Stickstoffdüngung bleibt ein Thema

22.12.2014

© Erik Pilgermann

Wissenschaft und Praxis: Denise Bednorz, Dr. Matthias Schrödter, Dr. Joachim Bischoff, Dr. Falko Holz, Dr. Nadine Tauchnitz, Frank Wiese, Prof. Ralph Meißner und Benjamin Pietzner (v. l.)

Auf der Ackerbautagung 2014 in Iden und Bernburg-Strenzfeld drehte sich diesmal alles um die organische Düngung. Den Ausgangspunkt bildete das von der Deutschen Bundesstifung Umwelt (DBU) geförderte Projekt zu Gülle-Strip-Till-Verfahren. Ermittelt wurden dabei die Effekte der neuen Bearbeitungsverfahren auf die Erträge von Mais und anderen Kulturarten. Gleichzeitig maßen die Wissenschaftler intensiv die Verlagerung von Nitrat ins Grundwasser und auch die Freisetzung von Treibhausgasen. Die Versuche, die auf Praxisflächen der Agrargenossenschaft „Altmärkische Höhe“ Lückstedt eG wurden, sind nun umfassend ausgewertet. Dr. Falko Holz, Präsident der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) eröffnete die Veranstaltungen, die beide ob des aktuellen Bezuges sehr gut besucht waren.

 

Prof. Ralph Meißner vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung erläuterte das DBU-Projekt und berichtete von den Lysimeterversuchen am Standort Falkenberg.

 

Dr. Nadine Tauchnitz von der LLFG fasste die Ergebnisse zur Stickstoffeffizienz von Mais bei Gülle-Strip-Till zusammen. Im Vergleich zur ganzflächigen Bodenbearbeitung sei bei Strip-Till-Varianten in 30 cm Tiefe mit drei bis sieben Volumenprozenten mehr Bodenfeuchte zu rechnen. Nach der Ernte waren in den Reihenzwischenräumen deutlich höhere Nmin-Gehalte zu finden, als in den Reihen. Dies lasse auf eine sehr gute Ausschöpfung der stabilisierten Gülledepots schließen.

 

Interessant sei der Fakt, dass bei der ersten Zwischenernte bei den Strip-Till-Varianten im Vergleich zu der herkömmlichen Bewirtschaftungsweise deutlich bessere TM-Erträge und N-Entzüge festgestellt werden konnten. Bei der  Haupternte seien diese Unterschiede aber nicht mehr feststellbar gewesen, was auf die optimale Maiswitterung der letzten Saison zurückzuführen sein. Deshalb sei ein – vor allem unter schwierigen Verhältnissen – Vorteil der Strip-Till-Verfahren zu vermuten. Dies müsse aber noch genauer untersucht werden.

 

Denise Bednorz und Benjamin Pietzner, Doktoranden der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, berichteten über die Ergebnisse ihrer Teilprojekte zur Quantifizierung der N-Austräge in Dränage- und Sickerwässern und zur N-Emmision in Mais bei Gülle-Strip-Till.

 

Dr. Matthias Schrödter von der LLFG sprach über die Anforderungen des Gewässerschutzes bei der Düngung mit Gülle und mit Gärresten. Aus aktuellem Anlass rückte er die neue Düngeverordnung in das Zentrum seines Vortrages. Er betonte, dass es nach der Novellierung der Düngeverordnung nur noch um die Düngung zur Pflanzenernährung geht. Die Düngung zum Erhalt beziehungsweise dem Aufbau von Humus sei nicht mehr vorgesehen. Besonders problematisch sehe er die Verlängerung der Sperrfristen zur Ausbringung vor allem von organischem Dünger. Er nahm dabei Bezug auf eine Erhebung der KTBL zu den Feldarbeitstagen für schwere Arbeiten. Laut dieser sei die Zeit im Frühjahr und im Herbst auch ohne die Düngung mehr als vollgepackt und Arbeitsspitzen seien überdeutlich. Die Frage sei, welchen Effekt es habe, wenn dort ab der nächsten Saison von den Landwiretn auch noch die Düngung „untergebracht“ werden soll. Hier könne die Ausbringung von Gülle und Festmist rein arbeitstechnisch schnell zum Problem werden. Auch im Hinblick auf die anderen „Baustellen“, wie dem Greening und den Agrarumweltmaßnahmen, sei die organische Düngung unter Druck. Dr. Schrödter ergänzte dazu: „Die Flächen für die Gülleausbringung werden immer knapper.“ Die reine Strohdüngung sei nach neuer DüVO nicht mehr zulässig. Es dürfe nur noch zu Wintergerste und Winterraps gedüngt werden. Die Spezifik der Standorte sei bei der neuen Verordnung nicht ausreichend bedacht worden.

 

Frank Wiese, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft in Lückstedt fasste seine Eindrücke als Praktiker zusammen und stellte die Frage, wie man als Landwirt unter diesen immer schwierigeren Bedingungen solch innovative Verfahren wie Gülle-Strip-Till überhaupt noch anwenden soll, wenn einem schlicht die Zeit fehle. Außerdem merkte er an, dass weiterhin viele Fragen der Stickstoffdüngung offen seien. „Die Nährstofffracht ist nicht das Problem, sondern dass man die Grenzwerte der Nährstoffkonzentrationen im Drän- und Sickerwasser nicht immer einhalten kann.“

 

Dr. Barbara Koblenz und Dr. Jan Rücknagel von der MLU Halle-Wittenberg erläuterten auf der Bernburger Veranstaltung die Bodenwirkungen von der Gülle- und Gärrestdüngung. Abschließend erläuterte Dr. Joachim Bischoff von der LLFG den Zwischenfruchtanbau im Zusammenhang mit Gülle-Strip-Till-Verfahren, auch Bio-Strip-Till-Verfahren genannt.

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