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  • 2017.01.02.

Kartoffeljahr beginnt im Winter

Spezialsäcke zum vorkeimen von Kartoffeln

In speziellen Säcken aus einem lichtdurchlässigen Gewebe wird das Pflanzgut für den Frühkartoffelanbau vorgekeimt. Bildautor: © Matthias Pitschke

Ende Mai, Anfang Juni will Matthias Pitschke die ersten Frühkartoffeln aus eigener Ernte vermarkten. Die Vorbereitungen auf die Saison beginnen für ihn indes schon jetzt – mitten im Winter. Anfang dieser Woche holte der Landwirt sechs Tonnen zertifiziertes Pflanzgut der frühen Sorte Solist von der Cobbelsdorf-Fläming-Kartoffel Handels GmbH. „Für die Verladung und den Transport der Knollen braucht es aber frostfreies Wetter“, erklärt der 49-Jährige. Die Pflanzgutmenge ist ausgelegt für ca. 2,5 ha Frühkartoffelanbau unter Vlies. Insgesamt erzeugt Pitschke auf etwa 15 ha Kartoffeln.

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Vorkeimen im Lager

Um einen möglichst großen Entwicklungsvorsprung für einen zeitigen Erntestart herauszuholen, keimt er die Pflanzkartoffeln vor. Dazu werden sie aus den Transportboxen in spezielle Säcke aus einem lichtdurchlässigen Gewebe umgefüllt und diese dann in Gestellen aufgehängt. Der beleuchtete Lagerraum wird zunächst für zwei Tage auf 15 °C aufgeheizt, um die relativ keimruhige Sorte Solist in Keimstimmung zu bringen, sie „wach zu machen“, wie der Anbauprofi erläutert. Der Temperaturschub regt zugleich den Stoffwechsel der Knollen an – diese veratmen Wasser, werden weicher und damit stoßunempfindlicher beim Umfüllen und bei der Pflanzung, erklärt der Landwirt weiter.

» Die Säcke mit dem Pflanzgut werden im Kartoffellager in Gestelle gehängt und von allen Seiten mit Neonlicht bestrahlt. Bildautor: © Matthias Pitschke

 

Ab dem dritten Tag verändert er das Lagerregime leicht. Die Säcke mit den Knollen werden nun bei etwa 10 °C Raumtemperatur vier bis fünf Wochen lang rund um die Uhr von allen Seiten mit Neonlicht angestrahlt. Die Kombination aus Licht und Kühle lässt kurze, dicke, eng anliegende Keime wachsen, die relativ widerstandsfähig sind gegenüber mechanischen Belastungen bei der Pflanzung.

Frühestens ab dem 10. März kommen die Knollen in die Erde. Der genaue Termin ist abhängig von Witterung und Bodenzustand. Schließlich müssen die für den Kartoffelanbau vorgesehenen Flächen zuvor gedüngt und die Dämme direkt nach der Pflanzung hochgefräst und mit Vlies abgedeckt werden, erklärt der Diplomlandwirt. Auch brauche es eine gewisse Bodentemperatur für das Wachstum der Mutterknollen, sagt Pitschke. Die Dämme sind bereits im Herbst vorgeformt worden. Das lässt den Boden im Frühjahr durch die größere Oberfläche schneller abtrocknen, die Erde erwärmt sich zudem schneller. „Das Düngen, Pflanzen und Abdecken mit Vlies soll nach Möglichkeit innerhalb von drei Tagen erledigt sein“, rechnet Pitschke vor. Vorausgesetzt, das Wetter passt.

Eisheilige abwarten

» Die Dämme werden direkt nach der Pflanzung der Frühkartoffeln, die Mitte März erfolgt, mit Vlies abgedeckt. Bildautor: © Sabine Rübensaat

 

Mindestens bis zu den Eisheiligen bleibt das Vlies auf den Dämmen. „Bis Mitte Mai gilt es schon, die Nerven zu bewahren“, erklärt der Kartoffelanbauer. Denn bereits ein später Frost könne alle Arbeit zunichtemachen. In Abhängigkeit vom Wachstum der Kartoffelstauden und dem Wetter entscheidet Pitschke dann, wann das Vlies von den Dämmen kommt. Wartet er zulange, kann es unter der Abdeckung zu Verbrennungen an den Pflanzen kommen. Die übrigen Flächen werden dann Anfang/Mitte April normal bestellt mit nicht vorgekeimtem Pflanzgut.

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