So viel Leistung und doch so gutmütig

04.10.2013

Geschafft! Nach nur vier Jahren Studium hat Saskia Storm ihren Titel als Master of Science der Agrarwissenschaften in der Tasche. Sie liegt mit acht Semestern deutlich unter dem Schnitt der Studiendauer, denn sie hat sogar ein Jahr weniger gebraucht, als es die Regelzeit vorsieht. Doch nicht nur die kurze Studienzeit zeichnet die junge Frau aus, sondern auch ihr Ehrgeiz. Nur die besten Noten waren für sie aktzeptabel, weshalb sie das Studium mit 1,2 abgeschlossen hat.


Aufgewachsen ist die jetzt 24-Jährige in Kellenhusen (in der Nähe von Neustadt, Schleswig-Holstein) ohne einen elterlichen Betrieb im Hintergrund. „Trotzdem wurde die Milch bei uns immer vom Bauern geholt“, erzählt sie. Und wie ist ihre Berufswahl dann auf ein landwirtschaftliches Studium gefallen?

Essen müssendie Leute immer

Die Agrarbranche ist entgegen vieler landläufiger Meinungen für sie ein zukunftsträchtiger Wirtschaftsbereich, denn schließlich müssen die Menschen immer etwas zu essen haben. Auch die Arbeit mit und an den Tieren war für ihre Berufswahl ausschlaggebend, nur dass am Anfang die Tierart nicht feststand. Doch das sollte nicht lange so bleiben. Bereits während des Praktikums entschied sie sich für die Milchkühe und änderte ihre Meinung ab da an nicht mehr. Mit Respekt spricht sie von diesen Tieren, die für sie trotz ihrer hohen Milchleistungen ausgesprochen gutmütig erscheinen. Auch die Menschen, welche mit den Nutztieren arbeiten, sind für sie bewundernswert und charakterstark.


Die erste Praxis erfuhr sie auf einem klassischen Familienbetrieb in Niedersachsen mit 120 Kühen. Der Anschluss an die Familie machte es ihr leicht, in die bäuerlichen Arbeiten hineinzufinden, und sie lernte schnell selbstständig zu melken und zu füttern. Mit weiteren Praktika auf anderen Milchviehbetrieben wuchsen neben ihrer Erfahrung auch die Kuhzahlen pro Betrieb. Ein wichtiges und zukunftsentscheidenes Praktikum war nach zwei Jahren Studium das bei der Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH (RBB). Da sie in Berlin wohnt und nicht den täglichen Kontakt zu den Rindern pflegen konnte, entschied sie sich, dem Brandenburger Jungzüchterverein beizutreten. Dort lernt man, wie Rinder gefüttert, versorgt und für eine Tierschau vorbereitet werden. Das brachte sie mit anderen interessierten jungen Menschen und den Tieren in Kontakt.


Die Verbindung in die Tierzucht verhalf ihr schließlich auch zum Amt der Milchkönigin, in das sie im Mai 2012 das erste Mal gewählt wurde. Ein Amt, das sie gerne und voller Stolz ausfüllt. „Als ich das erste Mal auf einer Rinderschau war und sah, wie die damalige Milchkönigin den Siegern und Jungzüchtern gratulieren durfte, wollte ich diesen Job auch unbedingt machen“, gibt sie lachend zu. Bisher hat ihr das Amt so gut gefallen, dass sie sogar für 2013/14 um ein Jahr verlängerte.

Das Amt wirkt wie ein Türöffner

Doch nicht nur das Preisüberreichen gefällt Saskia als Milchkönigin, auch der nahe und direkte Umgang zu Landwirten und Landfrauen, welche mit Herzblut ihrer Arbeit nachgehen, macht ihr Spaß. Jetzt habe sie auch einen großen Einblick in das Arbeitsleben von Politikern erhalten und schätzen gelernt, schildert sie. Oft treten sie gemeinsam auf öffentlichen Veranstaltungen auf, alles Dinge, die, wie sie jetzt weiss, „zusätzlich laufen müssen“.


Für die Bachelorarbeit bekam Saskia ein Thema aus dem Fachgebiet Tierhaltungssysteme und Verfahrenstechnik zum Kauverhalten von Milchkühen, welches Rückschlüsse auf die Futteraufnahme geben sollte. Dieser Arbeit war Saskia bestens gewachsen und sie erntete mit ihrer Bachelorarbeit nicht nur eine sehr gute Note, sondern auch das Angebot als studentische Hilfskraft am Fachgebiet zu arbeiten. In ihrer späteren Masterarbeit behandelte sie ein praktisches Thema für den RBB, bei dem sie die männliche Fruchtbarkeit und Produktivität genomisch getesteter Jungbullen analysierte. Auch hier schnitt sie sehr gut ab, sodass sie jetzt mit Bestnoten ins Berufsleben startet.


Und wo soll das stattfinden? Auch diese Entscheidung ist bereits gefallen. Ab Mitte Oktober, pünktlich für die „Blickpunkt Rind“, wird sie als Assistenz der Geschäftsleitung des RBB beginnen. Dort erwarten sie viele verschiedene Aufgaben, am Anfang wird sie sich jedoch noch einmal genauestens im Unternehmen umschauen und orientieren. Ansonsten stehen die Organisation von Fachveranstaltungen, Tierschauen und der Umzug des Rinderzuchtmuseums in Groß Kreutz an.


Das Einzige, was sie momentan noch erreichen möchte, sind ein paar Auslandsaufenthalte. Aber auch dafür hat Saskia bereits einen Plan. Neben der Arbeit spart sie Geld, um sich viele Reisen leisten zu können. Die Erste steht demnächst an – bevor der Job beginnt, noch schnell zwei Wochen Frankreich.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr