Auch heute noch ist beim Imbiss am Berliner S-Bahnhof Schönhauser Allee/Ecke Dänenstraße, die kultige Ketwurst zu haben. (c) Thomas Uhlemann

Die Ketwurst – sozialistische Antwort auf den Hotdog

Erinnern Sie sich noch an die Ketwurst? Sie war die sozialistische Antwort auf den Hotdog. Und schnell eroberte sie die kulinarischen Herzen – und das bis heute. Zum 100. Geburtstag des HotDogs, haben wir und das Pendant aus der DDR-Küche nochmal genau angeschaut – und probiert!

Von Bärbel Arlt

Die Ketwurst erblickte 1979 das Licht der Welt. Entwickelt wurde sie im „Rationalisierungs- und Forschungszentrum Gaststätten, Hotels und Gemeinschaftsverpflegung“. Auf der Messe der Meister von Morgen wurde sie vorgestellt und das Entwicklerkollektiv erhielt im Mai 1979 für das Exponat „Versorgungslösung Ketwurst“ eine Urkunde. Über die Imbisstheke ging der ostdeutsche Hotdog dann vor allem in Berlin, wo manche junge Burschen sogar Ketwurst-Wettessen veranstaltet haben sollen. Doch wie kam es überhaupt zur Ketwurst?

Mit ihrer Hilfe sollte die Schnellvervorgung der DDR-Bevölkerung vor allen in den großen Städten verbessert und die nach Westen gerichteten kulinarischen Konsumwünsche erfüllt werden. Und so wurde versucht, erfolgreiche Imbissangebote wie Hotdog, Hamburger und Pizza nachzuahmen. Nur so heißen durften sie nicht. Deshalb wurde der Hotdog zur Ketwurst, der Hamburger zur Grilletta und die Pizza zur Krusta. Doch sie hießen nicht nur anders, sie schmeckten auch anders, was dem kulinarischen Erfolg keinen Abbruch tat.

Aufs Brötchen kommt es an

Wie die Ketwurst wurden auch Grilletta und Krusta im „Rationalisierungs- und Forschungszentrum Gaststätten, Hotels und Gemeinschaftsverpflegung“ in Berlin entwickelt. Allerdings, so erzählt auf YouTube der ehemalige Gaststättenleiter vom Berliner Fernsehturm, gab den Ausschlag für das Hotdog-Pendant Ketwurst ein Besuch junger Forscher der „Erfinderwerkstatt“ in Budapest: Hotdog – das können wir auch. Und so wurde alles entwickelt, was zu der würzigen Wurst dazugehört – vom heiß werdenden Metallzylinder bis hin zum Brötchen, was lang und weich sein muss. Doch es sei gar nicht so leicht gewesen, einen Bäcker zu finden, der solche speziellen Brötchen backen konnte, erzählt der ehemalige Fernsehturm-Gaststättenleiter.

Diese Brötchen aus besonderem Teig werden dann auf die Zylinder aufgespießt und erwärmt. In den so entstehenden und versiegelten Hohlraum kommt die gegrillte und in viel Ketchup getauchte Wurst. Manchmal sei der Ketchup in Ermangelung dessen aber auch durch süß-sauren Chutney ersetzt worden.

Die Ketwurst: Ist die Kultwurst noch immer in aller Munde?

Doch was ist aus dem Ostalgiewürstchen geworden? Verschwunden ist es keineswegs. Damals wie heute wird die Ketwurst zum Beispiel in Berlin am traditionsreichen Imbissstand in der Schönhauser Allee angeboten. Inhaber Alain André, der den Imbiss seit 1991 betreibt, versichert uns, dass bei ihm die Ketwurst nach wie vor nach originaler DDR-Rezeptur verkauft wird. Selbst die die Brötchen wärmenden Metallzylinder sind noch aus DDR-Zeiten „und funktionieren problemlos, verbrauchen nur viel Strom“, sagt Alain, dem viel daran liegt, den DDR-Imbiss- Klassiker am Leben zu erhalten. Auch freut es den gebürtigen Franzosen, dass vor allem an den Wochenenden Familien mit ihren Kindern zum Ketwurstessen vorbeikommen, um den unvergleichlichen Geschmack und die Tradition weiterzugeben. Wobei – auch die Ketwurst hat sich modernen Geschmäckern angepasst und wird am Alain-Snack inzwischen auch vegan angeboten.

Wie denn nun: tt oder t?

Ach ja, und dann ist da noch der ewige Streit um die Schreibweise des Wurstnamens. Imbissbesitzer Alain ist sich 100-prozentig sicher, dass die Wurst mit doppel “tt“ geschrieben wird, weil die Würste in Ketten an die Imbissstände geliefert worden seien. So habe es ihm jedenfalls ein HO-Betriebsleiter erzählt und der müsse es als „Ossi“ doch gewusst haben. Andere Zungen und Ketwurst-Kenner wiederum schwören auf nur einem „t“, weil die Bezeichnung ganz logisch eine Wortbildung aus Ketchup und Wurst ist und so auch als Marke beim Patentamt eingetragen ist. Wie auch immer – Hauptsache ist doch, die Wurst im Brötchenmantel schmeckt und zwar genau so, wie sie immer schon geschmeckt hat.


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