Thomas Essig, Landesvorsitzender der DLW und Bauer aus der Mark. (c) Thomas Essig

Landwirte-Partei DLW darf zur Landtagswahl antreten

Die neue Partei Land-Wirtschaft-Deutschland (DLW) setzt sich für die Interessen der Landwirte, des Mittelstands und der ländlichen Räume ein. Sie ist zur Landtagswahl zugelassen. Interview mit dem Landesvorsitzenden Thomas Essig zu den politischen Zielen der DLW in Brandenburg.

Die Fragen stellte Heike Mildner

Mit Deutsch-Land-Wirtschaft (DLW) hat sich in Brandenburg eine Partei gegründet, die in erster Linie die Interessen der Landwirte, des Mittelstands und der ländlichen Räume vertreten und deutschlandweit aktiv sein will. Vergangenen Donnerstag (4. 7.) entschied der Landeswahlausschuss, dass die DLW als politische Vereinigung zur Landtagswahl wahlvorschlagsberechtigt ist. Dazu musste sie neben der Wahlanzeige ihre Satzung und ihr Programm sowie einen Nachweis über die satzungsgemäße Bestellung des Landesvorstandes einreichen. Wir sprachen mit Thomas Essig, ihrem Landesvorsitzenden.

Mancher kennt Sie als „Bauer aus der Mark“, der für den Land schafft Verbindung Brandenburg e. V. Öffentlichkeitsarbeit macht, der redet und schimpft, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Seit Mitte Juni sind Sie Vorsitzender des Landesverbandes der neuen Partei Land-Wirtschaft-Deutschland (DLW). Werden Sie jetzt den Tonfall ändern?
Warum sollte ich. Das Eine ist Passion, das Andere empfinde ich als eine politische Notwendigkeit. Aber ich bin, wie ich bin, und das nennt man wohl authentisch. Kennen Sie noch Regine Hildebrandt? Das war eine Politikerin – der blanke Wahnsinn! So kann Politik funktionieren: Nicht um den heißen Brei reden, sondern geradeaus und so, dass es jeder versteht. Kein Absondern von politischen Wortgebilden, die niemand versteht. Ich erinnere mich an „Resilienz“ oder Wortgeflechte mit Anglizismen, die meine Generation und Ältere kaum verstehen.

Landtagswahl: Gründung einer eigenen Partei

Die Nachrichten der vergangenen Wochen überschlugen sich: Gründung der Partei, Wahlprogramm, Landesliste – ist das nicht alles etwas überstürzt?
Was die Landtagswahl in Brandenburg am 22. September betrifft, hätten wir sicher zwei Monate früher starten sollen. Aber die Erkenntnis, dass wir durch die Demos in Berlin nicht viel erreicht haben, musste erstmal ankommen. Inzwischen ist aber nicht mehr zu übersehen: Die Interessen der Landwirte und auch der Mittelständler im ländlichen Raum sind bei den anderen Parteien immer nur ein Anhängsel, von dem man sich leicht trennt, wenn es ums Eingemachte geht. Darum haben wir uns entschlossen, eine eigene Partei zu gründen, bei der diese Dinge ganz vorn stehen. Auch Rentner, Pfleger, Ärzte und Lehrer oder andere unterschätzte Berufsgruppen werden schnell vergessen.

Nach der Rede von Christian Lindner: Austritt aus der FDP

Zur Bundestagswahl 2021 sind Sie in Ostprignitz-Ruppin noch für die Freien Demokraten (FDP) in den Ring gestiegen …
Ja, und nach der Rede von Christian Lindner auf der Demo im Januar vorm Brandenburger Tor bin ich ausgetreten. Diese Politik ist nicht meine Politik und sie vertritt nicht meine Interessen. Auch nicht, was die Außenpolitik und konkret den Ukrainekrieg angeht. Die DLW wird sich für Frieden und entsprechende Verhandlungen einsetzen, für den diplomatischen Weg. Wir hatten doch einmal gute Diplomaten in Deutschland… So denke ich an Willi Brandts Kniefall von Warschau oder Helmut Schmidt in Güstrow oder die Außenminister Genscher und Kinkel. Und wenn über den Beitritt der Ukraine zur EU geredet wird, sollte man nicht ignorieren, dass etwas mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Ukraine im Besitz ausländischer Investoren ist.

Zurück nach Brandenburg: Was stört Sie an der Landespolitik, was will die DLW anders machen?
Wenn konstruktive Vorschläge gemacht werden, sollten sie nicht einfach abgelehnt werden, nur weil sie aus der falschen Ecke kommen. Das kann nicht sein, das führt in die Ausweglosigkeit. Wir wollen Politik für die Mitte der Gesellschaft und nicht für Ideologien und Parteienkonstrukte.

„Hauptberuflich bin ich als All-round-Handwerker unterwegs“

Die regenerative Landwirtschaft sieht die DLW laut ihrem Programm als Königsweg zwischen konventionell und Bio, außerdem will sie die „Natur ideologiefrei schützen“. Wo steht der „Bauer aus der Mark“ diesbezüglich?
Ich habe meine 55 Hektar 2018 auf Bio umgestellt, baue Marktfrüchte an und mache Saatgutvermehrung. Inzwischen betreibe ich den Betrieb im Nebenerwerb, weil auch die viel gepriesene und auch von der Gesellschaft geforderte Ökovariante auf 55 Hektar die Familie nicht ernährt. Mit Bio ist das manchmal schwierig: Im Juni zum Beispiel war ich stolz auf meine zehn Hektar Senf zur Vermehrung. Als ein paar Tage später der Gutachter kam, waren 80 Prozent von Blattrandwespen weggefressen. Sowas hab ich auch noch nicht erlebt. Hauptberuflich bin ich als All-round-Handwerker unterwegs: vom Fliesenlegen bis zur Betreuung von Biogasanlagen.

Und jetzt noch Parteivorsitzender, geht das denn rein zeitlich?
Muss. Wie gesagt, ich sehe die Notwendigkeit. Wir Landwirte müssen politisch was erreichen, damit sich im Land etwas bewegt.

„Frauen sind in der DLW willkommen“

Auf dem Vorstandsfoto der DLW ist keine Frau. Absicht?
Nein, natürlich nicht. Frauen sind in der DLW willkommen, wenn sie sich mit unserem Programm identifizieren und sich einbringen wollen. Aber eine Quote wird es in der DLW nicht geben. Dabei haben wir das Caos der Frauenquote im Bundestag im Blick.

Die DLW tritt zur Landtagswahl als Wählervereinigung an, nicht als Partei. Wo steht die DLW, was ist die nächste Hürde?
Wir haben für die Anerkennung als Partei auf die Schnelle nicht genug Mitglieder bekommen, auch wenn es täglich ein paar mehr werden. Wir haben die Landeswahlliste mit 14 Namen abgegeben. Als nächstes müssen wir dann bis August 2.000 Unterstützerunterschriften sammeln. Und wir haben uns vorgenommen, in jedem der 44 Wahlkreise wollen wir nach Möglichkeit mit einem Direktkandidaten präsent sein.

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Gründungsmitglieder der DLW: Sören Michele, Benjamin Meise, Thomas Essig, Peter Schollbach, Roland Straßberger und Armin Rathjen (v. l.) (c) DLW
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