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  • 2018.26.01.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten - Rückblick auf 26 Jahre Betriebsgeschichte

Herbst 1991 © privat

Matthias Pitschke im Herbst 1991 als Junglandwirt (2. v. r.) mit seinem Vater Konrad (l.) bei der Herauslösung der Ackerflächen der Familie aus dem Bestand der örtlichen LPG.

Mit 23 Jahren wagte Matthias Pitschke im Herbst 1991, noch vor der Beendigung seines Hochschulstudiums an der Landwirtschaftlichen Fakultät in Halle, den Schritt in die bäuerliche Selbstständigkeit. In der vorigen Woche feierte der Diplomlandwirt seinen 50. Geburtstag – ein guter Anlass, um Bilanz zu ziehen.

Herr Pitschke, welche Erinnerungen haben Sie an ihren Start mit dem Bauernhof in Gerbitz?

Im September 1991 erhielten wir den Bescheid über die Rückübertragung von rund 90 ha Eigentum meines Großvaters, im Oktober wurden die Flächen aus der LPG herausgelöst. Das Ackerland habe ich je zur Hälfte stillgelegt bzw. bestellt. Ende Oktober habe ich den ersten Winterweizen gedrillt – pfluglos, auf knochentrockenem Boden, auf dem es auch noch starke Nachwirkungen eines Herbizides gab, das in den Zuckerrüben davor eingesetzt wurde. Meine erste Ernte war mit nur rund 30 dt/ha Ertrag miserabel.

Würden Sie Ihre Entscheidung, den Betrieb wiedereinzurichten, heute noch einmal so treffen?

Generell schon, ja. Allerdings war der Neubeginn auf dem völlig heruntergewirtschafteten Hof für mich ein Kulturschock. Alle Gebäude waren verschlissen. In den Ställen standen zuletzt Schweine. Die anfänglichen Bedingungen zum Leben und Arbeiten waren – im Gegensatz zu denen, die ich aus meinem Heimatort Cobbelsdorf kannte – heftig. In unguter Erinnerung geblieben ist mir zudem die erste Begegnung mit den Verantwortlichen der LPG.

« Bild links: Unternehmer Matthias Pitschke im Sommer 2017 auf einem modernen Ackerschlepper.

Sie können inzwischen selbst auf eine 26-jährige Betriebsgeschichte zurückblicken. Was ist Ihnen dabei besonders positiv in Erinnerung geblieben und woran denken Sie nur ungern zurück?

Die mit der Wiedervereinigung verbundene Chance, wieder Bauer auf eigener Scholle sein zu dürfen und die Familiengeschichte fortschreiben zu können, war wohl einmalig und hat mich getragen. In den ersten zehn, fünfzehn Jahren habe ich dank relativ unbürokratisch zu erlangender Förderung den Hof wieder auf Vordermann bringen und eine große Halle bauen können. Damals hatten wir noch eine andere Politik. Es war politischer Wille, das Land an die Bauern zurückzugeben und die bäuerlichen Höfe besonders zu unterstützen.

Inzwischen hat es einen Paradigmenwechsel gegeben. Heute heißt es nur noch: groß, größer, am größten. Die Politik ist plan- und ziellos geworden. In negativer Erinnerung habe ich die Jahre mit schlechten Ernten und ungünstigen Witterungsbedingungen für den Ackerbau. Am Anfang habe ich viel Lehrgeld gezahlt, bis ich mit den Besonderheiten des Standortes und den damals neuen Betriebsmitteln, zum Beispiel im Pflanzenschutzbereich, klarkam.

Was wünschen Sie sich persönlich und für Ihren Berufsstand für die Zukunft?

In der Agrarpolitik muss wieder ein anderer Stil her. Es muss Politik gemacht werden für die Landwirte sowie die Menschen im ländlichen Raum und nicht nur zum Selbstzweck. Wir brauchen Entscheidungen, die auf sachlicher, fachlicher Basis beruhen, und nicht solche, die zuvorderst von ideologischen Ansichten geprägt sind. Außerdem muss unbedingt Bürokratie abgebaut werden, damit wir unsere eigentliche Arbeit auf dem Feld und im Stall machen können und nicht Unmengen an Zeit am Schreibtisch vergeuden. Und es muss schnellsten etwas an der Infrastruktur auf dem Lande getan werden. Es kann nicht sein, dass sämtliche Antrags- und Dokumentationsverfahren nur noch online geführt werden können, es aber vielerorts auf den Dörfern am schnellen Internet fehlt.

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