Unsere Profis von morgen

06.06.2017

© Carolin Nagel

An dem Wettbewerb auf der agra nahmen 63 Jungzüchter im Alter von 7 bis 25 Jahren aus Deutschland teil.

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Auf der diesjährigen agra in Leipzig standen die Fleischrinder im Mittelpunkt des Interesses. So wurden auf dem Mitteldeutschen Wettbewerb nahezu 150 Rinder 14 verschiedener Rassen vorgestellt, gerichtet und prämiert (BauernZeitung 20/2017). Parallel dazu fand der 9. Bundeswettbewerb der Fleischrind-Jungzüchter statt. Diese beiden Wettbewerbe ergänzten einander. So konnten die jungen Leute an den Spitzentieren den Trend in der Zucht verfolgen und selbst ihr Können unter Beweis stellen. Das ist sehr wichtig. Immerhin sind unter dem Dach des Bundesverbandes Deutscher Fleischrindzüchter und -halter rund 1 800 Mitgliedsbetriebe gebündelt, die über 65 000 Fleischrinder aus mehr als 20 Rassen halten. Diese Rinder dienen neben der Fleischerzeugung vor allem der Landschaftspflege und der extensiven Grünlandnutzung.

Damit der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden kann, kommt es aber auch auf den personellen Nachwuchs an. Schließlich, so heißt es, ist die Zucht ein Denken in Generationen. Und das betrifft nicht nur den Rinderbereich. Die Jungzüchter erhalten dabei von den Mitgliedsbetrieben große Unterstützung. Sie werden in der Beurteilung der Tiere geschult und bekommen Jungrinder zum Vorführen. Am diesjährigen Bundeswettbewerb auf der agra nahmen 63 Jungzüchter im Alter von sieben bis 25 Jahren teil. Sie reisten aus Sachsen, Thüringen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg an, um sich dem Wettbewerb zu stellen und gemeinsam ein Wochenende rund ums Rind zu verbringen.

 

Konzentration beim Vorführen

Wie jedes Jahr bestand der Bundeswettbewerb aus drei Teilwettbewerben: Vorführen, Tierbeurteilung und Rangieren. Beim Vorführwettbewerb bewiesen schon die jüngsten Teilnehmer, dass in ihnen die Profis von morgen stecken. Sie hatten ihre Tiere gut auf den Wettbewerb vorbereitet oder von den Züchtern zur Verfügung gestellt bekommen. Vor der Vorführung mussten sie noch letzte Hand beim Waschen, Scheren oder Putzen anlegen und Vertrauen zum Tier gewinnen. Beim Vorführen war dann ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihr Tier und die Anweisungen der Preisrichter gerichtet – genauso wie bei den Profis.

Das korrekte Aufstellen konnte man sogar schon bei den Kleinen beobachten. Keine leichte Aufgabe für die Preisrichter Martina Genkel-Jenning (RinderAllianz Mecklenburg-Vorpommern) und Michael Lang (Fleischrinderverband Bayern) hier die Klassensieger herauszufinden. Nachdem alle fünf Gruppen der jüngsten Altersklasse (sechs bis 13 Jahre) gerichtet waren, galt es, den Sieger und Reservesieger dieser Altersklasse zu küren. Hier konnte sich Amarence Celine Nagel (RinderAllianz Sachsen-Anhalt) mit ihrem Fleckviehkalb Karina vor Sophie Bittner (Masterrind Niedersachsen) mit ihrem Blonde d’Aquitaine-Bullenkalb Inspector Barnaby durchsetzen. In der mittleren Altersklasse (14 bis 16 Jahre) siegte nach einem spannenden Wettbewerb in fünf Gruppen Jamie-Lynn Dressel mit ihrer Angusfärse Beauty. Den Reservesieg konnte Angelina Schmidt (beide RinderAllianz Sachsen-Anhalt) mit der Angusfärse Hurrican mit nach Hause nehmen. Als letzten Höhepunkt des Samstagvormittags stand die Siegerauswahl der „alten“ Altersklasse (17 bis 25 Jahre) auf dem Programm. Die sechs Gruppensieger zogen in den Ring ein und die Spannung stieg. Die Siegerschärpe konnte sich Friederike Nagel (RinderAllianz Sachsen-Anhalt) mit der Fleckviehfärse Karla erkämpfen. Laura-Marie Katzke (Landesverband Thüringer Rinderzüchter wurde Reservesiegerin mit der Anguskuh Dense.

 

Tierbeurteilung nach Einzelmerkmalen

Nach dem Vormittag, der ganz im Zeichen des Vorführens stand, wurden am Nachmittag die Theoriewettbewerbe durchgeführt. Begonnen wurde mit der Tierbeurteilung von Kühen der Rasse Fleckvieh-Simmental. Clemens Braschos (Masterrind Sachsen) und Martina Genkel-Jenning (Rinder-Allianz Mecklenburg-Vorpommern) erklärten an einer Fleckviehkuh die einzelnen Schritte der Beurteilung. Dabei können für wichtige Einzelmerkmale in Typ, Bemuskelung und Skelett jeweils bis zu 90 Punkten und die Noten eins bis neun vergeben werden.

Danach mussten die Jungzüchter selbst ran. Die Aufgabe hieß nun, zwei weitere Fleckviehkühe anhand des Beurteilungsbogens zu bewerten. Da zog Leben in den Ring ein. Schließlich wollte sich jeder Jungzüchter die beiden Tiere genau anschauen, von vorn, von der Seite und von hinten und möglichst auch noch von unten. Dann wurde gepunktet und gerechnet. Zum Schluss mussten die Teilnehmer ihre Zettel abgeben.

 

Rangieren wie ein Preisrichter

Als die drei Fleckviehkühe den Ring verlassen hatten, zogen vier Charolaisfärsen ein, die nun von den Jungzüchtern rangiert wurden. Clemens Braschos erklärte die wichtigsten Merkmale der Rasse Charolais. Als Grundlage dazu diente das Zuchtziel. Daraufhin mussten die Jungzüchter Preisrichter spielen. Die gleiche Aufgabe bekamen sie bei einer Gruppe von vier Angusfärsen. Das waren keine leichten Aufgaben, die verschiedenen Rassen zu beurteilen und zu rangieren. Die Teilnehmer bewiesen einmal mehr ihr Interesse an der Fleischrinderzucht und kamen zu guten Ergebnissen. Sieger wurde, wer mit seiner Rangierung der beiden Färsengruppen der Platzierung des Profirichters am nächsten kam. Doch dies wurde später hinter verschlossenen Türen ermittelt. Der Tag klang mit einem gemeinsamen Züchterabend gemütlich aus, woran alle Teilnehmer viel Freude hatten.

Sonntagvormittag ging die heiß ersehnte Siegerehrung los. Hier wurden zuerst noch einmal die Vorführsieger geehrt, bevor die Platzierten der Theoriewettbewerbe bekannt gegeben wurden. In der Tierbeurteilung belegten Theresia Burchardt aus Sachsen-Anhalt (Altersklasse Mittel) und Helke Focke aus Mecklenburg-Vorpommern (Altersklasse alt) jeweils den ersten Platz. Beim Rangieren gingen die Siege in der Altersklasse jung an Lina und Franz Schmidt (Sachsen), in der Altersklasse Mittel an Nadine Hartenstein (Sachsen) und Lena Röder (Sachsen-Anhalt) und in der Altersklasse alt an Laura Katzke (Thüringen), Georg Illing, Sandra Hartenstein und Felix Wetzel (alle Sachsen).

Dann erreichte die Spannung ihren Höhepunkt. Endlich wurden die Grand Champions der drei verschiedenen Altersklassen gekürt. Grand Champion wird der Jungzüchter, der in allen drei Teilprüfungen zusammengerechnet das beste Gesamtergebnis seiner Altersklasse erzielen konnte. Freudentränen über den Championpokal in der jüngsten Altersklasse gab es bei Florian Katzke, zehn Jahre, aus Thüringen. Über den Titel Grand Champion 2017 in der mittleren Altersklasse konnte sich Lena Röder, 16 Jahre, aus Sachsen-Anhalt freuen. Und Sandra Hartenstein, 19 Jahre aus Sachsen konnte es kaum fassen, dass sie in der höchsten Altersklasse den Gesamtsieg errungen hatte.

 

Für die Zukunft gut gerüstet

Die Grand Champions sowie die Vorführsieger und -reservesieger erhielten großzügige Geldpreise der agra Dienstleistungs GmbH. Dank gilt allerdings allen Teilnehmern am Bundeswettbewerb der Fleischrind-Jungzüchter. Schließlich sind sie aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands in Leipzig zusammengekommen, um gemeinsam ein Wochenende rund ums Fleischrind zu erleben und sich dem bundesweiten Wettbewerb im Vorführen, in der Tierbeurteilung und im Rangieren zu stellen. Diese Tage waren neben dem Wettbewerbsgedanken vor allem von Begeisterung für die Tiere und dem familiären Miteinander geprägt. Organisiert wurde der Bundeswettbewerb vom Verband deutscher Fleischrind-Jungzüchter (VdFJ). Der Verband hat sich zum Ziel gesetzt, bundesweite Schulungen zu organisieren und die Interessen der deutschen Fleischrind-Jungzüchter zu vertreten. Wie der Wettbewerb auf der agra deutlich machte, muss einem um die Zukunft der Fleischrindzucht nicht bange sein. Die Profis von morgen stehen bereits in den Startlöchern.

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