• 2015
  • 03.06.
  • 2015.03.06.

Außer Spesen nichts gewesen?

© Kathrin Naumann

Durch zusätzlich eingebaute Fenster fällt mehr Tageslicht in die Ferkelabteile.

Bildergalerie: Außer Spesen nichts gewesen?

Als die Nachricht eintraf, war die Enttäuschung bei Geschäftsführerin Dr. Kathrin Naumann und ihren Mitarbeitern groß. „Der Agrarbetrieb Groß Grenz kann vorerst nicht an der Initiative Tierwohl teilnehmen. Weder in der Sauenhaltung, noch in der Ferkelaufzucht und auch nicht in der Schweinemast. Das ist für uns ein herber Rückschlag“, sagt Kathrin Naumann.
Die Initiative hat bundesweit große Resonanz gefunden. 4 653 Betriebe haben sich angemeldet. „Mit so einem Interesse hatten die Initiatoren offenbar nicht gerechnet. Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels stellten für den Tierwohlfonds in diesem Jahr etwa 50 Mio. € zur Verfügung. Der Betrag reicht nicht aus, um allen teilnahmewilligen Betrieben die in Aussicht gestellten Preiszuschläge zu gewähren. Deshalb entschied ein Losverfahren darüber, wer mitmachen darf. „Wir hatten leider kein Losglück und landeten auf der Warteliste“, berichtet Kathrin Naumann.

 Die Aussichten, das der Betrieb doch noch an der Initiative teilnehmen kann, sind derzeit schlecht. Auf der Warteliste potentieller Nachrücker steht Groß Grenz in der Sauenhaltung auf Platz 749, in der Ferkelaufzucht auf Platz 1 385 und in der Schweinemast auf Platz 2 264. „Auch wenn teilnehmende Betrieben  die mittlerweile angelaufenen, äußerst strengen Überprüfungen nicht bestehen sollten, ist es unwahrscheinlich, dass wir von den hinteren Wartelisteplätzen ins Teilnehmerfeld vorrücken. Die einzige Chance besteht darin, dass der Lebensmittelhandel zusätzlich Geld zur Verfügung stellt“, so Naumann. Danach sieht es aber nicht aus. Für den Agrarbetrieb Groß Grenz läuft es eher auf „außer Spesen nichts gewesen“ hinaus.

12 000 € hat der Betrieb in den vergangenen Monaten in bessere Haltungsbedingungen für Ferkel, Sauen und Mastschweine investiert. Es wurden zusätzliche Fenster in die Ställe eingebaut, eine tiergerechtere Tränktechnik installiert, mehr Beschäftigungsmaterial und Rauhfutter für die Tiere zur Verfügung gestellt. „Jetzt scheint es so zu kommen, wie es zahlreiche Landwirte schon lange befürchtet haben: Wir gehen finanziell in Vorleistung und schaffen die Voraussetzungen zur Teilnahme an der Initiative und bleiben am Ende auf den Kosten sitzen. Und das in einer Situation am Markt, wo nach Abzug aller Kosten die Erzeugerpreise für Schweinefleisch nicht kostendeckend sind“, beschreibt Kathrin Naumann die Lage. Tierschutz und Tierwohl spielten neben der Qualität bei der Herstellung und dem Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren eine immer größere Rolle. „Höhere Standards haben aber ihren Preis. Den können die Landwirte nicht allein finanzieren“, betont die Geschäftsführerin.

comments powered by Disqus

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr