• 2014
  • 23.06.
  • 2014.23.06.

Keine Chance für Schosser

© Detlef Finger

Produktionsleiter Andreas Hänsch (r.) mit seinen Kollegen aus dem Feldbau der Agrargenossenschaft Löberitz. Sieben bis zehn Mitarbeiter laufen die Rübenschläge im Team ab.

Zur Bildergalerie: Keine Cahnce für Schosser

Der Schlag an der Zörbiger Straße bei Löberitz war am Freitagmorgen voriger Woche Treffpunkt für Pflanzenbauchef Andreas Hänsch und sieben seiner Kollegen aus der Feldbauabteilung der Agrargenossenschaft Löberitz. Wie schon an den Tagen zuvor auf anderen Zuckerrübenflächen des Betriebes durchkämmten die Landwirte die Schläge nach Unkraut- und Schosserrüben, um diese aus den Beständen zu entfernen. Ziel ist es, ein Aussamen dieser Pflanzen zu verhindern. Gleichzeitig wurde größeres Unkraut, das bei den Herbizidmaßnahmen nicht erwischt wurde, ebenfalls beseitigt.

Arbeit für die Morgenstunden

„Kurz vor dem Reihenschluss der Rüben sind wir die Schläge zum ersten Mal abgelaufen“, sagt Andreas Hänsch. Das war vor etwa 14 Tagen. Inzwischen sind die Rüben auf insgesamt rund 160 Hektar Fläche ein zweites Mal kontrolliert. Später, bis Ende Juli etwa, soll noch ein dritter Durchgang folgen, so der Produktionsleiter. Da diese Tätigkeit anstrengend ist und auch andere Arbeiten zu erledigen sind, bleibt das Rübenziehen auf die zwei, drei Stunden vor der Frühstückspause begrenzt, zumal dann die Temperaturen selbst an heißen Tagen noch einigermaßen erträglich sind.

Wie Hänsch erklärt, stammen die vereinzelt in den Reihen stehenden Schosserrüben aus dem in diesem Frühjahr ausgesäten Rübensaatgut. Die Unkrautrüben, die sich aus den Samen von Schossern vorangegangener Jahre entwickelt haben, stehen dagegen meist nesterweise und auch zwischen den Reihen. „Eigentlich ist die Zuckerrübe eine zweijährige Pflanze“, erläutert der Diplomagraringenieur. Dennoch könne es vorkommen, dass einzelne Exemplare aufgrund eines Temperaturreizes oder aus anderen Gründen schon im ersten Jahr in die generative Phase übergehen und Samen bilden.

Riesiges Samenpotenzial

„Das Aussamen müssen wir unbedingt verhindern“, betont Hänsch. Anderenfalls würde sich das Samenpotenzial im Boden sprunghaft erhöhen. Bis zu 2.000 Samen und mehr kann eine einzige Rübenpflanze ausbilden, die bis zu zehn Jahre im Boden überdauern können. Derart verseuchte Flächen wären für den Anbau von Zuckerrüben nicht mehr nutzbar. „Die rübenfähigen Böden sind bei uns begrenzt, sie umfassen nur etwa 20 Prozent unseres Ackerlandes“, rechnet der Landwirt vor. Um die notwendigen Anbaupausen von vier, fünf Jahren einhalten zu können, werden im Betrieb zum Teil Grenzertragsflächen mit 30 bis 35 Bodenpunkten mit den Hackfrüchten bestellt. „Bei guter Wasserversorgung sind aber auch dort bis 500 Doppelzentner Ertrag erreichbar“, sagt Hänsch. Würden die samentragenden Rübenpflanzen nicht entfernt, wären Ertrags- und Qualitätseinbußen die Folge. Außerdem erschwert sich die Rübenernte und steigt der Besatz in den Rübenmieten. Darüber hinaus könnten die Unkrautrüben als Wirtspflanzen Krankheiten und Schädlinge übertragen.

Mit Maschine nicht bekämpfbar

Die Agrargenossenschaft hat eine neunreihige Hackmaschine, die als Frontgerät an den Schlepper angebaut und über die Lenkung des Traktors mit gesteuert wird. Mit diesem Gerät werden vor allem die Anschlüsse an Vorgewenden und Schlagecken, wo ein Überdrillen der Rübenreihen bei der Aussaat unvermeidlich ist, sowie besonders gefährdete Areale bearbeitet. Die Hackmaschine erfasst indes nur die Unkrautrüben zwischen den Reihen, nicht die Schosser innerhalb der Reihe. So bleibt das Entfernen solcher Rübenpflanzen mit angelegtem Samenstand nach wie vor Handarbeit.

Wichtig ist, dass derlei Rübenpflanzen vor Blühbeginn der Garaus gemacht wird. Dann können die herausgezogenen Pflanzen im Bestand verbleiben. „Zur Sicherheit brechen wir den Stängel mehrfach, um den Saftstrom zum Samenstand zu unterbrechen und das Abtrocknen der Pflanzen zu befördern“, sagt Andreas Hänsch. Sind die Samen bereits entwickelt, müssten die Pflanzen aus dem Bestand herausgetragen werden. Der Arbeitsaufwand wäre mithin noch viel höher.

Detlef Finger

comments powered by Disqus

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr