaben würde die Drosselung der Produktion kaum Vorteile bringen: „Die meisten Kosten würden weiter anfallen.“ Außerdem berge diese Strategie erhebliche Risiken. „Unsere 450 Milchkühe gaben 2013/2014 durchschnittlich über 11.000 Liter pro Kuh. „Bei dieser Leistung weniger zu füttern, kann zu Mangelernährung führen und die Tiergesundheit gefährden“, gibt Naumann zu bedenken.

Andererseits: Die Produktion zu erhöhen, um die Festkosten bei höherer Milchmenge zu reduzieren, sei bei der ohnehin hohen Leistung schwierig und bei dem Überangebot am Markt kontraproduktiv. „Ein Ausweg aus der Krise zeichnet sich für uns nicht ab. Was das 500 Mio. €-Hilfspaket der EU zur Marktentlastung bringen wird, muss man sehen. Von unserer Molkerei erwarten wir zumindest kostendeckende Auszahlungspreise. Um den Absatz anzukurbeln, sind intensive Anstrengungen nötig.“

Dass der Betrieb mit seinen Schweinen seit Monaten ebenfalls kein Geld verdient, spannt die Lage zusätzlich an. Um gegenzusteuern, liegen seit voriger Woche Investitionen auf Eis, darunter der Umbau des Abkalbestalls und der Bau eines zusätzlichen Güllebehälters. „Wir leben von der Substanz und hoffen auf bessere Preise“, so Kathrin Naumanns ernüchterndes Fazit.       

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