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Verzicht auf die Zucht

© Detlef Finger

Zuchtläufer in der Agrargenossenschaft Löberitz. Der Betrieb hat seinen Sauenbestand bislang selbst remontiert. Nun soll die Ferkelproduktion aus Kostengründen aufgegeben werden.

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Vorstand und Aufsichtsrat der Agrargenossenschaft Löberitz haben vor kurzem nach langer und eingehender Überlegung beschlossen, die Schweinehaltung des Unternehmens umzustrukturieren. Vom geschlossenen System soll nur die Mast bleiben. Über 2 000 Mastplätze verfügt der Betrieb. Die Sauenhaltung zur Ferkelproduktion wird derzeit heruntergefahren, sie soll zum Jahresende vorerst eingestellt werden. Am 10. August wurden in der Anlage letztmalig Sauen besamt.

„Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, aber sie war aus betriebswirtschaftlicher Sicht einfach notwendig geworden“, begründet Vorstandsvorsitzender Thomas Külz diesen Schritt. Bei den niedrigen Preisen für Schweinefleisch und Ferkel, die aktuell bei durchschnittlich 1,37 Euro je Kilo Schlachtgewicht bzw. 37 Euro je Ferkel liegen, habe der Betriebszweig vor allem in den vergangenen beiden Jahren Verluste in Größenordnungen eingefahren. „Daher mussten wir reagieren, zumal die Preismisere anhält und kein Ende abzusehen ist.“

Das Borstenvieh sei schon immer ein schwieriges Pflaster wegen des Auf und Ab der Preise im Schweinezyklus gewesen, weiß Külz aus Erfahrung. Momentan zeige die Erlöskurve stetig nach unten. Gesamtbetrieblich sei die Agrargenossenschaft Löberitz durch die guten Ernten der beiden Vorjahre bei den Marktfrüchten – gleichwohl bei ebenfalls relativ niedrigen Preisen – zwar im „grünen Bereich“. Nichtsdestotrotz sei dieser Einschnitt nun notwendig geworden. „Es ist aber eine einzelbetriebliche Entscheidung“, unterstreicht der Betriebsleiter. „Und wir können aufhören.“ Auf der Anlage lägen weder Kredite noch Fördermittel. Andere seien gezwungen, weiterzumachen.

Die Genossenschaft will nach Möglichkeit an den Schweinen festhalten, bekräftigt der Vorstandschef. Es gehe darum, Arbeitsplätze und vorhandenes Know-how zu erhalten, Produktionsanlagen sinnvoll zu nutzen und die Gülle als wichtiges Substrat für die betriebseigene Biogasanlage bzw. die Gärreste als Wirtschaftsdünger im Pflanzenbau zur Verfügung zu haben.

Külz ist sich im Klaren darüber, dass auch die Mast bei den derzeit äußerst schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen defizitär bleiben wird: „Unser Ziel ist es, die Kosten zu reduzieren und die Verluste zu minimieren.“ Daher trenne man sich vorerst von der kostenintensiveren Zucht. Die benötigten Mastferkel sollen künftig in der Region zugekauft werden.

Erst voriges Jahr hatte die Agrargenossenschaft Löberitz, die ihren Sauenbestand selbst remontiert, auf BHZP-Genetik umgestellt. Die Erfolge stellten sich nach und nach ein, ergänzt Anlagenleiter Andreas Buhl. 25 bis 26 Ferkel pro Sau und Jahr werden aufgezogen. Mit Blick auf immer höhere Tierwohlvorgaben gibt er andererseits zu bedenken, mehr Platz je Schwein erfordere eine Reduzierung des Bestandes. Damit steigen wiederum die Stückkosten. Mithin drehe man sich hier im Kreis.

Anfang Dezember ferkeln in der zuletzt 2013/2014 auch wegen neuer Haltungsvorgaben komplett modernisierten Anlage die letzten Sauen ab. Der Sauenbereich mit seinen 300 Plätzen soll danach unverändert bleiben, so dass die Zucht jederzeit wiederbelebt werden kann, sagt Külz.

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