Von der Zucht bis zur Vermarktung

11.04.2016

© Fritz Fleege

Felix Wirtz wird drei Limousinfärsen auf dem Championat in Groß Kreutz präsentieren.

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Felix Wirtz ist im bayerischen Allgäu aufgewachsen. Schon dort hatte er es mit Rindern zu tun, denn er lernte Fleischer. Nach der ersten Ausbildung hängte er noch eine Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann dran. Schließlich ist sein Vater in der internationalen Fleischbranche tätig. Als seine Familie dann 2010 etwa 100 km nördlich von Berlin ins mecklenburgische Zippelow zog, stand für den jungen Mann fest, er wird Rinderzüchter. Gemeinsam pachteten bzw. kauften sie Land und übernahmen zwei alte Stallungen einer ehemaligen Jungrinderaufzuchtanlage. Der Hof liegt an der Lieps, mit wunderschönem Blick auf den Tollensesee.

Bevor es richtig losging, absolvierte der junge Mann noch ein Praktikum bei Michael Klemm in Sachsen, wo er Limousinrinder schätzen lernte. Als Metzger wusste er schon früher, dass Tiere dieser Rinderrasse hervorragendes Fleisch liefern. So entstand die Idee, in Zippelow einen Limousinhof aufzubauen. Der junge Mann sah sich noch in vielen ähnlich gelagerten Betrieben in Deutschland und darüber hinaus um, bevor er richtig loslegte.

Heute verfügt der Betrieb über 300 ha Nutzfläche, wovon die Hälfte als Weideland dient. Auf der anderen Fläche wird Getreide Raps und Silomais angebaut. In den aufwendig sanierten und umgebauten Ställen sind im Winterhalbjahr 70 Mutterkühe mit Nachzucht sowie einige Zuchtbullen untergebracht. Insgesamt verfügt er inzwischen über 200 Rinder. Im Sommerhalbjahr sind diese nahezu alle auf der Weide.

Beste Zuchttiere aus Kanada und Frankreich

Felix Wirtz hat sich seit 2011 zu einem engagierten Limousinzüchter entwickelt. Als Grundlage dienten eine Herdenauflösung in Frankreich sowie gezielte Zukäufe aus dem Osnabrücker Zuchtgebiet und auch auf Auktionen im In- und Ausland. Der junge Züchter legt besonderen Wert auf Tiere mit ruhigem Charakter. Der Körperbau soll rassetypisch sein, also Tiere mit langem Rumpf und breitem Rücken sowie starker Bemuskelung in der Keulenpartie. Die Tiere sollen auch ein feines und festes Fundament sowie feste Klauen aufweisen. Bei den weiblichen Tieren legt Wirtz besonderen Wert auf Leichtkalbigkeit und gute Muttereigenschaften. Bei den männlichen Nachkommen schätzt er gute Mastleistung und hohe Futterverwertung. Als Metzger legt er besonderen Wert auf hohe Ausschlachtergebnisse und gute Fleischmarmorierung. Auch die Hornloszucht wird angestrebt. So sind seine vier Deckbullen durchweg genetisch hornlos.

Mit Spitzentieren auf Schauen und Auktionen

Beste Zuchttiere lässt der inzwischen 26-jährige Mann auch mit Sperma von Bullen aus Kanada, England, Frankreich und Irland besamen. Er hat auch schon einen Embryo in Kanada gekauft und einem Empfängertier übertragen lassen. Nun hat er vor, von zwei eigenen Spitzenfärsen Embryonen zu gewinnen.

Mit seinen besten Tieren ist der junge Züchter auf Tierschauen und Auktionen präsent. Für die Vorbereitung nimmt er sich viel Zeit. Die Tiere müssen gewaschen und gestylt werden. Bei der Präsentation zeigt er sie dann mit viel Stolz. So nimmt er regelmäßig an den Wettbewerben auf der MeLa in Mühlengeez und auf der BraLa in Paaren im Glien teil. Und er war sogar schon auf der Sima in Paris. Erst kürzlich präsentierte Wirtz zwei Limousinbullen auf der Fleischrinderauktion in Karow, bei der er den Reservesieger stellte und für 3 400 € absetzte. Außerdem stellte er noch drei Uckermärkerbullen von benachbarten Zuchtbetrieben vor, die er auf seinem Hof auf die Auktion vorbereitete. Am 12. April wird er mit drei ausgewählten Tieren auf dem Färsenchampionat in Groß Kreutz präsent sein und hofft, die guten Ergebnisse aus dem Vorjahr wiederholen zu können, wo seine beste Färse für  5 400 € wegging – das teuerste Tier der Aution.

Fleischvermarktung im eigenen Hofladen

Rinder, die nicht für die eigene Reproduktion benötigt bzw. zur Zucht verkauft werden, vermarktet Wirtz seit Herbst 2015 im eigenen Hofladen. Dabei profitiert der junge Mann noch von der Fleischerlehre im Allgäu, wo wöchentlich ein Rind geschlachtet und verarbeitet wurde. Die Tiere von seinem Hof lässt er zwar woanders schlachten, doch die Zerlegung und Weiterverarbeitung nimmt er überwiegend selbst vor.

So bietet er abgepackte Fleischteilstücke und verschiedene Wurstwaren an. Rindersalami lässt er nach eigener Rezeptur in einer Neustrelitzer Fleischerei zubereiten. Zur Ladeneröffnung gab es auch Rinderbraten, Rindergulasch und echte bayerische Semmelknödel. Geschlachtet und verarbeitet wird nun je nach Bestellung in der Regel einmal im Monat. Besonders groß war der Zuspruch am „Gründonnerstag“. An solchen Tagen ist Felix Wirtz voll in seinem Element. Als Züchter und Halter weiß er, von welchen Tieren die Produkte stammen und wie die Limousins aufgezogen worden sind. Das alles teilt er auf Wusch seinen Kunden mit. Das ist sein Zuhause, nun aber in Mecklenburg.

Abkalbungen über das ganze Jahr

Um stets über verkaufs- bzw. schlachtfähige Tiere zu verfügen, lässt Wirtz seine Kühe kontinuierlich über das ganze Jahr abkalben. Sowohl im Stall als auch auf der Weide sind die Rinder – abhängig von Geschlecht und Alter – in entsprechende Gruppen unterteilt. Die Kälber kommen etwa mit 30 bis 35 kg zur Welt und bleiben acht bis neun Monate bei der Mutter. Zur Muttermilch nimmt der Nachwuchs auf der Weide auch reichlich Gras auf. Außerdem wird ihm noch gequetschte Gerste angeboten.

Kühe mit weiblichem und männlichem Nachwuchs sind in getrennten Herden untergebracht. Die weiblichen Kälber nehmen je Tag etwa 1 200 g und die männlichen sogar 1 350 g zu. Zum Absetzen erreichen die Färsen 300 bis 350 kg und die Bullen 350 bis 450 kg Lebendgewicht. Im Winterhalbjahr von November bis April bekommen die Rinder im Stall bedarfsgerechte Total-Mischrationen. Die für die Kühe und Jungrinder besteht überwiegend aus Grassilage und Heu, die für Zuchtund Mastbullen bzw. -färsen überwiegend aus Maissilage und Kraftfutter.

Im Stall erfolgt je nach Geschlecht und Nutzungsrichtung eine getrennte Aufstallung. Junge Zuchtbullen werden im Alter von 12 bis 18 Monaten verkauft. Mastbullen kommen im Alter von 15 bis 16 Monaten zum Schlachten. Bei einem Ausschlachtergebnis von 70 % hängen dann 430 bis 440 kg am Haken. Das kann sich sehen lassen. Die Mastfärsen bringen es mit 18 bis 20 Monaten auf etwa 350 kg Schlachtgewicht.

Angekommen am Tollensesee

Felix Wirtz ist mit großer Begeisterung Fleischrindzüchter geworden. Er kann stolz sein auf die Zucht- und die Mastergebnisse seiner Limousins. Einige Tiere zählen zu den besten in Deutschland. „Weil die Rinder im Sommerhalbjahr Grünland rund um den Tollensesee und im Naturschutzgebiet Nonnenmühle beweiden, tragen alle hier geborenen Tiere den Zusatznamen ,,vom Tollensesee‘‘, sagt der Züchter mit großer Begeisterung. Damit ist der junge Mann aus dem Allgäu wohl fest angekommen in Mecklenburg-Vorpommern. 

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