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  • 2017.30.08.

Düstere Aussichten für Weizenanbau

© Detlef Finger

Der neue Winterraps kam im Betrieb von Matthias Pitschke in der vorigen Woche auf rund 90 ha in den Boden. Mitarbeiter André Stephan drillt hier auf einem Schlag bei Borgesdorf.

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Die Druschfruchternte ist bei Matthias Pitschke sehr bescheiden ausgefallen. Die Wintergerste lag mit etwa 60 dt/ha Ertrag unter dem langjährigen Mittel. Der Winterweizen verfehlte mit lediglich 55 dt/ha im Betriebsdurchschnitt den Normalertrag deutlich. „Ich ernte sonst auf dem 80er Löß um Gerbitz 80 Doppelzentner und mehr“, sagt der Diplomlandwirt. Auf den leichteren Böden um Sachsendorf waren es gar nur 35 bis 50 dt/ha Weizen. Und auch der Raps, der sonst gut 40 dt/ha bringt, enttäuschte mit 18 bis 34 dt/ha bzw. knapp unter 30 dt/ha im Schnitt auf der ganzen Linie.

„Diese Ernte kann man getrost ganz schnell vergessen“, fasst der Betriebsleiter zusammen. „Unter Berücksichtigung von Aufwand und Ergebnis ist es die bislang schlechteste in unserer Betriebsgeschichte“, resümiert der 48-Jährige. Schon die beiden vorangegangenen Ernten waren nur Durchschnitt und aus betriebswirtschaftlicher Sicht „Nullnummern“.

Die Getreidepreise zur Ernte sind gegenüber 2016 tendenziell sogar rückläufig. Hinzu kommen Abzüge für Trocknungskosten, Reinigungsschwund und geringere Hektolitergewichte, die sich auf bis zehn Euro pro Tonne summieren. „Bei 15 bis 16 Euro pro Dezitonne Weizen und guten Kornqualitäten wären im Normalfall wenigstens die Kosten gedeckt“. Bei Auszahlungspreisen von letztlich etwa 14 €/dt und nur gut 50 dt/ha Ertrag sei daran gar nicht zu denken, überschlägt Pitschke. Erlöse von rund 700 €/ha reichten gerade einmal für Pacht und Saatgut. Angst und bange wird dem erfahrenen Praktiker, wenn er an die nun greifende Umsetzung der neuen Düngeverordnung denkt: „Was soll dann noch bei Erträgen und Qualitäten herauskommen?“ Es sei mittlerweile schon unter normalen Bedingungen schwierig, den Weizenanbau rentabel zu betreiben. Die Kosten steigen stetig, die Auflagen sind inzwischen extrem hoch und die Erzeugererlöse schlecht. „Früher kostete eine Schlepperdurchsicht 500 Euro, heute sind wir schon bei 3 000 Euro“, bringt Pitschke ein Beispiel. Hinzu kommt die überbordende Bürokratie. „Da macht das wirtschaften keinen Spaß mehr.“

Erfreulich sind bislang die Kartoffelerträge. Doch auch hier hatte der Landwirt, der seine Knollen ausschließlich direktvermarktet, schon ein Negativerlebnis: Eine Handelskette bot das 7,5-kg-Gebinde Kartoffeln für 99 Cent an. „Das sind 13 Cent pro Kilo für den Endverbraucher. Das ist doch nicht mehr normal“, ist Pitschke fassungslos. Allein die Kosten für Produktion und Abpackung lägen bei ihm schon deutlich darüber. „Solche Offerten zeigen die Verantwortungslosigkeit von Handel und Abpackern gegenüber den Erzeugern.“ Dem Verbraucher werde auf diese Weise suggeriert, Lebensmittel sind nichts wert. „Das System ist völlig krank“.

In der vorigen Woche kam bei Pitschke die neue Rapssaat in die Erde, dieser Tage werden die übrigen Stoppelflächen „schwarz gemacht“. Nächste Woche beginnt die Rodung der Kartoffeln für die Einkellerung.

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