• 2013
  • 31.07.
  • 2013.31.07.

Abschied von Hannibal

Alle reden von der Ernte. Was hat die Gerste gebracht? Wie sind die Hektolitergewichte? Leiter Uwe Müller und seine Jungs in der Pflanzenbauabteilung sind kribbelig. Die Gerste ist vom Halm, jetzt wollen sie in den Raps,  können es aber nicht: Schauer sorgen seit Montag für eine Zwangspause.

Finanzbuchhalterin Christine Woidtke erfasst alle zwei Tage den Ertragszuwachs. Ansonsten geht in ihrem Büro trotz Erntefieber drumherum alles seinen gewohnten buchhalterischen Gang: Rechnungen sind zu buchen. Bis zum 15. des Monats muss die Umsatzsteuervoranmeldung ans Finanzamt raus. Die Dieselsteuerrückerstattung soll auf den Weg gebracht werden. Für die Datei „Planerfüllung“,  seit eh und jeh Kontrollinstrument für erzielte Erträge, verkaufte Tiere, vermarktetes Biogas und erzeugten Strom, sind ständig die neuesten Zahlen einzupflegen. Routinearbeit für Christine Woidtke, die schon im Vorgängerbetrieb LPG Tierproduktion Groß Grenz Buch über die Finanzen führte. Dennoch ist auch sie in diesen Tagen unruhig. Schuld daran ist aber nicht die Ernte­, sondern der Abschied von Hannibal.

Mit dem Datenverarbeitungsprogramm gleichen Namens  hatte sich Christine Woidtke schon vor vielen Jahren angefreundet. Mit Hannibal verwaltet sie Inventar und Saatgut, erfasst Erträge und Leistungen, erstellt Quartalsabschlüsse  und Jahresbilanzen, speichert Geldberichte und Zahlungsverpflichtungen. „Manchmal war es nicht leicht mit Hannibal. Wir mussten das Programm auf unsere Bedürfnisse zuschneiden, handhabbar machen. Dadurch kenne ich es aus dem Effeff“, sagt Christine Woidtke ein wenig wehmütig. Denn mit Hannibal ist demnächst Schluss.

Sein Nachfolger heisst „Datev“. Mit diesem Programm soll künftig auch die Eröffnungsbilanz fürs Finanzamt erstellt werden. „Das wäre auch mit Hannibal gegangen. Aber unser Steuerberater arbeitet schon lange mit Datev. „Damit geht alles leichter“, sagt er. Christine Woidtke hat Zweifel. Als das Programm Ende Mai geliefert wurde, schaute sie hinein, kam aber nicht weit und verbannte es deshalb erst einmal in den Panzerschrank.

Doch die Tage von Hannibal sind gezählt. „Den Monat Juni und das Wirtschaftsjahr 2012/2013 buche ich noch mit dem alten Programm. Ab Beginn des neuen Wirtschaftsjahres im Juli geht es mit Datev los“, sagt Christine Woidtke entschlossen. Mittlerweile hat sie die Unterlagen aus dem Panzerschrank geholt und auf ihrem Schreibtisch deponiert. Jeden Tag zur Ansicht.

Rainer Tschirner hegt keinen Zweifel, dass Christine Woidtke mit dem neuen Softwareprogramm rasch klarkommt. „Sie hat viel Erfahrung und ein unglaubliches Gedächtnis. Einmal fragte ich sie nach einer Meliorationsmaßnahme in Klein Grenz. Wenig später kam sie mit einer Akte aus dem Jahr 1983. Das ist 30 Jahre her!“, so der geschäftsführende Gesellschafter, der noch aus einem anderen Grund große Stücke auf seine Finanzbuchhalterin hält: Als einzige im Unternehmen kann sie die Handschrift des Chefs lesen.

 

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