Vor den neuen Ställen: Jeremy Krause und seine Chefs Christian Rußig und Frank Groß von der Agrargenossenschaft Ranzig (v. l.). (c) Heike Mildner

Agrargenossenschaft Ranzig: Neuer Praxispartner setzt auf die Milch

Unser neuer Praxispartner in Brandenburg ist die Agrargenossenschaft Ranzig im Landkreis Oder-Spree. Die Milchproduktion gehört seit Gründung der Genossenschaft vor 30 Jahren fest zum Konzept, genau wie die Direktvermarktung, mit der sich Ranzig schon vor der Wende einen Namen gemacht hat.

Von Heike Mildner

Am Ortsnamen kommt man nicht kommentarlos vorbei, klingt er doch aufs Erste wenig einladend nach verdorbenem Fett. Dabei geht der Name des 350-Einwohner-Dorfes auf ein wendisches Wort zurück und bedeutet wohl so viel wie „Ort, an dem es Raben gibt“. Bei unserem Antrittsbesuch in der Agrargenossenschaft Ranzig sind wir allerdings nicht Raben, sondern Milchkühen auf der Spur. Irgendwo muss man bei einem so breit aufgestellten Betrieb mit 83 Angestellten, 1.357 ha (durchschnittliche Ackerzahl 26), Rindern, Schweinen, Fleischerei und Direktvermarktung ja anfangen!

Von der Melkerin zur Herdenmanagerin

Vor der Milchviehanlage in Stremmen, fünf Autominuten nordöstlich von Ranzig, treffen wir Kerstin Kappel, die sich nach einer quasi 24-Stunden-Schicht gerade auf den Heimweg machen will. Für die monatliche Milchleistungsprüfung hat die Herdenmanagerin Proben der jeweils drei Melkdurchgänge der 650 Milchkühe genommen und dokumentiert. Vor sechs Jahren habe sie als Melkerin in Ranzig angefangen und immer mehr Verantwortung übernommen.

Demnächst könne sie sich die mit Jeremy Krause teilen, der in diesem Jahr ausgelernt und ein Händchen für die Rinder habe. Jeremy hat in Ranzig nicht Tier- sondern Landwirt gelernt. Die Ausbilder haben seinen „Kuhverstand“ entdeckt und ihm den Weg zum Herdenmanager schmackhaft gemacht.

Ausbildung: Wachsames Auge für talente

Dem Fachkräftemangel begegnet man mit derzeit fünf Auszubildenden und einem wachsamen Auge für Talente. Schon in der Ausbildung durchlaufen alle Lehrlinge alle Bereiche der Agrargenossenschaft, sodass sie ein Gefühl fürs Ganze bekommen und Richtungswechsel möglich werden, die den eigenen und/oder den betrieblichen Bedürfnissen entgegenkommen.

Zufällig treffen wir Paul Link und Florian Huschke bei den Kühen. Sie sind im zweiten Ausbildungsjahr, der eine lernt Landwirt, der andere absolviert ein duales Studium. Sie haben sich gerade sehr genau die Milchkuh 299 angesehen, sich über ihre Eigenschaften ausgetauscht und Arbeitsblätter ausgefüllt: Tierbeurteilung für die Zwischenprüfung, angeleitet von Raja Beierlein vom Ausbildungsnetzwerk Landwirtschaft Oder-Spree.

Top-Plätze im Milchviehbetrieb-Ranking

Über Platz sechs in der aktuellen Top-100-Rangliste der besten ganzjährig geprüften Milchviehbetriebe in Brandenburg sind die Ranziger, allen voran Christian Rußig, Leiter der Tierproduktion, unzufrieden. Darf man mit 11.360 kg bei 4,22 % Fett und 3,47 % Eiweiß unzufrieden sein? Es ist eben immer die Frage, woher man kommt. Die Agrargenossenschaft Ranzig kommt mit 12.036 kg von Platz zwei im vergangenen Prüfjahr und spielt eigentlich immer ganz oben mit. Darum das Zähneknirschen.

Dabei gibt es eine schlüssige Erklärung: Kühe lieben Ruhe, am besten jeden Tag denselben Trott. Baulärm und Umzieherei lieben sie ganz und gar nicht. Der ließ sich beim Entkernen der drei alten Ställe allerdings nicht vermeiden. Abkalbe- und Reproduktionsbereich wurden im vergangenen Jahr komplett neu und tierwohlgerecht gestaltet: Es gibt jetzt Fress-, Sauf-, Ruhe- und einen Behandlungsbereich, die Tiere sind in Kleingruppen zusammen und haben ihre Ruhe vor dem Abkalben.

1,2 Mio. Euro Investitionen fürs tierwohl

Tierbeobachtung und Arbeit mit dem Tier hätten sich mit dem Umbau deutlich verbessert, die Totgeburtenrate habe sich halbiert, sagt Christian Rußig. Vor den Ställen wurden gleich noch die Betonflächen erneuert, die Mistplatte saniert, kurz: 1,2 Mio. Euro in Tierwohl investiert, 40 % davon kamen vom Land. Investieren in solchen Zeiten? Gerade!, sind sich Vorstand Frank Groß und Christian Rußig einig.

Die Milchproduktion gehört seit Gründung der Genossenschaft vor 30 Jahren fest zum Konzept, genau wie die Direktvermarktung, mit der sich Ranzig schon vor der Wende einen Namen gemacht hat. Und ganz so schlecht ist der Milchpreis gerade nicht: Bei 38,5 ct Grundpreis komme man mit Aufschlägen an die 40 ct/kg, so Groß. Allerdings seien auch die Futterkosten gestiegen. Verarbeitet wird die Milch 150 km südlich von Ranzig im sächsischen Leppersdorf. Acht Mitarbeiter teilen sich die zwei Schichten im 36er-Melkkarussell, beim Füttern und im Kälberstall.

Futter gefällig? Geselle Carlo Baller schiebt es ran
Futter gefällig? Geselle Carlo Baller schiebt es ran. (c) Heike Mildner

Niederschlag in Ranzig – typisch Brandenburg

Apropos Futter: Wie groß die regionalen Unterschiede bei der Maisernte in Brandenburg waren, zeigt sich in Ranzig: Statistisch gesehen lag sie im Land deutlich über dem Durchschnitt, in Ranzig mit 280 dt/ha sogar 70 dt unter dem Betriebsdurchschnitt der vergangenen Jahre. Der erste war der einzige gute Schnitt 2021: Ackergras und Luzerne satt. Dann war Sense wegen Trockenheit. Diesbezüglich hoffen die Ranziger in diesem Jahr auf viel Wasser von oben, denn um den Ort herum gibt es genug davon: die Spree und mehrere Seen. Insofern ist es hier typisch Brandenburg: wasserreich und niederschlagsarm.


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