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Biostrom aus Gülle und Mais

Uwe Hesse © Agrargenossenschaft Löberitz

Für den Betrieb und die Wartung der Biogasanlage der Agrargenossenschaft Löberitz ist Uwe Hesse verantwortlich.

» Biostrom aus Gülle und Mais

Die Agrargenossenschaft Löberitz ist ein sehr breit aufgestelltes landwirtschaftliches Unternehmen. Neben dem Marktfrucht- und Futterbau, der Aufzucht von Milchrindern sowie der Haltung von Fleischrindern und Schweinen gehört auch die Erzeugung von Biogas zu den betrieblichen Standbeinen.

Zusammen mit drei Partnern investierte die Genossenschaft vor einigen Jahren rund drei Millionen Euro in den Bau einer 600-kW-Biogasanlage samt Siloanlage für die Lagerung von Maissilage mit einem Fassungsvermögen von 9.000 Tonnen am Standort Löberitz. Die Tochtergesellschaft, an der die Agrar eG 55 % der Anteile hält, firmiert unter dem Namen BIOgasfarm GmbH Projekt Löberitz.

Der Silomais von 200 Hektar Anbaufläche als pflanzlicher Rohstoff und die in der benachbarten Schweinehaltungsanlage der Agrargenossenschaft anfallende Gülle sind die Hauptgärsubstrate für die Methangaserzeugung. „Die Anlage wird täglich mit etwa 24 Tonnen pflanzlicher Biomasse sowie mit 13 Tonnen Gülle beschickt“, erklärt Vorstandsvorsitzender Thomas Külz. Neben Mais und Gülle kommen in geringerem Umfang Roggenkorn sowie betriebseigener Stallmist aus der Rinder- und Schweinehaltung zum Einsatz.

Die Anlage hat im Vorjahr insgesamt rund 4,8 Millionen Kilowattstunden Strom produziert, das Blockheizkraftwerk (BHKW) bringt es jährlich auf über 8.000 Betriebsstunden. Für den Biostrom erhält die Agrargenossenschaft eine feste Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 2009. Neben dem Nawaro-Bonus (für die Nutzung nachwachsender Rohstoffe) gibt es für das Unternehmen auch den Zuschlag für die Gülleeinsatz (dazu muss deren Anteil im Jahresdurchschnitt mindestens ein Drittel der Gärsubstratmenge ausmachen) sowie den KWK-Bonus (Kraft-Wärme-Kopplung) für die Nutzung der bei der Gasverstromung im BHKW anfallenden Abwärme.

Diese wird für das Beheizen der Schweineställe und der Sozialräume sowie die Warmwasserbereitstellung eingesetzt. Ein geringerer Teil der Abwärme dient derzeit auch der Trocknung von Getreide, das auf speziellen Anhängern von der Warmluft durchströmt wird. Künftig soll die Abwärme aus der Biogaserzeugung im Sommerhalbjahr in einer stationären Getreidetrocknung genutzt werden, die die Agrargenossenschaft derzeit in einer Lagerhalle auf der der Schweineanlage gegenüberliegenden Straßenseite einrichtet. In dieser Anlage soll das Druschgut in der Erntekampagne gereinigt und gegebenenfalls auch getrocknet werden. Das bei der Abreinigung anfallende Gut (Besatz, Bruchkorn und Schmachtkorn) soll dann ebenfalls in der Biogasanlage verwertet werden.

Für die Biogasanlage der Agrargenossenschaft Löberitz ist Uwe Hesse verantwortlich. Er sorgt für die Beschickung der Fermenter mit den entsprechenden Gärsubstraten, überwacht den ordnungsgemäßen Betrieb der Anlage und kümmert sich auch um deren Wartung und Pflege. Dafür wendet er zirka 70 % seiner Arbeitszeit auf, schätzt Vorstandschef Thomas Külz ein.

Mit dem Stromnetzbetreiber Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH (Mitnetz Strom), einer 100-prozentigen Tochter des regionalen Energiedienstleisters envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM), hat die Agrargenossenschaft Löberitz im Übrigen einen Zusatzvertrag zur Stromeinspeisung abgeschlossen, wie der Betriebsleiter informiert. Bei einem Überangebot an Energie, etwa in Zeiten eines hohen Aufkommens an Windstrom aus Windkraftanlagen, wird die Biogasanlage per Fernsteuerung vom Netzbetreiber gedrosselt. Für das Vorhalten dieser flexiblen Einspeisung im Bereich von 350 bis 600 Kilowattstunden erhält der Agrarbetrieb einen Zuschlag.

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